Rems-Murr-Kreis Fuchswoche: Massentötung oder nötige Regulierung?

Symbolbild Foto: Pixabay

Rems-Murr-Kreis. Am Sonntag, 16. Februar, werden sie wieder da liegen, am Sängerheim Rettersburg, ordentlich in Reih und Glied auf einem Bett aus Nadelzweigen: Erlegte Füchse. Beim traditionellen „Streckelegen“ präsentieren die Jäger der Kreisjägervereinigung Waiblingen das Ergebnis der Fuchswoche, in der es vom 9. bis zum 16. Februar dem rotbepelzten Tier an den Kragen gehen soll. Das Aufreihen der Beute mit dem für jedes Tier geblasene Totsignal ist für die Jäger gute Sitte, für andere ein eher makaber anmutendes Schauspiel.

Peta kritisiert den Kreisjägerverband 

„Massentötung“ schimpft nun die Tierschutzorganisation Peta über die aktuelle Fuchswoche der Kreisjägervereinigung. Ihrer Ansicht nach liege bei der flächendeckenden Jagd auf Füchse kein vernünftiger Grund für das Töten der Tiere vor, wie es das Tierschutzgesetz eigentlich verlange.

Allerdings: Von flächendeckender Jagd kann bei der Fuchswoche im Kreis keine Rede sein. „Wir reiten ja nicht los und hetzen in der Meute die Füchse, so wie man sich vielleicht die früher in England ausgeübte klassische Fuchsjagd vorstellt“, kommentiert der Pressebeauftragte der Kreisjägervereinigung Waiblingen, Hartmut Unger, die Kritik. Die Jäger und auch Jägerinnen übten an den sieben Tagen der Fuchswoche ihr Jagdhandwerk ganz normal aus, würden jedoch schwerpunktmäßig Raubwild erlegen- also nicht nur Füchse. Wer einen Fuchs erwische, präsentiere ihn dann beim Streckelegen. „Ein Jäger ballert nicht einfach auf alles, nur weil man es jagen darf“, erklärt Unger. Im letzten Jahr waren acht Füchse und zwei Marder bei der Streckenlegung präsentiert worden.

Die Fuchswoche findet traditionell einmal im Jahr entweder im Januar oder im Februar statt, in welcher Woche genau, richtet sich nach dem Vollmond. Wenn die Nächte hell sind, es idealerweise noch Schnee gibt und der Fuchs vor allem noch seinen Winterpelz trägt, ist die beste Fuchsjagdzeit. Denn, wenn man schon Füchse schieße, erklärt Unger, sollte doch zumindest ein Teil des Tieres verwertbar sein.

"Wir sind weit von natürlichen Verhältnissen entfernt"

Der Fuchs wird eigentlich auch nicht mehr wegen seines Pelzes gejagt. Sondern, so beschreibt es das Landwirtschaftliche Zentrum für Rinderhaltung, Grünlandwirtschaft, Milchwirtschaft, Wild und Fischerei Baden-Württemberg (LAZBW), weil er ein Raubsäuger ist, der Feldhasen und bodenbrütende Vögel jagt, wie beispielsweise das gefährdete Rebhuhn. Peta kritisiert indes, dass Füchse den Hobbyjägern hauptsächlich als lebendige Zielscheibe dienen würden. Denn weder aus wildbiologischer noch aus gesundheitlicher Sicht bestehe ein Grund für die massenhafte Bejagung der Beutegreifer. Das LAZBW kommentiert die zunehmend kontrovers geführte Diskussion um die Fuchsjagd folgendermaßen: „Eine verbreitete Idealvorstellung ist, dass sich der Fuchs ohne Jagd natürlich regulieren würde. Dabei wird übersehen, dass wir beim Fuchs von natürlichen Verhältnissen weit entfernt sind“.

Der Fuchs ist sprichwörtlich schlau und anpassungsfähig und die moderne Kulturlandschaft ist nahrungstechnisch für ihn das reinste Paradies. Seine einstigen natürlichen Todesfeinde hat der Mensch dezimiert – den Wolf und die Tollwut. Lediglich die Staupe hält den Bestand in manchen Jahren in Grenzen, eine Krankheit, die zwar auch Katze und Hund, aber nicht dem Menschen gefährlich werden kann. Insgesamt geht es dem Fuchs in Baden-Württemberg ziemlich gut, sein Bestand ist nicht gefährdet.

Fox and the City

Ihm geht es derweil so gut, dass er immer näher an den Menschen heranrückt. Auch im Rems-Murr-Kreis. Füchse plündern Hühnerställe und Kaninchenschläge, reissen Lämmer (2014 in Winnenden-Baach), spazieren häufiger durch Wohngebiete, wühlen auch mal Gräber auf Friedhöfen auf (Schorndorf 2012) und einer attackierte  einen Camper in seinem Zelt am Sörenberg (Mai 2019). Selbst in einen Stuttgarter Club hatte sich ein Tier im Jahr 2017 verirrt. Während die einen den Fuchs in ihrem Ort niedlich finden, überwiegt bei anderen die Sorge vor den möglichen Gesundheitsgefahren – wie etwa dem Fuchsbandwurm. Ist der Fuchs aber mal in den menschlichen Siedlungen, kann der Jäger nichts mehr tun. Eine Bejagung ist dort aus guten Gründen verboten.

In den letzten zwei Jahren hatte die Staupe in den Revieren der Kreisjägervereinigung den Bestand etwas dezimiert. Da mussten die Jäger auch nicht viel eingreifen, erläutert Unger. Nur, wenn das Gleichgewicht wieder zu kippen drohe, beispielsweise weil die gerade grassierende Hasenpest zu viele Feldhasen das Leben kostet, müsste man eventuell auch wieder den Fuchs bejagen. Damit der Hase wieder eine Chance habe, sich zu erholen. Seitdem die Afrikanische Schweinepest drohe, werde aber eher das Schwarzwild intensiv bejagt, sagt Unger. Nach Angaben des Kreisjagdamtes Backnang wurden im Jagdjahr 2018/2019 insgesamt 1350 tote Füchse registriert. Das Jahr zuvor waren es 1560, wiederum davor insgesamt 1450. Die Werte pendeln seit Jahren in diesem Bereich, darunter sind aber auch Verkehrsopfer oder tot aufgefundene Füchse.

Wie viele Füchse am 16. Februar erlegt sein werden, kann Unger nicht sagen. Er schätzt aber, dass unter der Beute auch einige Waschbären als Raubwild zu finden sein werden. „Der Waschbär vermehrt sich ungehindert, er hat keine natürlichen Feinde und ist ein noch gefährlicherer Räuber als der Fuchs. Er klettert gut und kein Nest ist vor ihm sicher“.

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