Rems-Murr-Kreis Besitzt im Jahr 2050 niemand mehr ein eigenes Auto?

Manfred Wacker im Gespräch mit Redakteur Alexander Roth. Foto: ZVW/Joachim Mogck

Waiblingen. Sind im Jahr 2050 keine privaten Pkw mehr in der Region Stuttgart unterwegs? Dieses Szenario untersuchen Wissenschaftler aktuell an der Universität Stuttgart. Und bieten Alternativen für Pendler.

Der Rems-Murr-Kreis ist eine Pendlerregion. Tausende Menschen fahren täglich morgens zur Arbeit nach Stuttgart, und am Abend wieder nach Hause. Dabei wird momentan eine Menge Kraftstoff verbraucht. Angesichts der globalen Klimakrise müssen andere Lösungen her, da sind sich die Wissenschaftler einig. Bloß welche?

"Car-Sharing" und "Ride-Sharing"

Diplom-Ingenieur Manfred Wacker vom Institut für Straßen- und Verkehrswesen forscht schwerpunktmäßig im Spannungsfeld Umwelt und Verkehr. Im Rahmen des EU-Projekts ICARUS entwirft er mit Kollegen Modelle und Visionen einer "grünen" Stadt, inklusive nachhaltiger Verkehrsplanung. Dabei geht es neben der Reduzierung von Luftverschmutzung und klimarelevanten Emissionen auch um die Frage: Wie wohl fühlen sich die Menschen damit? In einer neuen Folge unseres Podcasts "Mieses Klima" haben wir mit ihm darüber gesprochen, wie die Pendlerregion Stuttgart in Zukunft aussehen könnte.

Den Ansatz, den privaten Individualverkehr durch ein öffentliches Angebot zu ersetzen, untersucht das Team um Manfred Wacker in zwei Szenarien: "Beim einen Szenario geht es darum, dass man keine privaten Pkw mehr besitzt, sondern aus einer Car-Sharing-Flotte ein Fahrzeug anfordern kann, wenn man es benötigt. Zunächst mal noch, um es alleine zu benutzen". Dabei sollen autonome Fahrzeugsysteme zum Einsatz kommen, die sich selbstständig zum nächsten Fahrer bewegen können. Im zweiten Szenario ginge es in einem nächsten Schritt dann um sogenanntes "Ride-Sharing". Die Forscher gehen dabei von einem autonomen Fahrzeug mit sechs Sitzen aus, das sich mehrere Personen mit einem gemeinsamen Ziel teilen könnten.

Mehr Staus trotz weniger Fahrzeugen?

Die beiden Szenarien wurden in Modellversuchen auf die gesamte Region angewandt. Dabei habe sich gezeigt: Zumindest Fahrten innerhalb der Region ließen sich auf diese Weise bis zum Jahr 2050 mit nur einem Zehntel des aktuellen Fahrzeugbestands abdecken. Das "Ride-Sharing"-Modell sei dabei effektiver, so Wacker. "Es zeigt aber auch, dass wir nach wie vor Belastungsspitzen auf den Straßen haben werden. Insbesondere auf den Einfallstraßen nach Stuttgart werden die Staus dann wahrscheinlich größer sein als es heute der Fall ist."

Erklärt werden könne das mit der Attraktivität des Angebots: "Wir hatten Verlagerungen vom schienengebundenen, öffentlichen Verkehr zu diesen Sharing-Modellen. Weil es attraktiver ist, direkt vor der Haustüre abgeholt und wieder abgesetzt zu werden, als erstmal noch zu einer Haltestelle zu gehen und eventuell noch umsteigen zu müssen." Sprich: "Alle Probleme sind damit auch nicht gelöst".

Im April läuft das Projekt ICARUS aus. Einen Einblick in die bisherigen Ergebnisse erhalten Sie in unserem aktuellen Podcast.

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