Rems-Murr-Kreis Fragen und Antworten zur Wildschweinjagd

Symbolbild. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen/Korb/Winnenden/Schorndorf.
Die Saison der Wildschwein-Drückjagden beginnt. An diesem Freitag, 22. November, organisiert die Kreisjägervereinigung eine solche in Winnender und Berglener Jagdrevieren und am kommenden Freitag, 29. November, auf der Buocher Höhe. Wir beantworten Ihnen die drückendsten Fragen.

Worauf müssen Sie achten?

Am besten sollte man die betroffenen Waldgebiete an diesen beiden Freitagen nicht aufsuchen, um sich nicht unnötig in Gefahr zu bringen. Zudem kommt es zu Sperrungen von Straßen und Waldwegen sowie Geschwindigkeitsreduzierungen. Also: Auch beim Autofahren aufpassen!

Die Drückjagd am 22. November findet in den Jagdrevieren Winnenden, Birkmannsweiler (Hofkammerwald), Bürg-Baach, Zwerenberg, Oppelsbohm, Rettersburg, Schulerhof, Linsenhof, Kieselhof, Drexelhof, Öschelbronn und Königsbronnwald statt. Straßensperrungen wurden der Redaktion dieser Zeitung trotz Nachfrage in den entsprechenden Ämtern nicht genannt. Waldwege sind jedoch auf jeden Fall bereits seit Donnerstagabend bis Freitag 16 Uhr gesperrt. Auf verschiedenen Straßen werden Geschwindigkeitsreduzierungen erlassen.

Die Drückjagd am 29. November findet in den Jagdrevieren Winnenden-Schelmenholz, Birkmannsweiler, Breuningsweiler, Hanweiler, Korb, Kleinheppach, Großheppach sowie im Waiblinger Stadtwald (Kreuzeiche) statt, also vor allem auf der Buocher Höhe. Die entsprechenden Waldwege sind ab Donnerstagabend bis Freitagmittag gesperrt. Die Ortsverbindungsstraßen Korb–Hanweiler und Lehnenberg–Breuningsweiler sind an diesem Tag von 8.30 bis 12.30 Uhr voll gesperrt. Ebenso sind die Weinbergwege in Hanweiler gesperrt. Weitere betroffene Straßen sind geschwindigkeitsreduziert.

Was ist eine Drückjagd?

„Bei einer Drückjagd geht es nicht etwa wie bei einer Treibjagd darum, dem Wild nachzuhetzen, sondern es in seinen Verstecken, zum Beispiel in Mulden unter Brombeer-Hecken, mit den Hunden aufzuspüren und aufzuscheuchen, die Rotten zu trennen und die Tiere dann einzeln abzuschießen“, erläutert Kreisjägermeister Volker Schmidt.

Die Jagdhunde seien entsprechend ausgebildet, den Tieren nicht hinterherzuhetzen. Auch die an Drückjagden teilnehmenden Jäger müssten extra „Schießnachweise“ vorlegen, und dies regelmäßig, dass sie fähig sind, auf sich bewegende Ziele sicher und genau zu schießen.

Wie viele Tiere werden geschossen?

Eine verlässliche Angabe zur Höhe der Schwarzwildbestände im Rems-Murr-Kreis gibt es nicht. Auf den Staatswaldflächen werden pro Jahr circa 20 Drückjagden durchgeführt, sagt Steffen Kienzle, Pressesprecher des Landratsamts. „Oftmals beteiligen sich angrenzende private Jagdpächter im Rahmen ihrer Möglichkeiten. Drückjagden müssen nicht angemeldet werden, daher haben wir auch dazu keine genauen Zahlen.“ Der Schwaikheimer Uli Messmer, Veranstaltungswart der Kreisjägervereinigung, geht von Abschusszahlen wie in der vorherigen Jagdsaison aus.

Erlegt wurden

  • 2018/19: 1327 Wildschweine (davon rund 22 auf der Buocher Höhe)
  • 2016/2017: 1479 Wildschweine (davon rund 50 auf der Buocher Höhe)
  • 2015/2016: 2032 Wildschweine
  • 2014/2015: 1435 Wildschweine.

Ist die Wildschweinjagd notwendig?

„Schwarzwildschäden im Mais und Grünland sind praktisch im gesamten Landkreis ein Problem“, sagt Kienzle. Einerseits sinke die natürliche Sterberate der Wildschweinpopulationen wegen der milden Winter. Zum anderen gebe es gesteigerte Fortpflanzungsraten durch ein erhöhtes Nahrungsangebot. „Das resultiert einerseits aus einem verstärkten Maisanbau (für Tierfutter und Biogasanlagen, Anm. d. Red.), auf der anderen Seite bilden Eichen und Buchen durch den Klimawandel häufiger Früchte aus“, so Kienzle. Außerdem nutzen Schweine gezielt die Deckungsmöglichkeit von Maisäckern. Selbst Stromzäune, die um Maisfelder errichtet werden, böten keinen zuverlässigen Schutz mehr.

Die Landwirte ärgern sich über die Schäden in ihren Feldern und die Jäger darüber, weil sie für die Begleichung der Schäden aufkommen müssen. So haben schon im September Jäger in Schorndorf-Weiler begonnen, sich nahe Maisfeldern auf die Lauer zu legen und Wildschweine zu schießen.

Doch die Drückjagden im Winnender und Waiblinger Raum haben einen ganz anderen Hauptgrund. „Wir erwarten hier nicht mehr Wildschweine als im Vorjahr. Und haben hier auch nicht so große Probleme etwa mit der Zerstörung von Maisfeldern wie in den Jagdrevieren rund um Schorndorf, aber die hängen ja dort mit dem viel größeren Schurwald zusammen“, sagt Uli Messmer von der Kreisjägervereinigung.

Bei den Drückjagden geht es vor allem darum, der Verbreitung der Schweinepest entgegenzuwirken, sagt Messmer. „Nur durch ein Absenken der Schwarzwildbestände kann die Ausbreitung des Virus eingedämmt werden“, bestätigt Kienzle. Die Afrikanische Schweinepest ist nach wie vor ein großes Problem und in Europa weiter auf dem Vormarsch. Anfang November 2019 ist der Erreger bei toten Wildschweinen in der polnischen Grenzregion nachgewiesen worden und die Anzahl der Schweinepest-Fälle in der Woiwodschaft Lebus nahe der deutschen Grenze ist auf 22 gestiegen (Stand: 21. November).

Schweinepest: Wer ist gefährdet?

Mensch und Haustiere können zwar nicht an der Schweinepest erkranken, das können nur Haus- und Wildschweine. Der Mensch kann aber viel tun, um die Verbreitung des Erregers zu verhindern.

„Wildschweine sind nicht die alleinigen Überträger und auch nicht die gefährlichsten“, sagt Kreisjägermeister Volker Schmidt. „Befallene Tiere bewegen sich nicht mehr über weite Strecken und sterben schnell.“ Die Gefahr bestehe darin, dass der Erreger sehr lange im Boden bleiben kann. Andere Tiere wie Hunde und Füchse, die mit verendeten Wildschweinen Kontakt haben, könnten den Erreger im Fell und an den Pfoten weit tragen und verteilen.

Ein weiterer Verbreitungsweg ist der Mensch. Durch Kontakt mit verendeten Wildschweinen kann auch er den Erreger an Schuhen und Kleidung weit verbreiten, so Schmidt. Absehen sollte man unbedingt davon, Lebensmittel mit Fleischinhalten in der Natur oder neben Abfallkörbe zu entsorgen. „Auch hier können andere Tiere das eventuell kontaminierte Fleisch aufnehmen und den Erreger weitertragen.“

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