Plüderhauser Badesee Jeder Dritte zahlt keine Parkgebühren

Der Gemeindevollzugsbeamte musste am Badesee in einem Monat bereits über 300 Parksünden ahnden. Das Rathaus hofft, dass sich die Automatenneuerung nun bald herumspricht. Foto: Habermann

Plüderhausen. Für die Herren, die seit Juni in Diensten des Plüderhäuser Rathauses fürs Knöllchenschreiben und Automatenentleerung am Badesee nach Einführung der Parkscheinautomaten zuständig sind, gab’s nun im Gemeinderat von SPD-Fraktionschef Klaus Harald Kelemen großes Lob, weil sie „Ordnung in die chaotischen Verhältnisse bringen“. Tatsächlich parkt noch etwa jede(r) Dritte am Badesee ohne Parkschein.

Seit 24 Jahren

Seit 24 Jahren erhebt die Gemeinde Plüderhausen bereits von auswärtigen Kraftfahrern am Badesee Parkgebühren. Sie setzte auf eine privatrechtliche Vereinbarung: Der Angelverein bekam 60 Prozent der Einnahmen bei Autos und die Hälfte bei Motorrädern. Die Gemeinde erzielte mit der Regelung, die für sie keinen Aufwand bedeutete, bis 2006 jährlich rund 5 000 Euro Einnahmen. Seit 2010 organisiert der Kioskpächter die Parkscheine, kündigte dann. Die Einnahmen sanken auf 3 430,40 Euro.

Am Aichstrutsee, wo Welzheim bis 2004 auf Rentner als Parkwächter setzte, haben die Automaten die Einnahmen von 7 239 auf über 17 000 Euro in zwei Jahren (bis 2006) erhöht.

Klaus Harald Kelemen, dessen Fraktion 2011 den Antrag gestellt hatte, empfahl für diesen Sommer, das Konzept, von 8 bis 20 Uhr Gebühren zu verlangen, weiter „engagiert und couragiert“ zu vertreten. Im Falle konsequenten Verhaltens noch weitere zwei Monate „läuft’s im nächsten Jahr besser“. Er sei „sehr zufrieden“ mit dem Gemeindevollzugsbeamten und der Seeaufsicht, „sie sind dicht am Ball“, bestätigte Bürgermeister Andreas Schaffer und wies darauf hin, dass auch die monetäre Seite der Parkscheinautomaten „unsere Erwartungen übertrifft“. Mitte Juni sprach der Rathauschef bereits davon, dass es von Plüderhäusern, die nach wie vor mit einem Berechtigungsschein umsonst am Badesee parken dürfen, einen regelrechten „Run“ auf die Scheine gebe. Auswärtige hatten damals 48 Jahresparkscheine à 22 Euro für die Saison gekauft.

Hauptamtsleiterin Diane Schabel ergänzte gestern im Gespräch mit unserer Zeitung, dass die Zahl der Plüderhäuser, die sich inzwischen nach Vorlage des Fahrzeugscheins mit Name und Kennzeichen Parkberechtigungsscheine besorgt haben, auf 536 angestiegen ist. Diese Zahl sei naturgemäß genauso wie die Einnahmen an den Automaten abhängig vom Wetter, und weil der Sommer in den vergangenen Wochen seinem Namen alle Ehre gemacht hat, waren sie vergleichsweise hoch.

Einnahmen nähern sich bereits der Hälfte der Investitionssumme


So brachten die Einnahmen der Parkscheinautomaten bisher rund 4000 Euro ins seit jeher in Plüderhausen recht schwindsüchtige Gemeindesäckel. Das Baden am Badesee ist zwar weiter gratis, aber sein Autoblech eine Stunde dort abzustellen kostet nun einen Euro. Der ganze Tag macht fünf Euro. Zu den Automateneinnahmen kommen somit für die Gemeinde noch die Einnahmen von vorsichtig geschätzt rund 300 Bußgeldverfahren hinzu. Das Nichtentrichten der Gebühr wird mit Bußgeldern in Höhe von fünf Euro geahndet, so dass sich die Gesamteinnahmen bereits nach einem guten Monat nach dem Aufstellen der Parkscheinautomaten der Hälfte der Investitionssumme nähern. Die Investition lag nach Gemeindeangaben für die drei solarbetriebenen Parkscheinautomaten bei 12 500 Euro.

Der Gemeindevollzugsbeamte (Name der Red. bekannt) bestätigte, dass es derzeit „scho’ a bissle mehr Arbeit“ sei. Er verbringe seine Zeit auf den Parkplätzen am Badesee und entlang der Straße „nicht umsonst“. Beim Kassieren sei es eben wie überall: „Wenn’s ums Zahlen geht, motzen wir alle“ und wenn auf dem Parkplatz 300 Fahrzeuge stehen, seien unter diesen etwa 100, die keine Gebühren zahlen. So haben die von der Gemeinde beauftragten Bediensteten an zwei heißen Wochenenden bereits jeweils über 100 Parksünder mit Knöllchen belegt. Was den Ton anbelangt, gelte es, so der Vollzugsbeamte, „a bissle diplomatisch“ zu sein. Da sei’s ein wenig so, wie man in den Wald reinschreit, so hallt’s auch wieder heraus. Es gelte für ihn, auch nicht stur zu sein oder „mit der Keule“ zu kommen, wenn einer seinen Parkschein wohl gelöst, aber nicht sonderlich sichtbar angebracht hat. Manche würden es aber auch bewusst darauf anlegen und nicht zahlen, weil das Bußgeld bei fünf Euro und damit genauso teuer wie die Tageskarte ist. Rückläufig sei die Zahl der Verstöße bislang noch nicht.

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