Praxis schließt Kaisersbach sucht händeringend nach neuem Arzt

Ärzte auf dem Land werden rar. Ende des Jahres soll die Hausarztpraxis in Kaisersbach geschlossen werden. Foto: Tim Reckmann / pixelio.de

Kaisersbach. Es ist herrlich, in Kaisersbach zu wohnen und zu leben. Doch manche Dinge gibt es einfach nicht vor Ort. Seit 1985 betreibt Dr. med. Harald Seyfert die Arztpraxis an der Hauptstraße, doch mit 65 Jahren denkt er daran, seine Praxis zu schließen oder einem Nachfolger zu übergeben. Doch dieser ist, trotz vielfacher Bemühungen, bislang nicht in Sicht.

Auf unsere Nachfrage hin bestätigt der beliebte Hausarzt diese Informationen: „In der Tat werde ich meine Tätigkeit in Kaisersbach zum Ende des Jahres aufgeben (es sei denn, eine Übergangslösung mit potenziellem Nachfolger wird notwendig). Die Suche nach einem Nachfolger gestaltete und gestaltet sich noch erwartungsgemäß schwierig. Immerhin wird zurzeit eine Zweigstellenlösung mit einem Kollegen erörtert und verhandelt. Solange dies weder im positiven noch im negativen Sinne entschieden ist, werde ich verständlicherweise keine Interna preisgeben.“

Auf eine Anzeige hin hat sich niemand gemeldet

Auch der Gemeinderat und die Gemeindeverwaltung sind an dem Thema intensiv dran. In Tageszeitungen in der Region wurden bereits Anzeigen geschaltet, in denen ein Arzt in den idyllischen Ort in der Nähe des Ebnisee gelockt werden soll. Doch die Lockrufe wurden bislang nicht erhört, wie Bürgermeisterin Katja Müller auf Anfrage bestätigt. Demnach sind Dr. Seyfert und die Verwaltung schon seit Monaten bei diesem Thema im Gespräch: „Doch die Suche nach einem Nachfolger gestaltet sich schwierig.“ Auch über das Ärzteblatt habe die Gemeinde um einen Arzt oder Ärztin geworben. Ohne Erfolg. Zudem hat Katja Müller, wie sie sagt, Kontakt mit der Kassenärztlichen Vereinigung aufgenommen. „Die Gemeinde tut, was sie als Gemeinde tun kann“, versichert die Bürgermeisterin. Insgesamt sei die Versorgung mit Hausärzten im Land Baden-Württemberg gut, das Problem sei das Stadt-Land-Gefälle. Soll heißen: Junge Ärzte eröffnen oder übernehmen eine Praxis lieber auf dem Land. Der Hausarzt, der rund um die Uhr erreichbar ist und notfalls auch zu Hause alarmiert wird, stirbt aus. Viele Ärzte wollen heutzutage auch einen Feierabend haben und das ist ihr gutes Recht. Hinzu kommt auch, wie Katja Müller weiter berichtet, dass es immer mehr Ärztinnen gibt, die lieber eine Teilzeitstelle annehmen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie gewährleisten zu können. Bei den Chefärzten der Rems-Murr-Krankenhäuser habe die Gemeinde angefragt, ob ein Mediziner Interesse hat, die Praxis in Kaisersbach zu übernehmen. Zudem gebe es für einen Neueinsteiger Fördermittel, die die Gemeinde für einen Hausarzt auf dem Land beim Land Baden-Württemberg beantragen könne.

Auf jeden Fall bleiben Gemeinderat und Verwaltung bei dem Thema am Ball und vielleicht wird das dann doch noch was mit der von Dr. Seyfert angedeuteten Zweigstellenlösung.

Nachfolger für Landarzt zu finden ist schwierig

Mehr Glück hatte die Gemeinde Althütte bei der Suche nach einem Nachfolger. Der Arzt Benjamin Tscheuschner, der vor wenigen Jahren in Kaisersbach gebaut hatte, mittlerweile aber nicht mehr dort wohnt, hat die Praxis von Walter Mast übernommen. Der Althüttener Arzt hatte seine Praxis im Jahr 1980 eröffnet.

Doch vielerorts und nicht nur in Kaisersbach ist es schwierig, einen Nachfolger für einen Landarzt zu finden, der in Ruhestand gehen will. Viele Hausärzte sind 60 Jahre oder älter. Die Talsohle des Ärztemangels sei noch nicht erreicht, so die Kassenärztliche Vereinigung. Wenn sich ein Arzt für eine Praxis auf dem Land entscheidet, dann fast immer wegen der persönlichen Verbundenheit mit der Region.


Attraktiver Erholungsort

In einer Anzeige, die in mehreren Tageszeitungen in der Umgebung erschienen ist, wirbt die Gemeinde Kaisersbach um einen Arzt und nennt die Vorteile des attraktiven Erholungsortes am Ebnisee im Welzheimer Wald.

In der Gemeinde gibt es einen sehr guten Zusammenhalt.

Die Infrastruktur mit Bäcker, Metzger und Autowerkstatt ist vorhanden.

Der Nachfolger oder die Nachfolgerin von Dr. Harald Seyfert zieht in ein Naherholungsgebiet mit Rad- und Wanderwegenetz. Auch Pferdeliebhaber kommen hier auf ihre Kosten.

Will die neue Hausärztin oder der neue Hausarzt bauen: kein Problem. Bei Bedarf steht ein wunderschöner Bauplatz zur Verfügung.

Die Kinderbetreuung ist ausgebaut, die Grundschule genießt als Naturparkschule einen hervorragenden Ruf.

Die Praxisräume umfassen 130 Quadratmeter und sind barrierefrei erreichbar. Außerdem gibt es Parkplätze direkt am Haus.

„Werden Sie unsere Landärztin und/oder Landarzt vor Ort. Eine ganze Gemeinde freut sich auf Sie!“ heißt es abschließend. 

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