Rems-Murr-Kreis Das Unwetter hat Spuren hinterlassen

Die Feuerwehr Plüderhausen hat sich am Montagabend um gestrandete Reisende gekümmert. Auch das DRK war im Einsatz. Foto: Habermann / ZVW

Plüderhausen/Welzheimer Wald/Lorch. Von den Starkregenereignissen am Montagabend waren vor allem die Gemeinden Plüderhausen und Lorch betroffen. Die Feuerwehren waren teilweise bis Mitternacht im Einsatz.

Plüderhausen: 40 Passagiere warten

„Plüderhausen ist zum Glück noch mal mit einem blauen Auge davongekommen“, fasst Feuerwehrkommandant Marc Angelmahr den Ausgang des Unwetters am Montagabend zusammen. Für die Plüderhäuser Feuerwehr begann der arbeitsreiche Abend um 19.23 Uhr, als sie zur Unterführung in der Birkenallee gerufen wurde, in der das Wasser stand. Das Problem sei nicht gewesen, dass die Schächte nicht frei waren. „Es kam einfach zu viel Wasser, sehr viel Wasser innerhalb kürzester Zeit.“ Bis die Feuerwehr allerdings an der Unterführung in der Birkenallee angekommen war, war das Wasser schon wieder abgeflossen.

Nur wenige Minuten nach der ersten Meldung wurde die Feuerwehr erneut angefordert, diesmal für die Fußgängerunterführung am Bahnhof. Und hier stellte sich die Situation als brisant heraus. Ein Zug traf aus Richtung Schorndorf im Bahnhof ein, als die Bahnstrecke in Richtung Aalen schon gesperrt war, berichtet Angelmahr.

Die Passagiere mussten aussteigen, da der Zug die Strecke räumen und nach Stuttgart zurückkehren musste. Mehr als 40 Fahrgäste standen also auf dem Bahnsteig – und konnten nicht weiter, da in der Unterführung das Wasser stand. In Abstimmung mit dem Fahrdienstleiter hat die Feuerwehr die Passagiere sicher über die Gleise ins Bahnhofsgebäude begleitet. Unter ihnen befanden sich eine schwangere Frau, Reisende mit Gepäck sowie eine Schulklasse. Die Feuerwehr pumpte parallel das Wasser aus der Unterführung ab und versorgte die Gestrandeten provisorisch mit Getränken aus dem Feuerwehrfahrzeug. Das DRK wurde hinzugeholt und bewirtete die Passagiere mit Kaffee, kalten Getränken und Keksen, vier Rotkreuz-Helfer waren im Einsatz.

Die Feuerwehr rief bei der Bahn in Karlsruhe an, dort habe es geheißen, man habe keine Möglichkeit, einen Bus zu schicken, schildert Angelmahr. „Dann kam irgendwann die Meldung, dass ein Bus in Schorndorf losgeschickt wird.“ Der kam aber nicht am Bahnhof an, er habe wohl in der Hauptstraße gehalten, so der Kommandant. Etliche Fahrgäste behalfen sich und riefen Verwandte an. Doch auch von Seiten der Bürger kam spontan Hilfe beim Weitertransport.

Das Unwetter zog weiter in Richtung Osten. „Wir haben nur noch einen gewissen Teil abbekommen“, meint Marc Angelmahr. Dennoch war die Feuerwehr an mehreren Stellen achtsam oder im Einsatz. Zum Beispiel an der Bundesstraße. Dort kommt zwischen Plüderhausen und Waldhausen hinter dem Parkplatz der Bachlauf Haspen herunter.

„Er brachte wohl dermaßen viel Wasser, dass die Straße überflutet wurde.“ Nach einer Kontrollfahrt dort meldete die Feuerwehr über die Rettungsleitstelle das Wasser auf der Bundesstraße und sicherte die Straße ab, bis Polizei und Straßenmeisterei eintrafen. Nach Mitternacht waren die Kameraden noch im Einsatz und unterstützten bei der Reinigung der B 29.

Fleißig waren die Plüderhäuser Feuerwehrkameraden auch im Bereich der alten B 29 am Ortsausgang in Richtung Waldhausen. Dort kommt der Schlierbach, der ebenfalls viel Wasser führte. „Dohle und Bahnunterführung waren für diese Menge nicht ausgelegt.“ Die Vereinshütte des Obst- und Gartenbauvereins war zudem ringsum von Wasser unterspült. Die Feuerwehr hat aus dem Keller das Wasser abgepumpt.

Im Ortsgebiet hat sie darüber hinaus dort, wo es brisant war, zusammen mit dem Bauhof Bereiche abgesperrt und abgesichert. Die Feuerwehr war am Montag mit rund 20 Aktiven und vier Fahrzeugen im Einsatz.

Lorch: Mehr als 150 Einsätze

Schwere Unwetter haben ebenfalls in der Lorcher Innenstadt für chaotische Verhältnisse gesorgt. Hauseingänge standen unter Wasser, zahlreiche Keller waren vollgelaufen, teilweise bis unter die Decke. Stellenweise sei das Wasser während der heftigen, rund zweistündigen Schauer in der Ortsmitte auf etwa 40 Zentimeter angestiegen. In der Ofengasse gar auf etwa 70 Zentimeter, bestätigt Bürgermeister Karl Bühler.

Bis spät in die Nacht war die komplette Lorcher Feuerwehr im Dauereinsatz. Sie erhielt dabei Unterstützung aus den umliegenden Städten und Gemeinden. Aus Gmünd eilten 15 Mann der Feuerwehr und 40 Kräfte des THW zu Hilfe. Auch die Rettungskräfte aus Alfdorf waren im Einsatz. Bis 22.18 Uhr zählte man mehr als 150 Einsätze. Im weiteren Verlauf des Abends kamen weitere hinzu. „Wir haben die letzten Tage schon immer gebangt – jetzt hat es uns getroffen“, sagte Bühler.

Auch auf den innerörtlichen Straßen herrschte aufgrund der Wassermassen das pure Chaos. Für Autos gab es kaum ein Durchkommen. Teilweise standen Fahrzeuge einen halben Meter tief im Wasser. Die Unterführung bei der Stuttgarter Straße musste komplett gesperrt werden, da dort das Wasser rund einen Meter hoch stand. Auch beim Golfclub Hetzenhof wurde die Unterführung geflutet, die Autos konnten den dortigen Parkplatz nicht mehr verlassen. Bis in die Abendstunden war die komplette Lorcher Innenstadt gesperrt.

Der Grund für das Hochwasser? Weder die Rems noch der Götzenbach waren in Lorch übergelaufen. Der Hochwasserschutz an beiden Gewässern habe funktioniert, berichtet Karl Bühler. Wenngleich die Pegel beider Flüsse binnen kürzester Zeit stark angestiegen seien. Als Grund für das Hochwasser nennt der Bürgermeister die Wassermassen, die sich von den umliegenden Hängen ihren Weg ins Tal gesucht haben.

Damit das Wasser aus der Ortsmitte besser abfließen konnte, versuchten einige Lorcher Bürger noch am Abend per Hand das Flussbett des Götzenbachs freizulegen, das sich mit Geröll gefüllt hatte. Als Bühler davon erfuhr, schickte er sofort einen Bagger los. Nach Angaben des Wettermelders der Gmünder Tagespost, Tim Abramowski waren von Westen her die Gewitter über Lorch und anschließend über die restliche Ostalb gezogen und hatten binnen drei Stunden teilweise die gesamte Regenmenge für den Juni (das sind zwischen 65 und 70 Millimeter) gebracht. Somit war es auf der Ostalb das stärkste Gewitter seit mehr als zwei Jahren – nur Ende Mai 2016 beim schlimmen Unwetter über Schwäbisch Gmünd und Waldstetten regnete es mehr.

Urbach: „Es war kurz vor knapp“

Mit einem „ganz, ganz blauen Auge“, seien die Urbacher davongekommen, berichtet der Kommandant der Freiwilligen Feuerwehr Michael Hurlebaus. Während am Abend die Bürgermeisterin in ihr Amt eingesetzt wurde, mussten einige Feuerwehrleute die Auerbachhalle verlassen, um auszurücken.

Im Bärenbachtal war der Bach über die Ufer getreten, unter anderem waren die Plätze des TC nicht mehr zu erreichen. Feuerwehr und Bauhof waren im Einsatz, Straßen mussten kurzfristig gesperrt werden, weil die Wassermassen zu groß waren. Allerdings musste die Feuerwehr keine Keller auspumpen. Nach Kontrollfahrten war der Einsatz zeitig beendet. Derartige Regenfälle gab es vor Ort 2018 noch nicht. „Es war kurz vor knapp“, weiß Hurlebaus.

Welzheimer Wald

Das starke Gewitter hat auch das Stadtgebiet getroffen, nachdem vergangene lokale Starkregenereignisse Welzheim lediglich gestreift hatte. In Welzheim wurde am Montagabend eine Regenmenge von 54 Liter je Quadratmeter gemessen, eine Menge die größer ist als die durchschnittliche Regenmenge des gesamten Mai 2018.

Die Welzheimer Feuerwehr wurde insgesamt zu neun Einsätzen in Welzheim und Breitenfürst gerufen, um Keller leer zu pumpen. Der erste Alarm kam um 19.16 Uhr und der letzte um 21.07 Uhr, 25 Kameraden waren bis um 23.45 Uhr im Einsatz, nach der Entspannung der Lage in Welzheim noch in Alfdorf zur Überlandhilfe.

Betroffen war auch die Justinus-Kerner-Halle. Der Wassereintritt war jedoch nicht sehr groß, so dass die Halle am Dienstag nicht gesperrt werden musste. Auf solche Stark-regenereignisse kann selbstverständlich auch ein Kanalsystem nicht ausgelegt werden. Alle elf Regenüberlaufbecken im Stadtgebiet waren innerhalb kürzester Zeit voll, der Abfluss erfolgt über sogenannte Notüberläufe in die öffentlichen Gewässer.

Am RÜB Pfaffenader war sogar der Notüberlauf überlastet und das Wasser drückte aus den Gitterrostabdeckungen bzw. Schachtdeckeln der Straße und flutete den Bolzplatz. Verschiedene Pumpwerke im städtischen Entwässerungssystem waren am Montag ebenfalls betroffen, die Mannschaft der zentralen Kläranlage und des Bauhofs war sofort und bis in den späten Abend hinein im Einsatz. Aktuell werden die Überlaufbecken nach und nach geleert und die städtischen Einrichtungen auf Schäden kontrolliert. Die Stadtverwaltung prüft aktuell, wie noch besser vorgesorgt werden kann. In Breitenfürst soll ein oberflächiger Graben Abhilfe schaffen, der das über die Felder fließende Wasser an der Wohnbebauung vorbeileitet. Die Stadtverwaltung geht von einem etwa 75-jährigen Niederschlagsereignis aus.

Im Kaisersbacher Teilort Bruch war in drei Kellern ein Wassereinbruch. Sonst sind Bürgermeisterin Katja Müller aktuell keine weiteren Einsätze der Feuerwehr oder Schäden bekannt. Von einigen Feldern wurde der Boden abgeschwemmt und es sind Feldwege verschmutzt. „Insgesamt scheint Kaisersbach glimpflich davongekommen zu sein“, so die Bürgermeisterin.

Die Feuerwehr in Alfdorf hatte mit über 40 Einsätzen mehr zu tun. Viele Keller in Privathaushalten waren mit Wasser vollgelaufen. Betroffen waren auch Firmengebäude im Gewerbegebiet in Alfdorf. Außerdem hat auch das Alfdorfer Rathaus einen Wasserschaden im Bereich des Übergangs zwischen Schloss und neuem Rathaus sowie im Aufzugsturm. Die Feuerwehr war in ganz Alfdorf bis weit nach Mitternacht im Einsatz. Jetzt hat sich die Lage wieder beruhigt. Menschen kamen nicht zu Schaden.

Schorndorf

Auch wenn’s in Schorndorf gestern Abend wie aus Kübel gegossen hat, die Daimlerstadt ist glimpflich davongekommen: Wegen des Starkregens musste die Feuerwehr im Stadtgebiet dreimal wegen Wassereinbrüchen ausrücken – im Georg-Schienlin- und im Rehhaldenweg sowie in der Flüchtlingsunterkunft im Steinwasen.

In allen drei Fällen, erklärt Peter Lämmle als Kommandant der Abteilung Stadt, war aber ein technischer Defekt, sprich verstopfte Hausabflusskanäle oder nicht funktionierende Entwässerungen, der Grund, weswegen die Feuerwehr Kellerräume auspumpen musste. Dazu kamen gleich zwei Tier-in-Not-Einsätze: einmal wegen einer Taube und einmal wegen eines Waschbären.

Zweimal musste am Montagabend nach Auskunft von Herbert Schuck, Leiter des Fachbereichs Infrastruktur, in Schorndorf außerdem die Unterführung beim Burg-Gymnasium wegen Baustellen-Abschwemmungen freigeräumt werden und in der Schützenstraße in Weiler war Erdmaterial von einem Feld runtergerutscht. Für die Rems indes gab es in Schorndorf am Montag um 23.12 Uhr Entwarnung: Bei knapp drei Metern – was einem zweijährigen Hochwasser entspricht – war der Scheitelpunkt erreicht und die Pegel wieder am Sinken.

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