Rems-Murr-Fußball Wie arbeitet eigentlich ein Fußballtrainer?

Giuseppe Iorfida umringt von seinen Spielern. Zum Trainerjob gehört auch in den Amateurligen mehr, als nur die Hütchen aufzustellen. Mit den Gedanken, sagt Iorfida, bist du immer bei deiner Mannschaft. Foto: ZVW / Flatau

Wie arbeiten Trainer in den Rems-Murr-Fußballligen? Wie bereiten sie sich vor? Aufs Training, auf die Saison? Welche Gedanken machen sie sich? Welchen Aufwand betreiben sie? Darüber haben wir uns mit Giuseppe Iorfida vom SV Unterweissach unterhalten. Wir begleiten ihn durch die verschiedenen Phasen der Saison 2019/20. Im ersten Teil geht es um Grundsätzliches und um die Frage: Wann beginnt eigentlich die Saison für den Trainer?

Blick weit voraus - Der Trainer muss früh planen

Dass Giuseppe Iorfida den Bezirksligisten SV Unterweissach auch in die Saison 2019/20 trainieren würde, stand bereits im März fest. Also früh genug?

„Eigentlich zu spät“, sagt Iorfida. In den Profiligen würden Verträge spätestens im November/Dezember des Vorjahres verlängert – oder die Trennung wird bekanntgegeben. „Um diese Zeit weißt du als Trainer schon, wohin die Entwicklung geht.“ Die rechtzeitige Vertragsverlängerung eröffnet Zeit, sich ausreichend um die darauffolgende Spielzeit zu kümmern. Zeit, die es bei den Amateuren meist nicht gibt.

Außerdem: „Wenn ich mit Spielern ins Gespräch gehe, wollen die immer als Erstes wissen, wie’s mit dem Trainer aussieht.“ Das gelte für die eigenen Spieler genauso wie für jene, die der Trainer gerne zu sich holen würde.

Bis die Gespräche schließlich beginnen, hat Iorfida – wie auch seine Trainerkollegen – bereits eine Menge Vorarbeit geleistet. Er hat sich überlegt, für welche Positionen er Spieler braucht, hat viele Spiele besucht, um geeignete Kandidaten zu finden. „Am einfachsten ist es immer, die Spieler des aktuellen Gegners zu beobachten“, sagt Iorfida. Wer gut ist, fällt auf. Sportliche Qualität allerdings reiche nicht aus. Es komme auch auf den Spielertyp an. Iorfida beispielsweise legt Wert auf Geschwindigkeit und Athletik. „Ich brauche also keinen Strategen.“

Außerdem frage er sich: „Was ist das für ein Typ? Ist er verletzungsanfällig? Ist er teamfit? Ist er respektvoll gegenüber seinen Mitspielern, gegenüber seinen Gegenspielern, vor allem gegenüber dem Schiedsrichter?“ Dazu informiert er sich in den sozialen Medien, spricht mit Freunden, Trainerkollegen und Mitspielern, beobachtet weitere Spiele. „Wenn alles passt, gehe ich im Normalfall auf den Trainer seiner Mannschaft zu, und frage ihn, ob ich den Spieler kontaktieren darf.“

Im direkten Gespräch erledigt sich das Interesse entweder schnell, oder es folgen weitere Gespräche zusammen mit der Abteilungsleitung. Der Spieler möchte wissen, was der Verein bietet. Iorfida: „Bei von mir vorsortierten Spielern geht es oft in erster Linie nicht ums Geld. Die Spieler wollen wissen: Wie sind die Rahmenbedingungen? Rasennutzung, Umkleidekabine, wie oft wird trainiert etc. Wie sieht es aus mit der medizinischen Abteilung? Habt ihr einen Physiotherapeuten? Wie sieht’s mit der Ausrüstung aus?“

Solche Gespräche können zeitaufwendig sein. In Unterweissach sei es diesmal schnell gegangen, weil der Kader zusammengeblieben ist und Iorfida nur wenige Ergänzungen suchte. „Ich weiß aber, dass das auch mal mehrere Stunden dauern kann.“

Immer beim Team - Der zeitliche Aufwand als Trainer

Zeit investieren muss der Trainer nicht nur in die Saisonplanung. Gedanklich, sagt Iorfida, „bist du sowieso immer bei den Spielern und der Mannschaft“. Während der Spielersuche habe er etwa zwölf bis 15 Spieler auf dem Zettel, und wenn es darum gehe, eine Mannschaft neu aufzubauen, auch 30, 40. Die gilt es danach abzuarbeiten.

Ein enormer zeitlicher Aufwand, der nicht geringer wird, wenn der Kader schließlich steht, was im Amateurbereich im Juli normalerweise der Fall ist. Wie groß die Belastung ist, sagt Iorfida, merke er „immer dann, wenn wir Pause haben und ich für meine Arbeit im Beruf mal einen klaren Kopf habe“.

In Unterweissach trainiert Iorfida zwei- bis dreimal in der Woche. Jede Trainingseinheit werde individuell vorbereitet. „Ich werde bezahlt vom Verein“, sagt er, „dann muss ich auch was bieten.“ Er möchte das Maximale aus sich selbst und der Mannschaft herausholen. „Die Spieler sollen zum Beispiel ein interessantes und vor allem abwechslungsreiches Training bekommen.“ Und am besten später einmal sagen: „Der Iorfida hat mich wirklich weitergebracht.“

Nicht nur die Arbeit auf dem Trainingsplatz verschlingt Zeit. Wann immer es möglich ist, schaut sich Iorfida andere Spiele an: um über andere, möglicherweise einmal für ihn interessante Spieler informiert zu sein und die Mannschaften in seiner Liga. Er hält nichts davon, sich nur auf die eigene Stärke zu verlassen. Um ein Spiel zu gewinnen, müsse man Stärken und Schwächen des Gegners kennen – und darauf reagieren.

Verantwortung - Der Trainer als Psychologe

Beim SV Unterweissach hat Giuseppe Iorfida ein sehr junges Team. In den vergangenen beiden Jahren sind über zehn bezirksligataugliche Spieler aus der eigenen A-Jugend gekommen. „Mir geht auch das Herz auf, wenn ich einen 18-Jährigen betreuen darf, der in der Jugend beim Sonnenhof war und jetzt wieder bei uns ist.“ Wie aktuell Moritz Erhardt. Zu solchen Spielern „sagt man was, und sie machen das. Und bedanken sich noch für die Info.“

Aber: „Man braucht auch Geduld. Manchmal sind sie an einem Wochenende Ronaldo, am nächsten Kreisliga C.“ Gerade auf die Jungen müsse der Trainer achten. „Ich habe als Trainer auch eine soziale Verantwortung. Wenn ich sehe, dass da jemand respektlos ist, muss ich einschreiten.“ Genauso wenn ein Spieler, ob jung oder erfahren, private Probleme hat. Darauf müsse er als Trainer ebenfalls Rücksicht nehmen, wenn möglich – in Vier-Augen-Gesprächen – sogar zur Lösung des Problems beitragen. „Das ist Trainerarbeit. Du bist nicht nur für die sportliche Leistung zuständig, sondern auch für die persönliche Entwicklung der Spieler.“ Und wenn sich ein Spieler verletzt, bringt das die nächsten Rädchen im Kopf in Gang.

„Es ist kein Zuckerschlecken, eine Mannschaft zu trainieren“, sagt Iorfida. „Entweder du bist jeden Tag mit deiner Mannschaft gedanklich oder auf dem Platz zusammen, oder du wirst nichts Großes reißen.“


Giuseppe Iorfida

Giuseppe Iorfida (38) trainiert den SV Unterweissach seit 2016. Zuvor betreute er den TSV Schornbach (Aufstieg in die Bezirksliga), den TV Echterdingen als spielender Co-Trainer in der Landesliga und zwei Jahre den VfR Birkmannsweiler.

Iorfida besitzt seit 2018 die Trainer-A-Lizenz und wohnt in Berglen.

Als Spieler war er unter anderem in der Oberliga bei den SF Dorfmerkingen und der 1. FC Normannia Gmünd aktiv.

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