Rems-Murr-Aussteller auf der Achema Keine Angst vor Trumps Zöllen

Markus Höfliger, geschäftsführender Gesellschafter der Firma Harro Höfliger aus Allmersbach im Tal. Foto: Winterling / ZVW

Waiblingen/Frankfurt. Markus Höfliger hält als Unternehmer nichts von Zöllen à la Trump. Gleichwohl ist dem geschäftsführenden Gesellschafter des exportstarken Verpackungsunternehmens Harro Höfliger nicht bang ums Amerikageschäft. Die Mitbewerber auf dem US-Markt kommen ebenfalls aus Europa – und hätten somit die gleichen Rahmenbedingungen.

Die Achema ist ein Muss für rund ein Dutzend Firmen aus dem Rems-Murr-Kreis aus der Verpackungsbranche, wie Bosch Packaging Technology oder Harro Höfliger. Aber auch das Reinigungsunternehmen Alfred Kärcher aus Winnenden, der Prozesswärmespezialist Ness in Remshalden oder der Wasseraufbereiter Judo aus Winnenden treffen ihre Kunden auf dem „Weltforum für chemische Technik, Verfahrenstechnik und Biotechnologie“, wie sich die Messe mit ihren fast 3800 Ausstellern in Frankfurt selbst bezeichnet. „Hier nicht zu sein, ist ein Luxus, den wir uns nicht leisten können“, sagt beispielsweise Markus Höfliger. Der pharmazeutische Maschinenbau, zu dem Höfliger gehört, sei komplett vertreten.

„Es wird sich alles verkomplizieren“

Das US-Geschäft macht bei Harro Höfliger etwa 20 Prozent des Umsatzes von rund 230 Millionen Euro aus. Sollte US-Präsident Donald Trump neue Zölle erheben, verbucht dies Höfliger unter Ärgernis. „Es wird sich alles verkomplizieren“, zuckt Höfliger die Schulter: „Wir werden auch weiterhin Anlagen verkaufen“, ist er sich sicher. Wenn auch zu höheren Preisen. Die USA seien nun einmal einer der dominanten Märkte für die Pharmaindustrie. Über den Anlass für Trumps Strafzölle, nämlich die anhaltend hohen deutschen Exportüberschüsse, macht sich Höfliger als Unternehmer keine Gedanken. „Was können wir dafür, dass unsere Anlagen von den Kunden wertgeschätzt werden“, fragt er darauf angesprochen zurück. Deutsche Firmen hätten nun einmal ihre Hausausgaben gemacht, worauf sie stolz sein könnten.

Für Bosch Packaging Technology mit Sitz in Waiblingen zählen die USA zu einem der wichtigen Märkte. Von den Strafzöllen fühlt sich das Unternehmen nicht betroffen. „Wir spüren keine Effekte“, sagte Geschäftsführer Uwe Harbauer bei der Pressekonferenz auf Nachfrage. Zudem, so Harbauer, produziere Bosch ja auch Verpackungsmaschinen in den USA, „Was es uns einfacher macht“.

Die unstete und auf Abschottungen abzielende Wirtschafts- und Handelspolitik von Trump scheint die ausstellenden Firmen bei der Achema ziemlich kalt lassen. Die Auftragsbücher seien voll, die Geschäfte liefen gut, hieß es zumeist. Und gelegentlich rutschte den Befragten – ganz unschwäbisch – sogar ein „sehr gut“ oder gar ein „brechend gut“ heraus. Allerdings, sagt Dietmar Ness von der Ness Wärmetechnik in Remshalden, sorge Trump schon für eine gewisse Verunsicherung.

„Noch aber spüren wir keinen Einbruch in den Märkten.“ Dass nun das Konjunkturbarometer seit vielen Jahren ein Hoch aufweist, macht Dietmar Ness fast ein wenig skeptisch. Er sei es gewohnt, dass es zwei, drei Jahre aufwärts ging – und dann ein Einbruch erfolgte, sagt der Geschäftsführer der Ness Wärmetechnik in Remshalden am Baden-Württemberg-Stand in Halle 9.0. Nur ein Kopfschütteln hat Ness für die von Trump beschlossenen Strafzölle übrig. Letztlich richten sich diese gegen die amerikanischen Verbraucher, die höhere Preise für importierte Produkte zahlen müssen.

Megathema Industrie 4.0

Ein Thema, das sich bei der Achema durchzieht, ist Industrie 4.0, die digitale Vernetzung der Maschinen und Anlagen. Bei Bosch Packaging Technology sorgen Industrie-4.0-Lösungen nicht nur für Sicherheit entlang der Lieferkette, sondern auch für Transparenz innerhalb der Fertigung. Dank Live-Informationen erhalten Kunden alle Daten zur Überwachung von Maschinenzuständen oder Prozessen. Die Daten werden visualisiert, demonstrierte Dr. Christian Hanisch am Stand von Bosch in Halle 3.1. Das Ziel, so der Projektleiter für Industrie 4.0, sei, „durch Transparenz die Effektivität bei den Kunden zu verbessern“. Vorausschauende oder vorbeugende Wartungen ließen sich effektiver gestalten.

Sich von außen in die Karten gucken zu lassen – genauer gesagt: in die Maschinen und Anlagen –, gehört heute zum guten Ton in der Industrie. Mit vier weiteren mittelständischen Firmen des Spezialmaschinenbaus für die Pharmaindustrie und den medizinischen Sektor hat Höfliger den Verbund „Excellence United“ gegründet, der auch gemeinsam in Halle 3.0 bei der Achema auftritt. „Durch die unternehmensübergreifende und vernetzte Zusammenarbeit der Excellence United Mitglieder stehen Kunden optimal aufeinander abgestimmte Lösungen, eine umfassende Bandbreite an Serviceleistungen und ein reichhaltiger Wissenspool zur Verfügung.“ Dazu gehört auch ein System, das den Zugriff auf sämtliche Maschinendaten erlaubt und für Markus Höfliger einen weiteren Schritt hin zum „Internet der Dinge“ bedeutet.


Achema 2018

Am Montag hat die Achema mit exakt 3737 Ausstellern aus 55 Ländern die Tore geöffnet. Laut Veranstalter handelt es sich bei der Messe in Frankfurt „um die weltweit wichtigste Veranstaltung der Prozesstechnik“, bei der Ausrüstung und Verfahren für die Chemie-, Pharma- und Lebensmittelindustrie gezeigt werden. Bis Freitag werden 170 000 Besucher erwartet. Mehr als die Hälfte der Aussteller kommen aus dem Ausland. Größte Ausstellernationen sind nach Deutschland China und Italien. Dementsprechend stand bei der Eröffnung auch die internationale Zusammenarbeit im Vordergrund.

Die meisten Rems-Murr-Aussteller tummeln sich im Umfeld der Verpackungs- und Automatisierungstechnik, die im Rems-Murr-Kreis traditionell stark vertreten ist und das Remstal zu einem „Packaging Valley“ gemacht hat. Diese Bezeichnung wurde den Remstälern jedoch von Crailsheimer Firmen weggeschnappt, wo sich ebenfalls ein Verpackungscluster ähnlich dem des Remstals befindet.

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