Politischer Nachwuchs Marktradikal und islamkritisch

Sieht durch die Grünen und den Islam unsere Freiheit bedroht: Max-Eric Thiel. Foto: Benjamin Büttner

Schorndorf. Max-Eric Thiel ist von Beginn an Mitglied der Alternative für Deutschland – und vertritt dort mit seinen radikalen Wirtschaftspositionen seit jeher eine Minderheit. Wenn es um Islam und Flüchtlinge geht, ist der Schorndorfer hingegen voll auf Parteilinie: Im Islam und den Flüchtlingen sieht er eine Gefahr für die freiheitliche Gesellschaft.

Video: Max-Eric Thiel findet, dass nach der Wahl einige Untersuchungsausschüsse notwendig sein werden.

Björn Höcke, André Poggenburg, selbst Parteichef Jörg Meuthen: Die Liste an AfD-Größen, die Max-Eric Thiel kritisiert, ist lang. Denn der 28-Jährige zählt sich zu einem Flügel, den man einst bei der FDP verortet hätte. Doch die ist Thiel schon lange nicht mehr radikal genug. Der Schorndorfer bezeichnet sich selbst als libertär. So wenig Staat wie nötig, so viel Markt wie möglich – das ist sein politisches Leitbild. Wenn es nach ihm ginge, gäbe es nur noch eine private Arbeitslosenversicherung. „Hartz IV ist ein Negativanreizsystem“, sagt Thiel, „das jene bestraft, die brav arbeiten.“ Mit einer Leistungsgesellschaft passe so etwas nicht zusammen. Durch die vielen Jobs, die der Digitalisierung zum Opfer fallen werden, sei ein Sozialstaat künftig ohnehin nicht mehr tragbar.

Mit marktradikalen Thesen vertritt er eine Minderheit

In der AfD fühlt er sich mit diesen Positionen nach wie vor am wohlsten. Auch wenn es nicht mehr dieselbe Partei ist, der er gleich zu Beginn 2013 beigetreten ist. Damals hieß der Parteivorsitzende noch Bernd Lucke, das Hauptthema war die Euro-Rettungspolitik. Und die Partei durch die Häufung akademischer Titel in der Führungsriege auch als Professoren-Partei bekannt.

Vier Jahre später ist davon nicht mehr viel übrig: Die wirtschaftsliberalen Gesichter wie Bernd Lucke oder Hans-Olaf Henkel haben die AfD längst verlassen. Asyl und Islam sind die dominierenden Themen. Mit seinen marktradikalen Thesen vertritt Thiel eine Minderheit in der Partei.

Thiel hofft, dass Björn Höcke aus der Partei ausgeschlossen wird

Er bedauert, dass die Höcke-Fraktion so viel Einfluss gewinnen konnte und dass Meuthen „aus taktischen Gründen“ auf Rechts-Kurs geschwenkt ist. Höckes Dresdner Rede, in der er nicht nur eine „geschichtspolitische Wende um 180 Grad“ gefordert, sondern das Holocaust-Denkmal auch zweideutig als „Denkmal der Schande bezeichnet“ hat, sei „unter aller Sau“ gewesen. Thiel hofft deshalb (und ist sich relativ sicher), dass der Parteiausschluss vom Schiedsgericht positiv beschieden wird.

Klare Meinung, wenn es um Flüchtlinge und Muslime geht

Doch bei aller Kritik an Höcke und Co.: Auch der Vorsitzende der Jungen Alternative im Rems-Murr-Kreis hat eine klare Meinung, wenn es um Flüchtlinge und Muslime geht. „Ohne Aussicht auf Stütze wären sicher nicht so viele Flüchtlinge gekommen“, sagt Thiel. Dass die Menschen hier ohne Gegenleistung Geld erhalten, hält er für fatal. In den letzten beiden Jahren sei dadurch ein Problem entstanden, vor dem man nicht die Augen verschließen dürfe. Wer kriminell sei, gehöre nicht nur härter bestraft, wer wie bei der SchoWo Frauen an den Po grapsche, habe seiner Meinung nach das Asylrecht verwirkt und gehöre umgehend abgeschoben. Aber selbst für jene, die bleiben dürfen, sieht Thiel schwarz: Die allermeisten würden keinen Job finden und dem Staat auf der Tasche liegen.

„Das ist mit unserer Werteordnung nicht vereinbar.“

Vor allem in der Religiosität vieler Flüchtlinge sieht er eine Gefahr. „Der Islam bedroht die freiheitlichen Gesellschaften“, so Thiel, der selbst schon seit geraumer Zeit aus der Kirche ausgetreten ist und sich als „wenig gläubig“ bezeichnet. In Frankreich und Großbritannien könne man sehen, dass die Religion für massive Probleme sorge.

Mit der Scharia habe der Islam eine eigene Rechtsordnung, es gebe keine Gewaltenteilung, eine klare Vorstellung der Rollen von Mann und Frau und eine starke politische Komponente. „Das ist mit unserer Werteordnung nicht vereinbar.“

Wilders: Verteidiger der durch den Islam bedrohten Meinungsfreiheit

Als sich Anfang des Jahres die AfD zu einer Europa-Tagung mit Le Pen vom französischen Front National, dem niederländischen Islamkritiker Geert Wilders und Harald Vilimsky von der österreichischen FPÖ einfand, war der Schorndorfer als Ordner dabei. „Le Pen ist nicht so mein Fall, die ist mir zu sozialistisch eingestellt.“ Geert Wilders hingegen – der schon vor Jahren dazu aufrief, den Koran zu verbieten – imponierte dem AfD-Politiker: „Ein sehr freiheitlich eingestellter Mensch und im Persönlichen sehr nett und aufgeschlossen.“ Für den 28-Jährigen ist der Niederländer, der unter permanentem Polizeischutz steht, ein Verteidiger der Meinungsfreiheit.

Grünen sind für Thiel "gesellschaftspolitischer Hauptfeind"

Die sieht Thiel in Deutschland aber nicht nur durch den Islam, sondern auch durch die Grünen bedroht. „Das ist unser gesellschaftspolitischer Hauptfeind.“ Zwar sei die Partei nur recht klein, „aber der gesellschaftliche Einfluss, den sie ausüben, ist enorm“. Und der sei sozialistisch bis maoistisch angehaucht und vor allem extrem bevormundend. Ob Energiewende („ökonomisch nicht durchführbar“), Rauchverbot oder die Förderung einer geschlechtergerechten Sprache („der erste Schritt zum Sozialismus“): Thiel sieht in den Grünen vor allem eine bevormundende Verbotspartei.

Das radikale, rücksichtslose Vorgehen Trumps gefällt dem AfD-Mann

Der Jungpolitiker setzt stattdessen auf weniger staatliche Eingriffe und mehr private Initiative. Wie so ein Politikwechsel gehe, das zeige im Moment der US-amerikanische Präsident. „Trump hat alles gehalten, was er versprochen hat – oder es zumindest versucht“, sagt Thiel. Gerade das radikale, rücksichtslose Vorgehen Trumps gefällt dem AfD-Mann, der dann auch den ehemaligen Immobilienmogul zitiert, als es um die provokative Medienstrategie seiner Partei geht. „Trump hat geschrieben: Wenn du in eine Verhandlung gehst, stelle zehn Forderungen, die völlig überzogen sind – und du wirst am Ende drei durchsetzen.“ Genau so mache es gerade die AfD.

Die ganze Serie unter www.zvw.de/politiknachwuchs


AfD und die Medien – ein schwieriges Verhältnis

„Wir haben schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht“, sagt Thiel. Oft seien AfDler in den Medien verunglimpft worden. „Da sind üble Sachen passiert.“

Prinzipiell würde der Schorndorfer Presse immer zulassen. Die Partei habe sich aber in Einzelfällen dagegen entschieden – oder für starke Einschränkungen gesorgt. Dafür hat Thiel durchaus Verständnis: „Man hat so lange gearbeitet für eine gute Veranstaltung – und dann zeichnen die Medienvertreter am Ende ein falsches Bild.“ Das sei nicht fair.

Die Skepsis seiner Parteikollegen hält Thiel darum auch für begründet. Ebenso wie das Verbot für die Presse, bei dem Kongress in Koblenz während der Veranstaltung mit Besuchern zu sprechen: „Die Brandschutzverordnung gab das nicht her.“ Thiel sagt aber auch: Außerdem weiß man ja nicht, wer da kommt.“

„Manchen Mitgliedern fehlt es aber auch an Selbstreflexion“. Die AfD sei eben noch eine junge, unerfahrene Partei.


Junge Alternative

Der Jugendverband der AfD ist im Rems-Murr-Kreis vor allem mit der Unterstützung der Mutterpartei beschäftigt und im Moment in den Wahlkampf eingebunden. Ansonsten ist der Kreisverband „relativ inaktiv“, sagt der Kreisvorsitzende Thiel.

Während des Studiums in Aachen hat er selbst einen Ortsverband gegründet und nach der Rückkehr in die Daimlerstadt dann den Vorsitz der Organisation im Kreis übernommen. Dort wird die JA vor allem von jungen Männern dominiert. Nur rund neun Prozent der Mitglieder sind weiblich.

Die JA ist seit November 2015 offizielle Jugendorganisation der AfD. Im Ton ist sie schärfer und polemischer noch als die Mutterpartei und fordert unter anderem Ausgangssperren für „gefährliche Flüchtlingsgruppen“.

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