Polizei warnt vor Anrufern Betrüger erbeuten fünfstellige Bargeldsummen von Senioren

, aktualisiert am 23.05.2019 - 14:34 Uhr
Symbolbild. Foto: Pixabay/CC0 Public Domain

Plüderhausen. Die Polizei warnt vor Betrügern im Zuständigkeitsbereich des Polizeipräsidiums Aalen. Dazu gehört auch der Rems-Murr-Kreis. Immer wieder versuchen Betrüger gezielt Senioren um ihr Vermögen zu bringen. In Plüderhausen brachten sie einen Senioren mit dem sogenannten Enkeltrick um 54 000 Euro. Wie Sie sich und Ihre Verwandten schützen.

Am Mittwoch (22.05.) wurde ein 77-Jähriger in Plüderhausen Opfer des Enkeltricks. Eine Frau rief ihn an, gab sich als seine Enkelin aus und bat ihn um Bargeld, um ein Haus zu kaufen. Der Mann übergab zunächst 40 000 Euro an eine Botin. Anschließend meldeten sich die Betrüger erneut und baten um weiteres Geld. Insgesamt übergab der Mann ihnen 54 000 Euro.

Einen Tag vorher erbeuteten Betrüger 900 Euro von einer 69-Jährigen in Weinstadt. Ein Anrufer teilte ihr mit, dass sie 38 000 Euro gewonnen habe. Für den Transport des Geldes und die Notarkosten müsse sie vorab 900 Euro in Guthaben-Karten bezahlen. Die Frau kaufte die Karten und übermittelte die Codes telefonisch. Kurze Zeit später wurde sie wieder angerufen. Diesmal sagte man ihr, es habe sich ein Zahlendreher bei der Gewinnsumme eingeschlichen. Sie habe statt 38 000 Euro sogar 83 000 Euro gewonnen. Deshalb seien die Kosten deutlich höher. Die Frau versuchte daraufhin, mehrere tausend Euro bei der Bank abzuheben. Da dieser Versuch laut Polizeibericht aber scheiterte, blieb es letztlich bei den 900 Euro Schaden.

Taxifahrer verhindert Abzocke um 60 000 Euro

Stolze 60 000 Euro übergab eine 83 Jahre alte Frau Betrügern vergangene Woche in Schwäbisch Hall. Ein Anrufer hatte sich als ihr Sohn ausgegeben und behauptet, er würde dringend Geld benötigen, um nicht ins Gefängnis zu müssen. Die Seniorin gab an, 60 000 Euro im Haus zu haben. Sie verabredete die Abholung durch einen Boten und übergab ihm das gesamte Bargeld.

Einem aufmerksamen Taxifahrer in Schwäbisch Gmünd ist zu verdanken, dass eine 85-Jährige nicht um 60 000 Euro gebracht wurde. Die Frau war von der angeblichen Freundin ihres Enkels angerufen worden. Auch sie gab vor, das Geld für einen Hauskauf zu benötigen. Sie vereinbarten, dass die Seniorin das Geld bei ihrer Bank abholen sollte. Die Betrüger orderten ihr ein Taxi. Auf der Fahrt erzählte die Seniorin dem Fahrer von ihrem Vorhaben. Der Mann reagierte besonnen und verständigte die Polizei.

Falsche Polizisten rufen gezielt Senioren an

Nicht nur mit dem Enkeltrick wenden sich Betrüger gezielt an ältere Menschen. Eine weitere Masche, die laut Polizei sehr häufig registriert wird, sind falsche Polizeibeamte. Die Anrufer suchen sich gezielt Senioren aus und geben sich am Telefon als Polizisten aus. Sie erzählen ihren Opfern, in ihrer Umgebung sei eingebrochen worden. Bei den festgenommenen Einbrechern habe man eine Liste gefunden, auf denen der Name oder die Adresse des Opfers stünde. Nun solle also auch bei ihnen eingebrochen werden. Die Wertsachen seien nur sicher, wenn man sie der Polizei übergebe. Die Opfer werden durch die Anrufe permanent unter Druck gesetzt, so dass die Opfer am Ende glauben, ihre Wertsachen seien zu Hause nicht mehr sicher. 

Wie die Polizei berichtet, melden sich die Täter nach der Geldübergabe neuerdings oft erneut bei ihren Opfern. Damit wollen sie suggerieren, dass der Bote das Geld überbracht hat. Offenbar wollen die Täter so verhindern, dass die Opfer misstrauisch werden und die Polizei informieren.

Polizei rät zur Vorsicht

Die Maschen sind nicht neu. Dennoch fallen ältere Menschen noch immer auf diese Tricks hinein. Es ist ratsam, ältere Familienangehörige, Bekannte und Nachbarn über die Betrugsmaschen zu informieren. Generell rät die Polizei, misstrauisch zu sein, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt.

Weiter rät sie:

  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen preis.
  • Die Polizei ruft Sie nie unter der Nummer 110 an und wird Sie nie über Ihre finanziellen Verhältnisse am Telefon ausfragen.
  • Vergewissern Sie sich, ob der Anrufer wirklich ein Verwandter ist: Rufen Sie die jeweilige Person unter der Ihnen bisher bekannten und benutzten Nummer an und lassen Sie sich den Sachverhalt bestätigen.
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen.
  • Lassen Sie keine fremden Personen in Ihre Wohnung.
  • Informieren Sie sofort die Polizei über den Polizeiruf 110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt.
  • Wenn Sie Opfer geworden sind: Wenden Sie sich an die Polizei und erstatten Sie Anzeige.

Besonders dreister Vorfall in Stuttgart

Auch die Stuttgarter Polizei warnt aus aktuellem Anlass erneut vor Trickbetrügern. Bei einer 82-Jährigen aus Bad Cannstatt wurden die Betrugsmaschen sogar kombiniert. Zunächst hatte sich eine Frau als die Enkelin der 82-Jährigen ausgegeben. Sie gab eine finanzielle Notlage und einen bevorstehenden Immobilienkauf vor und bat um mehrere Tausend Euro Bargeld. Die Seniorin schöpfte zunächst Verdacht und lehnte die Bitte ab, die Täter beendeten daraufhin das Gespräch.

Kurze Zeit später erhielt die Geschädigte erneut einen Anruf. Diesmal gab sich ein Mann als Polizist aus. Er erklärte, dass er wisse, dass eine Betrügerbande sie kontaktiert hatte. Um eine Festnahme der Täter zu ermöglichen, solle die Seniorin zum Schein auf die Bitte der Enkeltrickbetrüger eingehen und den Täter möglichst viel Bargeld aushändigen, um das Strafmaß zu erhöhen. Die Festnahme der Enkeltrickbetrüger erfolge dann unmittelbar nach der Geldübergabe.

Die 82-Jährige übergab schließlich gegen 13.30 Uhr mehrere Zehntausend Euro Bargeld an eine unbekannte Frau. Der angebliche Polizist kontaktierte die Seniorin nach der Geldübergabe wieder und gab an, dass die Festnahme erfolgreich sei und sie in Kürze von einem Streifenwagen abgeholt werden solle. Danach brach der Kontakt ab und die Geschädigte informierte schließlich gegen 14.30 Uhr den Notruf der richtigen Polizei.

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