Plüderhausen-Walkersbach Konflikt ums Bürgerhaus: Musikverein sagt drei Feste ab

Bei Veranstaltungen im und um das Bürgerhaus in Walkersbach wird es nachts bisweilen laut. Das sorgt für Konfliktstoff. Foto: Habermann / ZVW

Plüderhausen-Walkersbach. In den Konflikt um das Bürgerhaus Walkersbach kehrt keine Ruhe ein. Um künftig Rechtssicherheit zu haben, arbeitet die Gemeinde deshalb gerade an einer Benutzungsordnung für das Gebäude. Da diese noch nicht feststeht, sieht sich der Musikverein Frohsinn momentan nicht imstande, seine drei kommenden Feste dort abzuhalten.


Hier finden Sie alle Artikel, die bereits zum Thema erschienen sind.


Die Nachricht erreichte uns Anfang der Woche wie ein Paukenschlag: Weder der Vorfasching am 2. März noch das Schlachtfest am 3. März und auch nicht die Feier am 1. Mai werden dieses Jahr in Walkersbach stattfinden. Alle drei Feste wären im und um das Bürgerhaus ausgetragen worden. „Wir sehen uns aufgrund der aktuellen Situation nicht in der Lage, die Feste zu unserer sowie der Zufriedenheit der verantwortlichen Behörden durchzuführen“, teilt Uwe Wahl, der Vorsitzende des veranstaltenden Musikvereins Frohsinn, mit.

Unklar, ob Feste im kommenden Jahr stattfinden

Die Mitglieder hätten sich sehr lange Gedanken darüber gemacht. Schließlich sei es auch ein finanzielles Risiko, nur mit den Einnahmen vom Oktoberfest (das nicht abgesagt wurde) zu planen und zu wirtschaften. Den Entschluss hätten Vereinsleitung und Ausschussmitglieder dann aber einstimmig gefasst.

Uwe Wahl bedankt sich explizit bei den vielen Helfern der vergangenen Jahre – und lässt zugleich offen, ob im kommenden Jahr die drei Feste wieder stattfinden. Mehr möchte er im Moment dazu nicht sagen. „Ich will kein Öl ins Feuer gießen und auch niemanden beleidigen.“ Doch so viel ist sicher: Wahl hegt keinen Groll. Doch so lange die Nutzungsordnung nicht explizit geregelt sei, könne der Musikverein im Bürgerhaus vorerst keine Feste abhalten.

Die Nutzungsordnung soll in sechs bis acht Wochen fertig sein

Die Gemeinde ist gerade dabei, eine solche Benutzungsordnung für das Bürgerhaus zu formulieren. Mit den Walkersbacher Vereinen hat es laut Bürgermeister Andreas Schaffer bereits Gespräche gegeben. Dabei seien Änderungswünsche formuliert worden, die die Verwaltung jetzt prüfe. In sechs bis acht Wochen rechnet Schaffer damit, dass die Benutzungsordnung im Gemeinderat diskutiert und dann auch beschlossen wird. Dann hätten die Vereine endlich klare rechtliche Vorgaben.

Schaffer wurde von der kurzfristigen Absage des Vereins nun ziemlich überrascht. Er hätte sich gewünscht, dass die Verantwortlichen, mit denen er stets sehr gut zusammengearbeitet habe, vorher das Gespräch mit der Gemeinde gesucht hätten, teilt er auf unsere Nachfrage hin mit. Für die kommenden Feste hätten sich im Gespräch sicher rechtliche Regelungen finden lassen, auch wenn die Nutzungsordnung bis dahin noch nicht festgeschrieben ist.

Der Konflikt hat sich über die Jahre hochgeschaukelt

Dass eine solche für das Bürgerhaus überhaupt nötig ist, liegt an dem Konflikt, der um Veranstaltungen im und um das Gebäude entstanden ist. Immer wieder hatte es in den vergangenen Jahren Streit zwischen Walkersbachern, die das Bürgerhaus nutzten, und dem direkt gegenüber liegenden Nachbarn gegeben. Ein Konflikt, der sich mit den Jahren hochgeschaukelt hat und bei dem die Fronten zunehmend verhärtet scheinen. Obwohl es zuletzt eher ruhig geworden war um das Bürgerhaus.

Das war nicht immer so: An der Garagentüre des Nachbarn prangt seit geraumer Zeit in großen Buchstaben „Du Sau!“. Mit einem Böller wurde ihm einmal der Briefkasten gesprengt, es gab Drohungen per SMS, außerdem wurde die Luftwärmepumpe hinterm Haus zerstochen. Im Frühjahr wurde eine Überwachungskamera geklaut. Danach gab es Hausdurchsuchungen. Die Täter konnten nie ermittelt werden.

Nachbar ruft Polizei wegen nächtlichen Lärms nach Veranstaltungen

Der Nachbar hatte zuvor Unmut im Dorf auf sich gezogen, weil er wiederholt wegen nächtlichen Lärms nach Veranstaltungen im Bürgerhaus die Polizei rief. „Wir wissen uns nicht anders zu helfen“ sagt er und verweist darauf, dass sein Haus im allgemeinen Wohngebiet liegt und daher die Nachtruhe eingehalten werden müsse. Es sei nicht akzeptabel, wenn nachts um drei vor seinem Haus herumgegrölt werde. (Die Gemeinde hat wegen der Lärmproblematik im Haushalt für das Jahr 2019 auch Mittel in Höhe von 47 000 Euro für eine Lärmschutzwand am Bürgerhaus eingestellt.)

Der vor sieben Jahren in das Dorf Gezogene sieht sich zu Unrecht in die Rolle des Buhmanns gedrängt. Und er sagt: „Mit uns redet niemand.“ Die Gegenseite sei schon lange nicht mehr gesprächsbereit. Wobei er Uwe Wahl, den Vorsitzenden des Musikvereins, davon ausdrücklich ausnimmt. „Der war sehr nett zu mir und hat sich bemüht.“

Ortsvorsteherin bedauert Absagen

„Es ist nervig, wenn man schon im Vorfeld weiß, dass es Ärger gibt“, sagt hingegen Ortswartin Gerda Rost, die den Streit um das Bürgerhaus allmählich leid ist und die Verantwortung für die Eskalation eher bei dem Nachbarn sieht. Der rufe aus ihrer Sicht nämlich allzu leichtfertig die Polizei, wenn ihm etwas nicht passe. Sie bedauert, dass der Musikverein nun drei seiner Feste absagen wird. Kann es aber auch verstehen, dass die Verantwortlichen angesichts der unklaren Situation erst einmal von der Ausrichtung der Feste absehen wollen.


Ein Traditionsfest

Das Schlachtfest hat eine lange Tradition und ging im Jahr 2000 aus der ehemaligen Bockmusik hervor.

Der Vorfasching fand 2018 hingegen zum ersten Mal statt. Einige Besucher hatten sich damals über den Nachbarn, der ab und an Rosa trägt, lustig gemacht und vor seinem Haus mit rosa Oberteilen und Aufschriften wie „Spielverderber“ posiert.


Unsere gesamte Berichterstattung zum Bürgerhaus Walkersbach:

  • Bewertung
    19
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!