Rems-Murr-Fußball Mit dem TSV Nellmersbach muss wieder gerechnet werden

Derzeit läuft es gut für den TSV Nellmersbach und Graziano Trovato. Das 4:1 gegen die SG Schorndorf (hier Niko Klasik) war der sechste Sieg in Folge. Aromat hat bereits neunmal getroffen. Foto: ZVW / Steinemann

Der TSV Nellmersbach ist wieder da. Im Vorjahr lange Zeit sogar in Abstiegsgefahr, steht er nun auf Platz zwei der Fußball-Bezirksliga. Die Mannschaft ist personell stärker, hat weniger Verletzte – und setzt sich neue Ziele.

Abteilungsleiter Oliver Redelfs

Zehnter nur ist der TSV Nellmersbach in der Saison 2017/18 geworden, musste lange um den Ligaverbleib bangen. Aktuell ist der TSV Zweiter, und dennoch sagt Abteilungsleiter Oliver Redelfs immer noch: „Unser Ziel ist es, besser zu sein als letzte Saison.“ Weil er nicht daran glaubt, Kaisersbach bei sieben Punkten Rückstand noch einzuholen, wäre er mit Platz zwei hochzufrieden. „Und wenn’s Platz drei, vier oder fünf wird, tut uns das auch nicht weh.“

Der TSV startete ins Jahr 2019 zwar mit einem deutlichen Sieg gegen die SG Schorndorf, doch „auch im letzten Jahr sind wir nach der Vorrunde gut gestartet“. Er sei im Moment sehr zufrieden, wisse aber auch, wie schnell sich das ändern kann. „Deshalb gehen wir das Ganze etwas demütig an“, sagt der Abteilungsleiter.

Platz zehn ist ein drastischer Ausreißer nach unten für den TSV. Seit dem kurzen Ausflug in die Landesliga 2004/05 standen die Nellmersbacher fast immer unter den besten vier der Tabelle, viermal wurden sie Vizemeister. Warum’s im Vorjahr nicht geklappt hat? Redelfs sieht den Hauptgrund in den vielen Verletzten. Trainer Ben Blümle habe sehr akribisch gearbeitet („Wie jetzt auch Tim Böhringer“), aber ihm hätten zu viele Spieler auf wichtigen Positionen gefehlt.

Ein wenig sorgt sich Redelfs, dass eine neue Personalmisere den TSV einholt. Ümit Karatekin fehlt wegen eines Muskelfaserrisses, Hasan Collak hat sich am Knie so schwer verletzt, dass er seine Laufbahn beendet hat. Vor allem aber ärgert Redelfs sich über zwölf Spiele Sperre für Luca Triffo nach der Roten Karte gegen Korb. Bei dem Urteil seien vor allem die – aus Redelfs Sicht überzogenen – Korber Schilderungen berücksichtigt worden.

Der Stürmer ist noch für zwei Spiele gesperrt, ein anderer aber steht konstant zur Verfügung. Einer, dessen Wechsel zum TSV überrascht hat: Martin Cimander von der SG Sonnenhof Großaspach.

Spielführer Martin Cimander

Martin Cimander (37) stieg mit der SG von der Landesliga bis in die 3. Liga auf. Zuletzt war er zweiter Co-Trainer des Drittligateams, aber: „Ich wollte wieder spielen. Ich hab’ einfach Lust gehabt.“ Und weil sich sein Sohn und der von TSV-Trainer Tim Böhringer aus der U 11 der SG Sonnenhof kennen, nahm die Sache ihren Lauf. „Tim Böhringer hat eine Führungsperson gesucht.“ Und die hat er in Martin Cimander gefunden.

Der wurde gleich zum Spielführer und räumt jetzt in der Innenverteidigung zusammen mit Daniel Berkowitsch ab. Dem ehemaligen Oberligaspieler aus Weinstadt ging es ein Jahr zuvor wie Cimander. Er hatte bei der SG Weinstadt schon als Abteilungsleiter und Trainer gewirkt und wollte ebenfalls wieder nur kicken.

Aber ist es nicht ein großer Unterschied von der Regional- zur Bezirksliga? „So eine große Umstellung war das nicht“, sagt Cimander. „Ich habe ja bei der SG auch in der zweiten Mannschaft (Verbandsliga) gespielt und in der AH.“ Die Bezirksliga sei zudem eine „attraktive Liga: Da kann jeder jeden schlagen“.

Weil’s ihm so gut gefällt („Der Zusammenhalt ist supergut“), wird er auch in der kommenden Saison für den TSV auflaufen. „Solange die Knochen halten.“ Beim Saisonziel ist er ganz auf der Linie der Abteilungsleitung. „Ein guter einstelliger Platz.“ Ob das der Trainer auch so sieht?

Trainer Tim Böhringer

Tut er, zumindest für die aktuelle Spielzeit. „Es ging jetzt vor allem darum, wieder in die Spur zu kommen“, sagt Tim Böhringer (45). Die vergangene Saison sei einfach zu schlecht verlaufen. Das allerdings lastet er angesichts der Verletztenmisere nicht seinem Vorgänger Ben Blümle an. Im Gegenteil. „Unter ihm haben sich einige junge Spieler sehr gut entwickelt.“ Spieler wie Nils Reweland, Nik Höschele, Yannick Urbitsch, Luca Triffo und Kevin Schreiner wurden zu wichtigen Bestandteilen des Teams. Eines Teams, das bodenständig sei, guten Charakter zeige und eine gute Mischung habe zwischen Jung und Alt, Kämpfern und Kreativspielern. Mit Erkut Polat (VfB Neckarrems) und Tugay Akgün (FV Kirchfeld, früher Vikt. Backnang) haben die Nellmersbacher sich jetzt noch einmal verstärkt. Böhringer: „Akgün ist erst 23, hat aber schon 199 Landesligaspiele bestritten.“ Schon mit den Sommerzugängen ist Böhringer absolut zufrieden. Torwart Marius-Vladut Cioncan beispielsweise sei ein „starker Rückhalt“, Mittelfeldspieler Arif Genc „ein stabilisierender Faktor“.

Das bedeutet, in der kommenden Saison will der TSV Meister werden?

„Wir wollen dann von Beginn an bewusster vorne mitspielen“, sagt Böhringer. Der Kader habe bis auf Daniel Berkowitsch, der den TSV verlässt, komplett für die Saison 2019/20 zugesagt. Vom Aufstieg will der Trainer trotzdem noch nicht reden. „Wir wollen schon mal wieder eine Klasse hoch, aber die Dinge müssen wachsen.“ Die erste Wachstumsphase hat die SG Schorndorf am vergangenen Wochenende erlebt. Sie unterlag mit 1:4. Fortsetzung am Sonntag beim Nachbarn TSV Leutenbach.

Fakten zum TSV Nellmersbach

Der TSV Nellmersbach ist aktuell Zweiter in der Bezirksliga, sieben Punkte hinter Tabellenführer SV Kaisersbach und vier vor dem SV Steinbach. Kaisersbach und Steinbach aber haben ein Spiel weniger ausgetragen.
Der TSV hat den nach Kaisersbach erfolgreichsten Angriff (42 Treffer) und die zweitbeste Abwehr (24).
Erfolgreichster Torschütze ist Graziano Trovato mit neun Treffern, vor Ümit Karatekin (8). Die restlichen Treffer verteilen sich auf neun weitere Spieler.
Vier Spiele hat der TSV in dieser Saison verloren: in Schorndorf und Hößlinswart, dazu auf eigenem Platz gegen Kaisersbach und Korb. In Winterbach und gegen Unterweissach spielte er unentschieden. Die letzten fünf Partien aber hat er allesamt gewonnen.
Seit 21 Jahren bereits ist Oliver Redelfs beim TSV erst als Spielleiter, später Abteilungsleiter aktiv.
Martin Cimander ist der Sohn von Waldemar Cimander. Der Torwart aus Polen bestritt 146 Zweitligaspiele für die Stuttgarter Kickers.
Trainer Tim Böhringer hat schon die Viktoria Backnang in die Landesliga gebracht und dort auch gehalten.

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