Plüderhausen Wie läuft das Bistro am Bahnhof?

Haben den Bahnhof in Plüderhausen mit ihrem Bistro neu belebt: Gabi und Thomas Birkner. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Plüderhausen.
Partys organisieren und für Dutzende Gäste kochen – das hat Gabi Birkner schon immer sehr gerne getan. Für sie war das „ein Stück weit Passion“, doch immer nur in ihrer Freizeit. Vor einem Jahr hat sie dann ihr Hobby zum Beruf gemacht – und zusammen mit ihrem Mann Thomas eines der leerstehenden Gebäude am Plüderhäuser Bahnhof gepachtet.

„Das war ein Sprung ins kalte Wasser“, sagt Thomas Birkner, einer vom relativ sicheren und berechenbaren Angestelltendasein ins Ungewisse der Selbstständigkeit. Aber ein gewollter, denn sich selbstständig machen, davon hatten die beiden immer geträumt. Als dann die Bank, bei der er angestellt war, geschlossen wurde, hat er die Gelegenheit einfach beim Schopfe gepackt.

Auch seine Frau, von Beruf eigentlich medizinisch-technische Assistentin, verließ die Praxis, in der sie damals angestellt war. Einige Zeit waren sie dann zunächst mit einem Foodtruck unterwegs, bis sie schließlich vor einem Jahr das Bistro am Bahnhof eröffneten.

Der Anfang sei durchaus hart gewesen, berichten die beiden. Es habe gedauert, bis das Geschäft anlief. Nicht nur das leerstehende Gebäude musste hergerichtet, sondern auch der Ruf neu aufgebaut werden. Vor dem Leerstand befand sich dort nämlich eine Bahnhofskneipe, „mit allen Klischees“. Dass dies kein zwielichtiger, verrauchter Ort, sondern ein freundliches Bistro ist, musste erst in die Köpfe hinein.

Seltsam: Bahnpendler kommen nur selten in das Bistro

Und nicht alles gelang. Vor allem die Idee mit dem Frühstücksmenü mussten die beiden schnell wieder aufgeben. Dass Pendler sich auf dem Weg zur Arbeit einen Kaffee oder belegte Brötchen am Bahnhof holen, mag andernorts funktionieren – in Plüderhausen fand das Angebot nur wenig Anklang. Trotz der rund 1500 Bahnnutzer, die dort an Werktagen durchschnittlich verkehren.

Überhaupt scheinen sich Pendler am wenigsten für das Bistro zu interessieren, so die zentrale Erkenntnis nach einem Jahr. Doch Gäste kamen dennoch, und mit der Zeit wurden es immer mehr. 90 Prozent, so schätzt Thomas Birkner, seien mittlerweile Stammkunden, darunter Damengruppen, Familien, Kinder oder Berufstätige in der Mittagspause.

Im „BAB – Bistro am Bahnhof 1861“ bekommen sie hauptsächlich Burger aller Art. Daneben gibt es seit diesem Sommer jeden Tag einen wechselnden Mittagstisch mit Salatbar für 6,90 Euro. Diesen Mittwoch gibt es etwa Rinderhacklasagne mit Basilikum-Tomatensoße, am Donnerstag Krustenbraten mit Apfelrotkohl, Bratensoße und Semmelknödel. Ein Angebot, das vor allem Berufstätige nutzen. Und das nicht nur in dem recht kleinen Bistro zu sich genommen, sondern zunehmend auch vorbestellt wird. „Manchmal waren wir auch schon ausverkauft“, berichtet Gabi Birkner lächelnd.

Etwa 20 Plätze hat das Bistro, im Sommer stehen noch am Vorplatz mehrere Tische. Nach oben hin sind den Gastwirten also klare Grenzen gesetzt. Gerne hätten sie den Raum gegenüber noch dazugepachtet. Doch dort befindet sich seit der Gartenschau der „Freiraum“, in dem Ausstellungen und Workshops stattfanden, aber auch mehrere Pop-up-Läden eröffnet hatten. Allerdings immer nur, so das Konzept, zeitlich begrenzt. Daran möchte die Gemeinde vorerst festhalten. Für dieses Jahr können sich Interessierte noch bis Ende des Monats bei der Gemeindeverwaltung bewerben (wir haben berichtet).

Beim Kneipen-Quiz können Teams gegeneinander antreten

An Ideen mangelt es den beiden aber nicht. Seit kurzem gibt es alle zwei Wochen ein Kneipen-Quiz. Verschiedene Teams treten dabei gegeneinander an und müssen 50 Fragen aus verschiedenen Themenbereichen beantworten. Auf Gewinner warten Gutscheine. Auch Spare-Ribs- oder Barbeque-Abende sind künftig angedacht.

Im Moment stemmen sie das an sechs Tagen pro Woche geöffnete Bistro komplett alleine. Zwölf- bis 14-Stunden-Tage sind die Regel. Sobald es sich trägt, wollen sie daher Mitarbeiter einstellen. „Wir sind auf einem sehr guten Weg und können zufrieden sein“, sagt Thomas Birkner. „Wir haben es bislang nicht bereut.“


Was sich rund um den Bahnhof getan hat

Der Bereich rund um den Plüderhäuser Bahnhof war lange Zeit nicht sehr attraktiv. Vor drei Jahren hat die Gemeinde für 200 000 Euro das Bahnhofsgebäude sowie anliegende Flächen erworben und die leerstehenden Gebäude wieder belebt. Neben dem Bistro am Bahnhof gibt es mit dem „Freiraum“ auch einen Ort für Pop-up-Läden.

Mit dieser Entwicklung sei die Gemeinde „sehr zufrieden“, sagt Bürgermeister Andreas Schaffer.

Auch in den Bereich zwischen Straße und Vorplatz hat die Gemeinde investiert. Der Vorplatz wurde in der Zwischenzeit neu gestaltet, auch die Straße erneuert.

Außerdem gibt es mit Lidl und Rossmann jetzt zwei neue Geschäfte in Bahnhofsnähe.

Nach wie vor nur geschottert sind die Parkplätze auf der Nordseite des Bahnhofs.

Im Zuge der Gartenschau wurde die Unterführung von der Künstlergruppe „Art5" Bullaugen mit Fischen und Fröschen angebracht.

Noch ist diese wichtige Verbindung von den nördlichen in den südlichen Ortsteil jedoch eine große Baustelle, da sie nicht einmal ansatzweise barrierefrei ist. Die eigentlich dafür zuständige Bahn sieht aufgrund der geringen Fahrgastzahl keinen Handlungsbedarf.

Vergangenes Jahr hat die Gemeinde deshalb eine Planungsvereinbarung unterschrieben. Mit einem Start des Umbaus ist jedoch frühestens in fünf Jahren zu rechnen.

Für die am Donnerstag im Gemeinderat beginnenden Haushaltsberatungen liegen mehrere Anträge zur Entwicklung des Bahnhofareals vor. So fordert die CDU-Fraktion einen vorläufigen Stopp der kommunalen Planung. Zunächst sollen Fördermöglichkeiten des Bundes (im Rahmen des 1000-Bahnhöfe-Programms) geklärt werden.

Und die FW-FD-Fraktion möchte einen Investorenwettbewerb für das Bahnhofsgebäude, das „einer neuen, hochwertigen, gemischten Nutzung zugeführt werden“ soll.

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