Rems-Murr-Kreis Führerscheinprüfung: Immer mehr Fahrschüler fallen durch

Roland Waldmann von der Winterbacher Fahrschule Ostertag. Foto: ZVW/Gaby Schneider

Waiblingen. Immer mehr Fahrschüler fallen bei den Führerscheinprüfungen durch. Warum ist das so? Die theoretischen Prüfungen sind heute komplexer, sagen Fahrlehrer. Sich besser vorzubereiten würde helfen, meint Jochen Klima vom Fahrlehrerverband – und bleibt entspannt: „Ich finde die Entwicklung der Prüfungsquote zwar schlecht, aber es ist besser für die Verkehrssicherheit.“

Für viele Jugendliche ist die Mobilität gerade auf dem Land ein sehr schwieriges Thema: Der Zug hat Verspätung oder fährt gar nicht. Der Bus fährt nur zweimal am Tag. Mama und Papa haben keine Zeit. Junge Erwachsene gewinnen Freiheit, wenn sie endlich alt genug sind, um den Führerschein zu machen.

Doch viele Fahrschüler scheitern bei mindestens einer der beiden Prüfungen – und es werden immer mehr. Überraschenderweise sind die Theorieprüfungen das größere Problem geworden: Der Anteil der Durchfaller stieg stärker an als bei den praktischen Prüfungen.

 

Fahrschüler müssen die Regel dahinter verstehen

Laut Jochen Klima, dem Vorsitzenden des Fahrlehrerverbands Baden-Württemberg, hat das mit Änderungen bei den Theorieprüfungen zu tun. Die Prüfungen seien komplexer geworden.

Früher konnte man die Fragebögen ganz leicht auswendig lernen, da die Bilder immer gleich aussahen und man sich so die richtige Antwort besser merken konnte. Inzwischen generiert der Computer die Bilder. Somit kann man sich zum Beispiel nicht mehr merken, dass bei der Frage mit dem gelben Auto immer diese eine Antwort richtig ist, sondern Fahrschüler müssen die Regel dahinter verstehen.

„Durchfallen ist keine Schande mehr“

Hinzu kommt, dass Fahrschüler früher nach dem dritten Misserfolg zur medizinisch-psychologischen Untersuchung mussten, der im Volksmund als Idiotentest bekannt ist. Heute ist das nicht mehr so. „Durchfallen ist keine Schande mehr“, sagt Jochen Klima, denn solange der Prüfungsanspruch läuft, kann man so oft wiederholen, wie man muss.

„Dann probier ich es halt noch mal“, denken sich viele, davon geht Jochen Klima aus. Aus seiner Sicht nutzt es der Verkehrssicherheit, wenn die Fragen in der Prüfung komplexer sind. Die Jugendlichen müssten nur mehr lernen.

Die Entwicklung der Durchfallquote sei „sehr unterschiedlich"

Der Fahrlehrer Bilal Belten von der Fahrschule One Class in Waiblingen sieht als Erklärung für die höheren Durchfallquoten, dass die Fahrschüler den Führerschein nicht mehr so ernst nehmen. Der Waiblinger Fahrlehrer hat den Eindruck, dass ältere Führerscheinbewerber sich eher der Gefahren bewusst sind als jüngere. Ältere fielen auch nicht so oft durch die Prüfung.

Dem widerspricht Roland Waldmann, Teilhaber der Fahrschule Ostertag aus Winterbach, nur in Teilen. Die Entwicklung der Durchfallquote sei „sehr unterschiedlich.“ Im ländlichen Raum sieht er keinen großen Anstieg. In Stuttgart, wo er einige Zeit Prüfer war, sieht er diese Entwicklung allerdings schon.

In Großstädten sei der Drang nach einem Führerschein nicht so groß

Einer der Gründe ist aus Roland Waldmanns Sicht, dass mehr Menschen aus anderen Ländern die Prüfung absolvieren als früher. Sie müssen ihren Führerschein umschreiben lassen – und dafür eine praktische Prüfung absolvieren. Das bedeutet, dass sie keine Ausbildung brauchen und nicht nachweisen müssen, dass sie eine gewisse Anzahl an zum Beispiel Autobahn- oder Nachtfahrten hatten. Die Prüfung wird zum Problem, wenn die Betreffenden andere Kenntnisse haben und andere Straßen gewohnt sind.

Ein anderer Grund für höhere Durchfallquoten in den Städten sei das Interesse. Genauso wie Bilal Belten beobachtet Roland Waldmann, dass vor allem in Großstädten der Drang nach einem Führerschein nicht so groß sei, da Stadtbewohner ihn nicht so dringend brauchen. Die Jugendlichen aus dem Stuttgarter Raum kommen auch ohne Auto mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut durch die Gegend. In ländlichen Regionen ist der Wille, einen Führerschein zu besitzen, schon eher da.


Zwei Teile:

Bevor sie den ersehnten Führerschein in Händen halten, müssen Fahrschüler zwei Prüfungen bestehen. Zuerst wird das Theoretische geprüft. Dieser Teil findet seit einigen Jahren am PC statt. Dazu gehören neben Bildern und Videos auch Rechenaufgaben zum Beispiel zum Bremsweg.

Erst wenn die Theorieprüfung bestanden ist und ein Schüler genügend Fahrstunden absolviert hat, darf er zur praktischen Prüfung antreten.

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