Rems-Murr-Kreis Coronavirus: Stihl und Kärcher erlassen Reiseverbot

Wie bereiten sich die Rems-Murr-Kliniken auf das Corona-Virus vor? Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Rems-Murr-Kreis.
Das Coronavirus ist in Deutschland angekommen. Ein erster Fall wurde nun aus Bayern gemeldet. Dennoch ist das Risiko, an der echten Grippe (Influenza) zu erkranken, auch in Baden-Württemberg und im Rems-Murr-Kreis nach wie vor höher, als sich das aus China stammenden Coronavirus einzufangen. Das betonen sowohl das Gesundheitsamt des Landkreises als auch das Landes-Gesundheitsministerium mit Bezug zu Einschätzungen des mit Seuchen und Epidemien befassten Robert-Koch-Instituts in Berlin.

In den Rems-Murr-Kliniken in Winnenden und Schorndorf gehören „wiederkehrende und saisonal bedingte Infektionskrankheiten mit Isolationsbedarf, wie Influenza oder Noro-Virus, zum Klinikalltag“, sagt Monique Michaelis, Pressesprecherin der Kliniken. Aktuell seien durchschnittlich 20 Isolierpatienten in Behandlung. Die Ansteckungszeit bestimme die Verweildauer in Isolation: Bei Influenza zum Beispiel betrage sie ab dem Auftreten erster Symptome durchschnittlich sieben Tage.

„Gemäß dem Versorgungsauftrag halten die Rems-Murr-Kliniken dafür Isolationskapazitäten vor.“ Über eine gesonderte Isolationseinheit, die beispielsweise bei gefährlichen Infektionserkrankungen wie Ebolafieber notwendig wäre, verfüge man jedoch nicht.

Die Rems-Murr-Kliniken haben gewisse Quarantäne-Kapazitäten

„Die Rems-Murr-Kliniken teilen die Einschätzung des Robert-Koch-Instituts der geringen Ansteckungs- und Verbreitungsgefahr in Deutschland. Die vorgehaltenen Isolationskapazitäten könnten eventuell aber auch für Coronavirus-Patienten genutzt werden“, so Michaelis. In Schorndorf und Winnenden könne man jedoch keinen Schnelltest zur Erkennung des Coronavirus’ durchführen. „Proben müssten nach Berlin geschickt und die dortigen Untersuchungsergebnisse abgewartet werden.“

In den Hygieneplänen sowohl des Gesundheitsamts als auch der Rems-Murr-Kliniken sei ein grundsätzliches Vorgehen für ein Management in solchen Fällen hinterlegt, das dem für SARS-Patienten entspräche – das beinhaltet zum Beispiel neben der Isolierung des Patienten auch Mundschutz und Schutzkleidung und dergleichen für das medizinische Personal.

Ob theoretisch, bei einer sehr unwahrscheinlich auftretenden Coronavirus-Erkrankungswelle, die Kapazitäten in Schorndorf und Winnenden ausreichten, sei momentan nicht abzuschätzen. „Vielleicht müssten wir bei zu vielen Patienten auch Erkrankte verlegen lassen in andere Kliniken“, so Michaelis. „Auf spezielle Szenarien müssen sich die Experten dann je nach Fall zusätzlich einstellen.“

Das Gesundheitsamt im Landkreis ist zudem mit Firmen, die Außenstellen in China haben, im Gespräch und berät, sagt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamtes.

„Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat höchste Priorität“

Die Unternehmen Kärcher und Stihl haben für ihre Beschäftigten ein Verbot von Geschäftsreisen von und nach China erlassen. Für Stihl-Beschäftigte gilt dieses Reiseverbot vorerst generell. „Eine Servicehotline und die unternehmensinterne Reiseabteilung stehen für weitere Fragen zur Verfügung“, sagt Dr. Stefan Caspari, Leiter Unternehmenskommunikation und Öffentlichkeitsarbeit. „Die Gesundheit unserer Mitarbeiter hat höchste Priorität.“

Die chinesische Regierung habe die Neujahrsfeiertage bis 2. Februar verlängert, auch um den Binnen-Reiseverkehr einzudämmen, sagt David Wickel-Bajak, Pressesprecher von Kärcher. „Kitas und andere Einrichtungen sind in China sogar noch voraussichtlich bis Mitte Februar geschlossen. Für Kärcher-Beschäftigte haben wir vorläufig den 9. Februar als Frist gesetzt für unser Dienstreiseverbot.“

Grundsätzlich würden Kärcher-Geschäftsreisenden stets Verhaltensratschläge und Hygienetipps als Handreichungen gegeben – auch mit Verweis auf die Länderinformationen des Auswärtigen Amtes. „Für China und Asien appellieren wir schon länger zu einem vorsichtigen Umgang mit Tier-Märkten und mit Wildtierfleisch sowie besondere Hygiene.“ Hintergrund: Die bislang erste nachgewiesene Übertragung des Coronavirus’ auf den Menschen geschah laut chinesischen Behörden in einem solchen Markt für exotische Tiere im zentralchinesischen Wuhan. Als mögliches vorheriges Wirtstier für das Virus werden Schlange, Dachs und Ratte diskutiert.

Das Winnender Unternehmen Kärcher beschäftigt knapp 1000 Mitarbeiter in China, und zwar in einem Fertigungswerk in Changshu im Großraum Shanghai in Ostchina und in Vertriebsgesellschaften in Shanghai und Hongkong im Süden.

Das Risiko so gering wie möglich halten

Die Stihl-Gruppe ist in China mit einer Vertriebsgesellschaft in Taicang nahe Shanghai sowie Produktionsstätten in Qingdao (Ostchina) und Huizhou im Großraum Shenzhen/Hongkong vertreten.

„Aufgrund des Neujahrsfestes und der nationalen Feiertage sind die Standorte derzeit geschlossen. Wenn die Arbeit im Betrieb wieder aufgenommen wird, wird an der Pforte die Körpertemperatur der Beschäftigten gemessen, um mögliche Erkrankungen frühzeitig zu erkennen“, erläutert Stefan Caspari. Bei Fieber würden die betroffenen Mitarbeiter in China ärztlich untersucht. Zudem würden Schutzmasken ausgeteilt und die Fabriken professionell desinfiziert.

„Angesichts der Vorkehrungen, die die chinesische Regierung getroffen hat, sowie der zusätzlichen unternehmensinternen Maßnahmen hoffen wir, das Risiko einer Ausbreitung des Coronavirus’ an unseren Standorten so gering wie möglich zu halten“, sagt Caspari.


Tipps zur Prävention

Das Gesundheitsamt des Rems-Murr-Kreises rät auf jeden Fall zu einer Grippe-Impfung. „Wenn ein Patient an Influenza und am Coronavirus erkranken sollte, wäre das gefährlich“, sagt Martina Keck, Pressesprecherin des Landratsamtes. Bei den in China aufgetretenen Todesfällen waren die Patienten meist durch andere Krankheiten, Vorerkrankungen und/oder hohes Alter bereits geschwächt.

Personen, die bis 14 Tage nach ihrer Rückkehr aus China, insbesondere aus der zentralchinesischen Provinz Hubei, „Fieber, Husten oder Atemnot entwickeln, sollen unter Hinweis auf den Aufenthalt in der Provinz Hubei telefonisch Kontakt zu ihrem Hausarzt oder dem kassenärztlichen Notdienst aufnehmen“, sagt Dr. Karlin Stark, die Leiterin des Landesgesundheitsamtes. „Erkrankte sollten aus Vorsichtsgründen die Kontakte zu Mitmenschen so weit wie möglich einschränken.

„Um die Ausbreitung von über die Atemwege übertragbaren Krankheiten zu vermeiden, sollte auf gute Händehygiene sowie auf die Husten- und Nies-Etikette geachtet werden. Diese Maßnahmen sind auch in Anbetracht der Grippewelle überall und jederzeit empfehlenswert“, so Karlin Stark.
 

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