Rekord-Umsatz SAP setzt auf den Trump-Effekt

Der Vorstandssprecher des Softwareherstellers SAP, Bill McDermott (rechts), und Finanzvorstand Luka Mucic präsentieren in Walldorf die Jahreszahlen für 2016. McDermott trägt wegen eines schweren Unfalls, bei dem er 2015 ein Auge verlor, eine getönte Brille. Foto: dpa

Walldorf - Als erstes deutsches Dax-Unternehmen hat SAP am Dienstag in Walldorf seine vorläufigen Jahreszahlen für 2016 präsentiert. Die Geschäfte laufen gut, die Zahl der Arbeitsplätze in Deutschland steigt. Künftig soll maschinelles Lernen Teil jeder Anwendung sein.

Rekord-Umsatz

Bill McDermott, der US-Amerikaner an der Unternehmensspitze von SAP, lobt gerne – vor allem wenn es um das eigene Unternehmen gilt. „Wir sind stolz darauf, in Deutschland das am höchsten bewertete Unternehmen zu sein“, sagt er bei der Vorstellung der vorläufigen Jahreszahlen des Konzerns für das Jahr 2016. „Unsere Zukunft sieht großartig aus.“ Tatsächlich dürfte die Bilanz dem aktuellen Kurswert der SAP SE in Höhe von 102 Milliarden Euro weiter Auftrieb verleihen. Das Unternehmen steigerte im Vorjahresvergleich seinen Umsatz um sechs Prozent auf gut 22 Milliarden Euro und das Betriebsergebnis um 20 Prozent auf 5,1 Milliarden Euro.

Die Auftragsbücher seien bereits gut gefüllt, betonte Finanzvorstand Luka Mucic – auch deshalb würden die Wachstumsziele für das Jahr 2020 um rund zwei Milliarden Euro nach oben korrigiert. Bis zu 29 Milliarden Euro will SAP einspielen. Wachstumstreiber ist das Geschäft mit der Cloud-Software, also Mietsoftware aus dem Internet. Dieses ging nicht auf Kosten des Kerngeschäfts, das aus dem traditionellen Verkauf von Software-Lizenzen und der Wartung besteht und mit ein Grund dafür ist, dass rund drei Viertel der weltweiten Transaktionen über ein SAP-System laufen. Der Anteil erhöhte sich 2016 um drei Prozent auf 15,4 Milliarden Euro.

Zukunfts-Geschäfte

Mit dem Cloud-Geschäft stellt sich SAP seit einigen Jahren völlig neu auf. Dabei lassen Unternehmen ihre Geschäftsprozesse über SAP-Rechner laufen. Die Software wird also nicht gekauft, sondern gegen eine Abogebühr gemietet, was für die Kunden günstiger und flexibler ist. Kern der neuen SAP-Geschäftssoftware – S/4 Hana genannt – ist die Turbodatenbank Hana, die eine Art Matrix für die Software bildet. Die Milliarden-Investitionen aus den vergangenen Jahren in das Cloud-Geschäft zahlen sich offensichtlich aus. Der Bereich ist im Vorjahresvergleich um 31 Prozent auf knapp drei Milliarden Euro gewachsen und macht bereits 14 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Bis 2020 soll der Anteil sogar auf bis zu 29 Prozent nach oben schnellen.

Während große Firmen wie Daimler oder Bosch längst auf die SAP-Technik setzen, findet die Turbodatenbank samt Cloudgeschäfte auch bei den mittelständischen Kunden immer mehr Anklang. „Die neuen Produkte sind deutlich im Kommen, die Lawine rollt an“, heißt es bei der Filderstädter All for One Steeb AG, die 2000 Kunden mit SAP-Lösungen versorgt, darunter auch Trumpf und Coperion. Mit der Turbodatenbank versuchen die Kunden, sich neue Geschäftsfelder zu erschließen, die auf der Analyse der gewonnenen Daten basieren. So können zum Beispiel Wartungsarbeiten viel genauer und täglich statt nur monatlich durchgeführt werden.

Dabei spielt das maschinelle Lernen, bei dem Maschinen eigenständig Datenmuster erkennen und variieren, eine immer größere Rolle. Künftig soll das maschinelle Lernen Teil aller SAP-Produkte werden, kündigte McDermott an. Bereits auf dem Markt ist zum Beispiel eine Software, die Bewerbungsprofile automatisch durchforstet und Vorschläge für ein Gespräch ermittelt – ohne das Geschlecht der Bewerber zu berücksichtigen. Damit solle das Personalwesen „vorurteilsfreier“ werden, betont ein SAP-Sprecher.

Job-Aufbau

Weltweit hat SAP 7200 Mitarbeiter eingestellt – alle von ihnen in Wachstumsfeldern wie etwa dem Cloud-Computing. Die Zahl stieg damit auf gut 84 000. In Deutschland waren Ende 2016 knapp 19 000 Mitarbeiter beschäftigt – 800 mehr als im Vorjahr. SAP wolle auch hierzulande weiterhin Jobs schaffen, betonte Finanzvorstand Mucic. Der Jobumbau aus den beiden Vorjahren, wo Stellen in traditionellen Geschäften gekürzt und in Wachstumsfeldern aufgebaut wurden, sei damit abgeschlossen. Mucic kündigte auch weitere Investitionen in Walldorf an. Derzeit entsteht dort für mehr als 100 Millionen Euro ein Bürogebäude für 700 Mitarbeiter, ein eigenes Kraftwerk und ein neues Rechenzentrum. „Als Cloud-Unternehmen braucht SAP auch neue Rechnerkapazitäten in Deutschland und Europa“, betont ein Sprecher. „Viele Kunden wollen, dass ihre Daten im Heimatland verarbeitet werden.“

Trump-Effekt

Während Autobauer aus aller Welt wegen möglicher Import-Zölle zittern, sieht SAP die neuen Politik- und Wirtschaftsausrichtung in den USA unter dem neuen Präsidenten Donald Trump für das eigene Geschäft positiv. „Der Wandel ist für SAP mit Wachstum gleichzusetzen“, betonte McDermott. Die Regierungsbehörden in den USA würden großteils SAP nutzen – ebenso die meisten Konzerne, die mit den USA Handel betreiben. Wenn es neue Vereinbarungen gebe, brauche man auch neue Software, so McDermott – das hätten bereits die ersten Auswirkungen des Brexit, also des künftigen Austritts Großbritanniens aus der EU, gezeigt. Im Vereinigten Königreich lag das Wachstum des Cloud-Geschäfts im zweistelligen Bereich – „und damit an der Spitze des europäischen Marktes“, so McDermott.

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