Porsche Zwischen Wutausbruch und Optimismus

Stuttgart - In zwei Jahren schlüpft Porsche komplett unter das Wolfsburger VW-Dach. Eine neue Standortsicherung für die Werke in der Region Stuttgart garantiert den Beschäftigten vor Ort aber schon heute wichtige Aufträge für die Zukunft.

Herr Hück, wochenlang schien es, als sei bei der Standortsicherung keine Einigung zwischen Betriebsrat und Management möglich. Wie zufrieden sind Sie mit den Ergebnissen?

Wir haben einen intergalaktischen Erfolg erzielt und mit der Standortsicherung 2010 die höchsten Investitionen in der Porsche-Geschichte festgeschrieben. Der Betrag wird erheblich über den 600 Millionen Euro liegen, die wir für die vergangenen fünf Jahre ausgehandelt hatten. Es stimmt aber, dass ich in der Verhandlungszeit mehrfach Wutanfälle hatte und einmal sogar nahe dran war, die Verhandlungen scheitern zu lassen. Vor allem, dass der Arbeitgeber immer wieder versucht hat, an sozialen Errungenschaften wie der fünfminütigen Erholzeit-Pause pro Stunde für die Beschäftigten am Band zu rütteln, hat mich auf die Palme gebracht. Am Ende hat der Arbeitgeber nachgegeben, und wir haben einen sozial ausgewogenen Kompromiss gefunden. Außerdem hat Porsche bewiesen, dass wir eigenständig sind, weil wir eigenständige Entscheidungen treffen können. Das hatte uns mancher nicht mehr zugetraut.

Saß Matthias Müller, der Nachfolger von Porsche-Chef Michael Macht, mit am Tisch?

Klar war Matthias Müller in die Verhandlungen involviert, anders geht es doch gar nicht. Nach dem Wechsel von Michael Macht in den VW-Konzern werden die Vorstände auch weiterhin zusammenarbeiten müssen, der Porsche-Chef heißt dann aber Matthias Müller. Ich freue mich schon auf künftige Verhandlungen mit ihm, der neue Porsche-Chef ist einer, bei dem es in Auseinandersetzungen schon mal stauben kann. Das gefällt mir.

Was wird mit den Millionensummen in den nächsten fünf Jahren finanziert?

Wir haben vereinbart, dass künftig alle 911er-Modelle nur noch in Zuffenhausen produziert werden. Zudem holen wir den Boxster als zweites Standbein komplett von Finnland nach Stuttgart zurück. Anfang 2011 folgt dann der Cayman, der heute ebenfalls bei Valmet in Finnland gebaut wird. Von Mai 2011 an soll der Cayman vollständig in Zuffenhausen montiert werden. Die Karosserie wird weiterhin von Finnland zugeliefert und auch dort lackiert. Wir haben uns mit dem Arbeitgeber geeinigt, dass der Cayman künftig auch an VW-Standorten gefertigt werden kann, wenn das Werk in Zuffenhausen an seine Grenze stößt. Da wir sehr viel Arbeit reingeholt haben, schätze ich, dass wir schon ab Januar Sonderschichten fahren. Mir ist es aber natürlich lieber, dass die Leute Arbeit haben, anstatt dass sie von den Sozialkassen finanziert werden.

Was bedeuten die zusätzlichen Modelle für die Produktionszahlen in Zuffenhausen?

Während der Phase der Kurzarbeit haben wir 140 Fahrzeuge pro Tag am Standort produziert. Die Kurzarbeit ist dieses Jahr im November vorbei. Normal sind 162 Sportwagen am Tag, das erreichen wir nächstes Jahr. 2012 erwarte ich zwischen 170 und 180, spätestens 2013 dann 200 Sportwagen am Tag. Das bedeutet, aufs Jahr gerechnet, 44 000 Sportwagen aus Zuffenhausen. Wenn der Markt diese Stückzahlen schon früher verlangt, können wir die Produktion natürlich auch schon früher hochfahren.

Sie haben sich massiv dafür eingesetzt, die Hybrid-Supersportler-Studie Spyder 918 in der Region bauen zu dürfen. Was ist daraus geworden?

Es sieht sehr gut aus, dass der Spyder 918 in Weissach entwickelt und in Zuffenhausen produziert wird. Allerdings muss der Aufsichtsrat dem noch zustimmen.

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