Rems-Murr-Kliniken 27,5 Millionen Fördergeld für Erweiterung in Winnenden?

, aktualisiert am 18.12.2018 - 17:23 Uhr
Symbolbild. Foto: Palmizi/ZVW

Winnenden. Das Medizinkonzept der Rems-Murr-Kliniken ist überzeugend – das honoriert nun auch das Landessozialministerium: Die Rems-Murr-Kliniken werden Fördergeld aus dem Krankenhausbauprogramm 2019 erhalten für die bereits erfolgte Stationserweiterung in Winnenden. „Die Freude ist riesengroß“, sagt Landrat Richard Sigel.


Korrektur: In einer früheren Version dieses Beitrags hieß es, dass 27,4 Millionen für die Erweiterung des Klinikums Winnenden bereits beschlossen wären. Diese Info basierte auf einer Pressemitteilung des Büros eines Landtagsabgeordneten - und hat sich leider als falsch erwiesen. Wir bitten um Entschuldigung.


Dies sei ein „Mega-Meilenstein“ für die Kliniken, schwärmt Sigel – zweieinhalb Jahre lang „haben wir viel Arbeit reingesteckt“, um das Land von der Sinnhaftigkeit 70 zusätzlicher Betten am Standort Winnenden zu überzeugen. Das Klinikum war ursprünglich für 550 Betten konzipiert, dafür gab es auch eine Förderzusage vom Land. Bereits in der Bauphase zeichnete sich aber ab, dass die Kalkulation zu knapp war: Der Landkreis baute deshalb auf eigene Rechnung größer als geplant und stockte auf 620 Betten auf. Er ging damit finanziell ins Risiko, setzte rund 27,5 Millionen zusätzliche Baukosten ein – ohne sicher sein zu können, dass es dafür je Landesmittel geben würde. Jahr um Jahr schleppte der Kreis diese Altlast mit sich herum. Nun aber hat das Land das Klinikum Winnenden ins Bauprogramm 2019 aufgenommen und signalisiert damit: Wir sind überzeugt von eurem Weg – es war damals richtig, die 70 Extra-Betten zu bauen, wir sehen heute, dass sie tatsächlich gebraucht werden, sie sind deshalb nachträglich förderfähig.

Wie viel Geld am Ende tatsächlich fließen wird, ist allerdings noch nicht klar. Erst im Frühjahr wird es einen konkreten Fördermittelbescheid geben. Es dürfte klar sein, dass nicht die ganze Summe fließen wird. Das ergibt sich schon aus einer simplen Additionsrechnung ...

Adam Riese mahnt: Hofft lieber nicht auf volle 27,5 Millionen

Das gesamte Krankenhaus-Bauprogramm 2019 hat ein Fördervolumen von 222,7 Millionen Euro. Für einen Schluck aus der Pulle haben sich viele Häuser beworben. 15 Projekte wurden nun zur Förderung ausgewählt. Die 15 erfolgreichen Bewerber gaben vorab jeweils an, wie viel Geld sie haben möchten – Winnenden zum Beispiel beantragte eben jene 27,5 Millionen. Zählt man aber alle 15 Einzelanträge zusammen, kommt man auf eine Summe von mehr als 331 Millionen Euro – rund ein Drittel mehr, als das Förderprogramm hergibt.

Dennoch: Dass Winnenden überhaupt bedacht wird, „ist schon mal ein Weihnachtsgeschenk“, jubiliert Marc Nickel, Geschäftsführer der Rems-Murr-Kliniken, „ein Ritterschlag!“

Gute Argumente

Es gab aber auch gute Argumente für den Winnender Antrag: Die Bettenauslastung ist hervorragend, sie liegt bei rund 90 Prozent, im Alltag offenbart sich quasi täglich, dass das Haus nicht überdimensioniert ist. Vor allem aber haben der Landkreis, die Leitung der Rems-Murr-Kliniken und die gesamte Riege der – anfangs mal recht uneinigen – Chefärzte mittlerweile gemeinsam ein schlüssiges und durchdachtes Medizinkonzept vorgelegt: Es gibt zwei Standorte, Schorndorf und Winnenden, gut vernetzt und eng kooperierend; und jedes Haus setzt klar definierte eigene medizinische Schwerpunkte, die sich gegenseitig ergänzen und ein rundes Gesamtpaket ergeben, ohne fatale Lücken, aber auch ohne teure Doppelstrukturen. Dieses Konzept habe das Land „überzeugt“, folgert Richard Sigel, „und jetzt kommen die Früchte“.

Christopher Hermann, Vorstandsvorsitzender der AOK Baden-Württemberg, sieht das ähnlich: „Die Konzeption der Rems-Murr-Kliniken ist vernünftig.“ Das sei ganz im Sinne der AOK, die für betriebswirtschaftlich sinnvolle Strukturen in der Krankenhauslandschaft werbe. Die Häuser in Schorndorf und Winnenden hätten in den vergangenen Jahren eine gute Entwicklung genommen, das zeige unter anderem der AOK-Krankenhausnavigator.

Zufriedenheit bei den Abgeordneten

Auch der grüne Landtagsabgeordnete Willi Halder ist beglückt: „Für die Rems-Murr-Kliniken ist das ein weiterer Schritt, die finanziellen Defizite zu verringern – und für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet es, dass eine hochwertige, wohnortnahe ärztliche Versorgung sichergestellt ist. Die Zusage des grün geführten Sozialministeriums ist ein klares Signal, dass wir mit den Kliniken auf dem richtigen Weg sind.“

Ebenfalls zufrieden ist der CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek: „Mit der Förderzusage setzt das Land ein deutliches Signal für die Unterstützung und Weiterentwicklung der Krankenhausstrukturen im Rems-Murr-Kreis.“ Die damals in Vorleistung erbrachte „Erhöhung der Bettenzahl“ habe sich als „notwendig und richtig“ entpuppt: Die Auslastung des Winnender Klinikums sei dank der „sehr guten medizinischen Qualität hoch“.


Das Programm

Das Krankenhaus-Bauprogramm, das Sozialminister Manfred Lucha (Grüne) am Dienstag bekanntgab, hat ein Volumen von rund 222,7 Millionen Euro. Davon profitieren werden Häuser in Eberbach, Elzach, Emmendingen, Esslingen, Freudenstadt, Göppingen, Karlsruhe, Lörrach, Nagold, Ludwigsburg, Schwäbisch Hall, Sigmaringen, Sindelfingen-Böblingen, Stuttgart, Waldshut und Winnenden.

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