Plüderhausen Wohnen im Tiny House: Für eine Person noch Luxus

, aktualisiert am 30.12.2019 - 06:33 Uhr
„Durch die lange Flucht kommt es einem gar nicht so klein vor“, findet Ute Friesen. Hier steht sie in ihrem Wintergarten. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Plüderhausen.
In der frühen Winterdunkelheit glitzern Plüderhausens Lichter um die Wette, und in der Ferne kann man gerade noch die Scheinwerfer der Autos erkennen, die über die B 29 rauschen. Wir befinden uns nicht auf einem Aussichtspunkt, sondern in dem neuen Zuhause von Ute Friesen. Von ihrem Tiny House aus hat sie einen Panorama-Ausblick über die Gemeinde. „Den weiten Blick habe ich vermisst“, sagt sie. „Damit fühlt man sich richtig frei.“

Diesen Dezember ist sie aus einem über 100 Quadratmeter großen Haus in Weiler in das kleine Modulhaus der Firma „Schwörer Haus“ gezogen. Die Genehmigungen zu bekommen, um das Tiny House wie geplant umzusetzen, war gar nicht so einfach. Die erste Bauanfrage hat Ute Friesen im Februar 2018 eingereicht, damals noch mit einem etwas anderen Plan. „Ich wollte eigentlich nicht so einen langen Riegel hinstellen, sondern das Arbeitszimmer aufs Dach setzen“, erzählt sie. Damit wäre das Haus aber zu hoch geworden, um genehmigt zu werden.

Auch die Treppe zum Haus wollte die Berufsschullehrerin und Autorin nicht so aufwendig in den Hang einbauen lassen. Weil die 47-Jährige aber - obwohl sie kein Auto hat und auch nicht plant, sich eines anzuschaffen - zwei Stellplätze für ihr neues Zuhause nachweisen musste und mit der Treppe, so wie sie ursprünglich geplant war, die zwei Garagen unterhalb des Hauses nicht mehr nutzbar gewesen wären, musste Ute Friesen umplanen. „Ich werde öfter auf die Garagen angesprochen als auf das Haus, weil Leute sie mieten wollen“, sagt sie.

Vorbereitungen waren Herausforderung

Als das Haus geliefert wurde, hatte sich allerdings die gesamte Nachbarschaft zum Zuschauen versammelt. Ein Kran hob Anfang November das 21 Tonnen schwere Fertighaus in den Hang. Auf einem Streifenfundament aus Beton stehen dort Stahlstützen. „Die sind sehr hoch, müssen aber trotzdem exakt senkrecht stehen“, erklärt Ute Friesen. Das Grundstück für das Haus vorzubereiten war eine Herausforderung.

„Die Architektin hat keine Baufirma gefunden“, erzählt Ute Friesen. „Manchen war der Auftrag vielleicht zu klein, aber einige haben auch gesagt, sie könnten das nicht.“ Letztendlich habe eine Gartenbaufirma sich der Erdarbeiten angenommen, die die Betonarbeiten dann aber wiederum an eine zweite Firma vergeben musste.

Drei Wochen lang musste Ute Friesen, nachdem das Haus geliefert wurde, noch auf dem Sofa ihrer Eltern übernachten, bevor sie endlich in ihr neues Heim einziehen konnte, weil Strom und Wasser noch nicht funktionierten. Inzwischen wohnt sie aber in dem insgesamt 63 Quadratmeter großen Haus mit Schlafzimmer, Arbeitszimmer, Bad, einem Koch- und Essbereich und einem Wintergarten, der auch als Wohnbereich fungiert. Ob sie sich beengt fühlt? „Nein, überhaupt nicht“, sagt sie. „Für ein Haus ist es zwar klein, aber für eine Person ist die Wohnfläche ja trotzdem Luxus.“

Ein Einfamilienhaus findet Ute Friesen zwar eigentlich ökologisch unsinnig, trotzdem wollte sie näher bei ihren Eltern wohnen. So kam der Kompromiss mit dem Tiny House zustande. Auch kostentechnisch sei sie damit immer noch besser dabei, als wenn sie ein konventionelles Haus gebaut hätte. „Für einen Laien kann es aber sehr schwer sein, die tatsächliche Energiebilanz zu beurteilen“, findet sie. Das hat sie bei den vielen Entscheidungen, die für die Zusammenstellung ihres Fertighauses nötig waren, gemerkt: Fliesen oder Linoleum, ein Batteriespeicher oder nicht, die Kosten bezahlbar halten oder konsequent nachhaltig bauen?

Als Laie fand sie es schwer, die Energiebilanz zu beurteilen

Ihr Tiny House hätte es zum Beispiel auch in einer Version ohne Fotovoltaikanlage auf dem Dach gegeben. Ute Friesen hat sich aber bewusst für eine nachhaltige Energieerzeugung entschieden. Um umweltbewusster zu leben als zuvor in ihrem alten Haus mit Baujahr 1906 in Weiler, hat sie auch in einen Batteriespeicher investiert. „Wirtschaftlich lohnt sich das nicht“, sagt sie. „Aber ökologischer ist es.“ In Zukunft hofft sie, so viel Strom zu erzeugen, wie sie selbst verbraucht.

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