Rems-Murr-Kreis Fachkräfte mit Wohnraum locken

Waiblingen. „Beim Fachkräftemangel darf es keine Denkverbote geben“, sagt Claus Paal, wirtschaftspolitischer Sprecher der CDU-Landtagsfraktion, zu Werkswohnungen. In der Pflege ist der Mangel besonders groß. Hohe Mieten und Immobilienpreise schreckten vereinzelt schon Bewerber bei den Kliniken ab.

>> Mehr dazu: Revival der Werkswohnungen

Bei einzelnen Absagen von Bewerbern, so stellten die Rems-Murr-Kliniken fest, spielten die hohen Miet- und Kaufpreise für Immobilien und Grundstücke für die Attraktivität des Arbeitgebers und des Wohnortes eine Rolle. Der Mangel an Pflegekräften sei aber ein bundesweites Phänomen mit vielschichtigen Gründen und betreffe sowohl Regionen mit einer niedrigen Mietpreis-Einkommens-Relation als auch Städte oder Landkreise, wo ein höherer Einkommensanteil für die monatliche Miete aufgewendet wird. „Dass Regionen mit niedrigen Miet- und Immobilienpreisen bei gut ausgebauter Infrastruktur attraktiver für die Wohnort- und Arbeitsplatzwahl sind und somit einen Wettbewerbsvorteil haben, ist durchaus vorstellbar“, beantworteten die Kliniken unsere Anfrage.

Der Motorsägen- und -gerätehersteller Stihl in Waiblingen hat keinen akuten Fachkräftemangel. „Stihl setzt auf die Ausbildung eigener Fachkräfte.“ Aktuell bildet das Unternehmen in Deutschland rund 200 Auszubildende und dual Studierende in achtzehn verschiedenen Fachrichtungen aus. „Jedoch steht Stihl durch die zunehmende Bedeutung von Digitalisierung und Akku-Technologie im Wettbewerb mit anderen Unternehmen um die gleichen Fachkräfte. Dadurch spüren wir in diesen Bereichen aktuell einen Engpass.“ Dieser Engpass hat aus der Sicht von Stihl jedoch nichts mit der Wohnungssituation im Großraum Stuttgart zu tun. „Uns sind keine Absagen von Bewerbern aufgrund der Wohnungssituation bekannt. Die Erfahrung zeigt, dass die meisten unserer Mitarbeiter, wenn sie in die Region ziehen, relativ zügig eine Wohnung finden.“

Doppelten Mangel ausgleichen

Mitarbeiter- beziehungsweise Werkswohnungen können aufgrund der aktuellen Situation am Wohnungsmarkt für Unternehmen ein entscheidender Vorteil im Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter sein, sagt eine Sprecherin der Kreisbau auf Anfrage. „Die Errichtung von Betriebswohnungen kann somit eine sinnvolle Reaktion auf den doppelten Mangel sein: den an Wohnungen sowie den an Fachkräften. Außerdem können neu errichtete Mitarbeiterwohnungen dazu beitragen, das Defizit an bezahlbarem Wohnraum zu verringern.“ Eine mögliche Herausforderung bei der Realisierung von Mitarbeiterwohnungen ergibt sich allerdings durch einen weiteren aktuellen Mangel: In den Ballungszentren ist oftmals bebaubare Fläche sehr knapp bemessen.

Beim akuten Wohnungsmangel seien Werkswohnungen sicherlich eine gute Ergänzung, sagt der Landestagsabgeordnete Claus Paal. Als Präsident der IHK-Bezirkskammer hat er schon vor Jahren das Problem des Fachkräftemangels auf die Tagesordnung gebracht und die Fachkräfteallianz Rems-Murr (F.A.I.R.) mit aus der Taufe gehoben. Ob Werkswohnungen ein Mittel gegen den Fachkräftemangel sein können, ist für Paal offen. Vor allem kleine und mittlere Unternehmen suchten dringend Fachkräfte, während die großen Firmen sich leichter auf dem Arbeitsmarkt tun, ihren Fachkräftebedarf zu decken. „Je kleiner der Betrieb, desto größer das Problem.“

Bäckerei mit Werkswohnungen

In der Broschüre von Regio-Kontext „Mitarbeiterwohnen: Mehr als ein Instrument aktiver Personalpolitik“ finden sich aber nicht nur Großunternehmen, die für ihre Mitarbeiter Wohnraum schaffen. So plant auch eine Memminger Bäckerei mit 16 Filialen den Bau von Wohnungen, um als Arbeitgeber attraktiv zu sein. Denn beim Lohn könne der mittelständische Handwerksbetrieb nicht mit Industrieunternehmen in der Umgebung mithalten.

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