Radwegeführung in Waiblingen Schlechte Noten beim Fahrradklimatest des ADFC

Hier endet der Radweg: Die Radwege-Führung an Baustellen bewerten die Radfahrer mit der Note 4,7. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen. Die Fahrradfahrer haben Waiblingen beim Fahrradklimatest eine schlechte Note gegeben. Lediglich eine 4, also die Note ausreichend, bekam die Stadt in der Gesamtbewertung und liegt damit bundesweit auf dem 60. Platz von 106 vergleichbaren Städten. Nach Ansicht der Radfahrgruppe Provelo ein blamables Ergebnis. Sie fordert die Stadtverwaltung auf, mehr in den Radverkehr zu investieren. Das Engagement sei definitiv zu gering.

Glatte und ebene Radwege, die Fahrradmitnahme in Bussen und Bahnen und kaum Fahrraddiebstahl: Das sind die Stärken aus Sicht der Fahrradfahrer. Andererseits fühlen sich die Radfahrer unsicher auf den Waiblinger Straßen. Schon 2016 gab’s fürs Sicherheitsgefühl eine 3,9, schlechte Zensuren erteilen die Radfahrer ihrer Stadt in diesem Punkt aber auch dieses Mal. Fürs Radfahren neben Autos und Lastwagen kassierte Waiblingen eine 4,6, für die Ampelschaltungen für Radfahrer und die Führung an Baustellen jeweils 4,7.

„Möchte man den Fahrradanteil im Verkehr steigern, so muss man ihm aber vor allem sichere Radwege anbieten“, betont Provelo-Sprecher Andreas Schwager. Leider werde in Waiblingen für die Sicherheit des Radfahrers viel zu wenig getan, findet Schwager. Bemängelt werden im Test außerdem Radwege, die immer wieder abrupt enden, von Hecken und Gebüsch überwuchert und oft viel zu schmal ausgelegt seien.

135 Radfahrer beteiligten sich an der Umfrage

Bundesweit hatte der ADFC die Radfahrer zur Abstimmung über Radfahrklima in ihren Städten aufgerufen. In Waiblingen hatten sich 135 Teilnehmer beteiligt. Zum Vergleich: In Winnenden, das unter vergleichbaren Städten deutlich besser als Waiblingen abschnitt, haben 372 Radfahrer abgestimmt. „Erschreckend niedrig“ findet Oberbürgermeister Andreas Hesky denn auch die Teilnehmerzahl in Waiblingen. Andererseits seien diese Teilnehmer Experten, deren Kommentare ernst zu nehmen seien. „Wo enden die Radwege, wie werden Radfahrer weitergeleitet? Das sind Punkte, denen man nachgehen muss“, sagt Hesky selbstkritisch. Die Einschätzung, in Waiblingen werde für Radfahrer eine reine Alibipolitik betrieben, weist er indes zurück: Es sei bedauerlich, dass offenbar nicht gesehen werde, dass für Fahrradfahrer etwas getan werde.

Anders als die konkreten Anmerkungen findet er im Übrigen die Noten wenig aussagekräftig: Aalen, Esslingen, Sindelfingen und Villingen-Schwenningen hätten unter den vergleichbaren Städten im Land noch schlechter abgeschnitten, Göppingen und Ludwigsburg seien mit 3,8 und 3,9 kaum besser bewertet worden. „Im Quervergleich bin ich zufrieden“, betont der Oberbürgermeister, wenn er auch einräumt, dass nach oben durchaus noch Luft ist.

Genügend Platz für E-Bikes, Roller und Räder auf den Radwegen?

„Die einzelnen Punkte nehme ich ernst“, versichert Hesky. Andererseits müsse die Stadt Fußgänger, Radfahrer, ÖPNV und Autos unter einen Hut bekommen. So werde im Fahrradklimatest beispielsweise gefordert, die Erleninsel für Fahrradfahrer freizugeben, andererseits gebe es immer wieder Beschwerden über unverschämte Radfahrer in der Talaue. „Ich appelliere an alle Verkehrsteilnehmer, Rücksicht zu üben“ sagt der OB.

„Keiner bekommt eine Sonderrolle.“ Rücksicht gefragt ist im Übrigen auch angesichts der stetig steigenden Zahl an E-Bikes auf den Radwegen. Angst davor habe er nicht, sagt Andreas Hesky, ebenso wenig wie vor den Elektrorollern, vor denen derzeit viele warnten. „Man muss mehr Offenheit gegenüber allen Mobilitätsformen haben“, findet er. Und Platz genug gibt es nach Ansicht Heskys auf den Waiblinger Radwegen.


Macht das Radfahren Spaß oder Stress?

Alle zwei Jahre bittet der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) um die Bewertung des Radfahrklimas in den Städten. In Waiblingen haben sich 2016 103 Fahrradfahrer an der Umfrage beteiligt. Und Waiblingen schon damals mit einer Vier plus (3,8) eine eher mäßige Note ausgestellt. Bewertet wird nach dem Schulnoten-Prinzip mit Noten zwischen eins und sechs, wobei sich die Bewertung aus 27 Einzelnoten zusammensetzt. Gefragt wurde unter anderem „Macht das Radfahren in Ihrer Stadt Spaß oder Stress?“, „Sind die Wege für Radfahrende angenehm breit oder zu schmal zum Überholen?“ oder „Fühlt man sich als Radfahrer sicher?“.

Bundesweit haben sich 170 000 Bürgerinnen und Bürger 2018 an der Umfrage beteiligt – das sind 40 Prozent mehr als 2016.

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