Rems-Murr-Fußball Werden jetzt alle Kunstrasenplätze stillgelegt?

Symbolbild. Foto: pixabay (CCO Public Domain)

Waiblingen. Sport und Umweltschutz – das Thema wird derzeit besonders hitzig in der Frage um die Kunstrasenplätze diskutiert. Die Landesregierung will künftig keine Zuschüsse mehr gewähren, weil das bei Kunstrasen verwendete Gummigranulat aus Altreifen „zu den größten Verursachern von Mikroplastikausträgen in die Umwelt“ (Antrag der Landtagsfraktionen CDU und Grüne) gehört. Für bereits bestehende Plätze allerdings, so Sportkreispräsident Erich Hägele, bestehe keine Gefahr.

Die Fußballvereine im Bezirk müssen also nicht befürchten, den Betrieb einstellen zu müssen; denn das wäre bei einem sofortigen Verbot die zwangsläufige Folge. Kaum ein Verein im Bezirk, der keinen Kunstrasenplatz hat. „Diese Plätze sind auch nötig“, sagte Hägele beim Sport-Talk in Winnenden (siehe oben), „besonders für die Jugendarbeit.“ Denn die sei im Winter auf Naturrasenplätzen kaum möglich.

Über Umweltgefahren nachzudenken sei legitim, meinte Hartmut Holzwarth, Oberbürgermeister von Winnenden, bei derselben Veranstaltung. Allerdings hofft er, „dass vom Land mit Augenmaß damit umgegangen wird“. Die Winnender haben gerade erst in Breuningsweiler einen Kunstrasenplatz fertiggestellt.

Ohne Kunstrasenplätze hätten vor allem die Fußballer massive Probleme. Auf ihnen können wesentlich mehr Spiele ausgetragen werden als auf Naturrasen. Jährlich kommen in Deutschland etwa 300 Plätze dazu. Sämtliche Standorte umzurüsten ist unmöglich – aus finanziellen Gründen, aber ebenso, weil der Spielbetrieb von Vereinen und Schulen dann zum Erliegen käme. Und auch die Fachfirmen haben begrenzte Kapazitäten.

Europaweites Verbot

Das Verbot jedoch wird kommen, und zwar europaweit. Die Europäische Chemikalienagentur (ECHA), eine Behörde der Europäischen Union, hat einen entsprechenden Antrag eingereicht: Es soll – bis 2022 – verboten werden, Mikroplastik, und nichts anderes sind die Granulatpartikel, bewusst in den Umlauf zu bringen. Ersatzstoffe wären Quarzsand oder Kork. Der Deutsche Fußball-Bund und der Deutsche Olympische Sportbund schlagen eine Übergangsphase von sechs Jahren vor.

Akut gefährdet sind die Kunstrasenplätze nicht. Kein bestehender Platz muss geschlossen werden. Es gibt allerdings keine Förderungen bei Neu-Anträgen, wenn weiter das Granulat aus Altreifen benutzt wird.

Um künftige Plätze umweltbewusst auszustatten und alte umzurüsten, braucht es Geld, viel Geld. Die 90 Millionen aus dem Solidarpakt, die der Sport in jedem Jahr ausgeschüttet bekommt, reichen dazu laut Hägele bei weitem nicht aus. Er geht von noch einmal derselben Summe aus. „Das Land muss sagen, wo das herkommt.“ Das Ministerium für Kultus, Jugend und Sport schätzt, dass es 800 bis 1000 Kunstrasenplätze in Baden-Württemberg gibt, in Deutschland etwa 6000.

Auch der SPD-Abgeordnete Gernot Gruber (Murrhardt) kritisiert in einer Pressemitteilung die Entscheidung des Landtages. „Grüne und CDU kappen die Förderung von Kunstrasenplätzen mit eingestreutem Granulat, ohne sich um die Folgen für Vereine und Kommunen und um Alternativen zu kümmern.“

WLSB beantwortet Fragen

Für den Bau und die Förderung von Sportplätzen ist der Württembergische Landessportbund (WLSB) zuständig. Er beantwortet auf seiner Internetseite Fragen zum Thema. Wir veröffentlichen daraus Auszüge.

Müssen jetzt alle Kunstrasenplätze stillgelegt werden?

Zum jetzigen Zeitpunkt: nein. Die Entscheidung des Landtags bezieht sich nur auf die Vergabe von Landesfördermitteln.

Wie lange dürfen mit Gummigranulat verfüllte Kunstrasenplätze noch genutzt werden?

Wann es zu einer Entscheidung auf europäischer Ebene kommt, ist schwer abzuschätzen. Der Vorschlag der ECHA wird voraussichtlich im Frühjahr 2020 der Europäischen Kommission übergeben. Diese muss dann entscheiden. Aktuell ist daher unklar, ob es Übergangs- und Ausnahmeregelungen wie auch Bestandsschutz für solche Plätze geben wird. DOSB und DFB setzen sich dafür ein.

Können Kunstrasenplätze, deren Bau bereits läuft, weiter gebaut werden?

Die Auszahlung von Landesfördermitteln für bereits erfolgte Bewilligungen ist weiterhin möglich. Wie mit Fällen umzugehen ist, die sich gerade zeitlich zwischen einer Baufreigabe und der Bewilligung befinden, wird noch gemeinsam mit dem Kultusministerium geklärt werden müssen.

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