Probleme auf der Remsbahn Go-Ahead: Wird mit der neuen Software alles besser?

Von ZVW 

Und wer hat uns all das eingebrockt? Gespräch mit einer Sprecherin des Zugherstellers Stadler.

Pünktliche Züge auf der Remsbahn am Montag nach den Ferien.Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Leidgeplagte Zugpendler auf der Remsschiene sehnen den Tag herbei, an dem die Go-Ahead-Flirts endlich zuverlässig fahren. Silja Kollner, Pressesprecherin des Schweizer Zugherstellers Stadler, spendet Hoffnung – und will nicht an allem schuld sein.

Woran liegt es, dass die Go-Ahead-Flirts zwischen Aalen und Stuttgart oft so kurz sind und die Kundschaft sich Schulter an Schulter reinpferchen muss? Zughersteller Stadler ist schuld! Das ist, in der Kurzfassung, die von Fahrtenbetreiber Go-Ahead und auch vom Landesverkehrsministerium bevorzugte Erklärung. Die Langfassung: Stadler habe die Züge zu spät geliefert, deshalb seien vor dem Betriebsstart Mitte Juni kaum Probefahrten möglich gewesen. Und so fiel eine böse Tücke erst auf, als die Kundschaft schon drin saß: Die Stadler-Flirts kamen mit den unterschiedlichen Bahnsteighöhen im Remstal nicht klar, Schiebetritte fuhren nicht aus oder verkeilten sich, Türen gingen nicht auf. Immer wieder mussten Züge zur Reparatur. Landesverkehrsminister Winfried Hermann erklärte neulich im Zeitungsinterview: „Das war ein großes Manko seitens Stadler.

Probefahrten mit Sandsäcken wären hilfreich gewesen

Moment, widerspricht Silja Kollner, Pressesprecherin bei Stadler: Der Hersteller habe bereits im Februar Züge geliefert, ab diesem Zeitpunkt „waren durchgehend zehn Fahrzeuge vor Ort“. Allerdings: Die Zulassung vom Eisenbahnbundesamt für den Fahrgast-Transport kam erst im Mai, weil Stadler Unterlagen dafür verspätet eingereicht hatte. Kollner: „Mir geht es nicht darum, zu sagen, wir seien unschuldig. Wir waren zu spät, vertraglich zu spät.“ Nur: Leerfahrten waren ab Februar jederzeit möglich – und die Probleme mit den Schiebetritten „hätte man dabei bemerkt“.

Einwand: Frau Kollner, ein leerer Zug verhält sich doch anders. Ist er schwerer, sackt er runter – womöglich kollidieren erst dann die Schiebetritte mit dem Bahnsteig.

Die Situation im vollen Zug, antwortet Kollner, könne man „simulieren“, mit Sandsäcken. Das sei ein „Standardprozess“. Solche Probefahrten aber seien für Go-Ahead eben „eine Sache des Geldes“ gewesen: Man hätte die Strecke mieten, Triebfahrzeugführer bezahlen müssen – und nichts verdient, da keiner einsteigt.

Lassen wir an dieser Stelle die Schuldfrage ruhen, das Vergangenheitsbewältigungs-Pingpong bringt den Pendlern sowieso nichts. Sie wollen wissen: Wann wird’s, verdammt und zugenäht, endlich besser?

Kollner: Stadler habe mittlerweile ein neues Programm für die Türsteuerung erstellt. Derzeit prüfe das Eisenbahnbundesamt diese Software. „Mein Kenntnisstand: Spätestens Ende November ist sie beim Gutachter durch“, danach müsse sie nur noch in den Zügen aufgespielt werden, das sei eine „Kleinigkeit“. Ab Dezember sollte es demnach flutschen.

Zugausfälle: Die Lage ist ziemlich dramatisch

 

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Wie unzuverlässig Go-Ahead derzeit ist, offenbart die obige Grafik drastisch: Im Oktober gab es Tage, da 12 Prozent der Zugkilometer in Baden-Württemberg ganz oder teilweise ausfielen! Go-Ahead bedient nicht nur die Remsschiene, sondern auch die Strecken von Stuttgart nach Karlsruhe, Ulm, Nürnberg und Würzburg. Die genauen Ausfallzahlen nur für Aalen-Stuttgart liegen uns nicht vor. Gehen wir also hilfsweise mal davon aus, dass an der Rems nicht mehr und nicht weniger Fahrten flachfielen als andernorts. An einem Werktag gehen zwischen 30 und 40 Touren von AA nach S und etwa ebenso viele wieder zurück. Macht Pi mal Daumen rund 70. Zehn Prozent Ausfall? Wären sieben Fahrten pro Tag.

Das, glaubt Silja Kollner, liege nicht an Stadler: Sie habe sich die Zahlen zur „Flotten-Performance“ im Oktober angeschaut – an jedem einzelnen Tag seien, Störungen hin, Reparaturen her, mehr Fahrzeuge einsatzfähig gewesen, als Go-Ahead laut Fahrplan brauchte. Da stellt sich die Frage: Krankt es wirklich nur an den Schiebetritten? Oder kämpft Go-Ahead womöglich doch auch mit hausgemachten Problemen wie Personalmangel und Überforderung?