Reiseanalyse 2011 Türken machen Urlaub auch fernab vom Bosporus

Eine türkische Flagge auf einem Boot im Bosporus vor Istanbul. Foto: AP

Stuttgart - In ihrem aktuellen Newsletter stellt die Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen (FUR) die potenziellen Urlaubserwartungen der Bürger für die kommenden drei Jahre vor. Erstmals hat sie dabei die in Deutschland lebenden deutschsprachigen Ausländer unter die Lupe genommen. Mit einem Anteil von acht Prozent am knapp 70 Millionen Reisen umfassenden deutschen Markt spielen die 5,7 Millionen Angehörigen dieser Gruppe eine nicht unwichtige Rolle. Diese sind im vergangenen Jahr zwar weniger häufig auf Reisen gegangen als die Bundesbürger, dafür aber länger. Ihre beliebtesten Ziele sind erwartungsgemäß die Türkei, Polen und Deutschland. Und auch sonst sind die Unterschiede zum Teil beträchtlich. Mit einem Anteil von 42 Prozent steigen die Immigranten häufiger in ein Flugzeug als die Deutschen (36 Prozent), nur knapp ein Viertel nächtigt im Hotel (Deutsche: 47 Prozent), und 44 Prozent bevorzugen ein Quartier bei Freunden oder Verwandten. Hier sind die Deutschen mit 9 Prozent zurückhaltender. Und obwohl die Deutsch sprechenden Ausländer mit 17,7 Tagen deutlich länger unterwegs sind als die Deutschen mit 12,3 Tagen, geben sie pro Reise mit 668 Euro weniger aus (861 Euro).

Ulf Sonntag vom Institut für Tourismus- und Bäderforschung in Nordeuropa (N.I.T.) warnt davor, das Reiseverhalten allein mit dem Drang der Ausländer in die alte Heimat zu erklären. Zwar dominiere gerade bei Türken und Polen das Herkunftsland bei den Destinationen. "Doch viele zieht es in die Sonne." So planten 40 Prozent der in Deutschland lebenden Polen in den kommenden drei Jahren eine Reise nach Spanien, 19 Prozent bevorzugen Österreich, 18 Prozent Italien und 17 Prozent die Türkei. Und rund 28 Prozent der hier lebenden Türken werden ihre Ferien in Spanien verbringen, in Italien (20 Prozent) oder in Frankreich (16 Prozent).

Der Städtetourismus wächst weiter, so ein weiteres Ergebnis der Analyse. Derzeit liebäugeln 40 Prozent der Deutschen in den kommenden drei Jahren mit einem Trip in eine Metropole - damit hat sich laut FUR das Potenzial binnen zehn Jahren fast verdoppelt. Noch stärker sei die tatsächliche Nachfrage. Hatten 2002 zehn Prozent der Bevölkerung einen Städtetrip unternommen, seien es dieses Jahr 23 Prozent. Der Marktanteil der Städtetrips liegt bei knapp 8 Prozent, meist nehmen sich die Touristen zwei bis vier Tage dafür Zeit. An der Spitze im Inland liegen Berlin (6,8 Prozent), Hamburg (5,4), München (3,9), gefolgt von Dresden (2,4), Köln (1,5) und Stuttgart (1,4 Prozent). Die Lieblingsziele im Ausland sind London (1,2 Prozent), Wien, Paris und Prag.

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