Rems-Murr-Kreis Go-Ahead startet wohl mit neuen Zügen

Die Flirt-3-Züge von Go-Ahead sind bereits auf Probefahrt durchs Remstal und geben einen Ausblick auf die schöne, neue Bahnwelt, die am 9. Juni mit dem Betreiberwechsel beginnt. Foto: ZVW/Gabriel Habermann

Waiblingen. Sicher ist der Betreiberwechsel. Go-Ahead übernimmt am 9. Juni von der Deutschen Bahn den Zugverkehr auf der Remsbahn. Wie es sich abzeichnet, fährt Go-Ahead ab Pfingstsonntag mit den neuen gelb-weißen Zügen. Danach hatte es in den letzten Wochen nicht ausgeschaut. Aus dem Eisenbahn-Bundesamt gebe es nun Signale, dass nächste Woche die Zulassung für die Stadler-Flirt-3-Züge erfolgen könne.

Der Wechsel von der Deutschen Bahn zu Go-Ahead erfolgt am Pfingstsonntag ohne Tamtam. Kein Pressetermin, keine feierliche Übergabe. Auf der Schiene kommt der 9. Juni jedoch einer Zeitenwende gleich. Vor allem die letzten Jahre waren für viele Fahrgäste eine Qual mit jeder Menge Pleiten, Pech und Pannen in den roten DB-Zügen. Es folgt nun die weiß-gelbe Ära der modernen „bwegt“-Züge. Die Nervosität im baden-württembergischen Verkehrsministerium ist entsprechend groß, dass der Wechsel zu den neuen Betreibern auch klappt.

Für den grünen Verkehrsminister Winfried Hermann ist es so eine Art Meisterstück seiner achtjährigen Amtszeit, das Monopol der Deutschen Bahn beendet und Wettbewerb auf die Schiene gebracht zu haben. Der Stolz über den eingeleiteten Betreiberwechsel war Hermann bei einem Gespräch im Stuttgarter Ministerium genauso anzumerken wie die Sorge, dass der Start trotz des langen Vorlaufs schiefgehen könnte. Er habe lernen müssen, beim Schienenverkehr Geduld zu üben, räumte er ein. Druck führe bloß zu Chaos.

Eisenbahn-Bundesamt gibt wohl grünes Licht für den Flirt 3

Denn nicht nur auf der Remsbahn wechselt am 9. Juni der Betreiber, sondern im gesamten „Stuttgarter Netz“, das von Ulm bis Würzburg, von Tübingen bis Mannheim und von Karlsruhe bis Crailsheim reicht. Abellio, das die Strecken Stuttgart-Heidelberg, Stuttgart-Heilbronn–Mannheim/Osterburken und Stuttgart-Tübingen übernimmt, steht nämlich am Pfingstsonntag ohne neue Fahrzeuge vom Typ Talent 2 des Herstellers Bombardier da und muss zum Teil mit alten DB-Zügen an den Start.


  • Wird der Wechsel reibungslos funktionieren? Ist damit das jahrelange Chaos mit Zugausfällen und überfüllten Waggons auf dieser Strecke vorbei? Darüber spricht Liviana Jansen mit unserem Verkehrsexperten Martin Winterling in unserer neuen Podcast-Folge.

Auch Go-Ahead, ab 9. Juni Betreiber der Strecken Stuttgart-Aalen-Crailsheim und Stuttgart-Karlsruhe, droht der Plan B, nämlich mit alten, geliehenen Zügen an den Start gehen zu müssen. Wie berichtet, liegt für die Flirt (Flinker Leichter Intercity- und Regional-Triebzug)-3-Züge von Stadler noch keine Zulassung vor, wie die Pressestelle des Eisenbahn-Bundesamtes auf Anfrage bestätigte. „Das Zulassungsverfahren für die 3- und 4-teiligen Züge ist noch nicht abgeschlossen“, teilt das EBA mit. Für die 5- und 6-teiligen Züge liegt dem EBA seit wenigen Tagen eine Dokumentation vor. Sie werde aktuell geprüft. „Wir bitten um Verständnis, wenn wir zum Zeitplan keine Prognose abgeben können und regen an, zu dieser Frage gegebenenfalls den Hersteller zu kontaktieren.“

„Ich bin zuversichtlich, dass Ende Mai ein Haken dran ist“

Am Mittwochabend gaben sowohl das baden-württembergische Verkehrsministerium wie auch Go-Ahead-Geschäftsleiter Hans-Peter Sienknecht Entwarnung: „Ich bin zuversichtlich, dass Ende Mai ein Haken dran ist.“ Bei Gesprächen in dieser Woche habe das EBA Signale gesandt, dass die Zulassung für die drei- und vierteiligen Züge der Remsbahn in der nächsten Woche erfolgt; und auch für die längeren Züge auf der Strecke Stuttgart-Karlsruhe gebe es Zeichen, dass das EBA sie rechtzeitig vor dem 9. Juni zulasse.

Das bedeutet für die Fahrgäste, dass ab Pfingsten moderne Züge unterwegs sind, die vom Land für Milliarden gekauft und an die neuen Betreiber verpachtet werden. Die einheitlich gelbweißen „bwegt“-Züge sind kein Vergleich zu den alten, rot angemalten Silberlingen oder den jetzigen Doppelstock-Wagen der Bahn. Die Ausschreibung des Landes sah vor, dass die Züge barrierefrei sind, dass es ein Fahrgastinformationssystem im Zug gibt, WLAN, Toiletten und Klimaanlage.

Für Kinderwagen und Fahrräder gibt es viel Platz. Ein Wermutstropfen ist, dass die neuen Züge weniger Sitzplätze bieten als die alten. Dafür wird die Remsbahn künftig im Halbstundentakt bedient, so dass sich die Fahrgäste auf zwei Züge verteilen. In den Hauptverkehrszeiten morgens und abends sind künftig übrigens längere Züge unterwegs als in den wenig frequentierten Zwischenzeiten.


Aalen-Karlsruhe - ohne Umsteigen

Von Pfingsten an ist die Direktfahrt von Aalen über Stuttgart nach Karlsruhe möglich – ohne Umsteigen. Die im zweistündigen Takt verkehrenden Go-Ahead-Züge machen die Durchbindung möglich. Auch auf anderen Strecken im Land werden mit dem Betreiberwechsel neue Direktverbindungen möglich. Die Strecke Karlsruhe-Stuttgart-Aalen wird im Stundentakt bedient, und zwar abwechselnd von IRE-Direktzügen von Go-Ahead und IC-Zügen der Deutschen Bahn – mit Umstieg.

Die sogenannten Durchbindungen im Regionalverkehr sind bei den Schlichtungsgesprächen für den Stuttgarter Tiefbahnhof von den S-21-Befürwortern einst als ein großes Plus gepriesen worden. Solche Durchbindungen sind, wie das Beispiel Aalen-Stuttgart-Karlsruhe zeigt, auch mit dem heutigen Kopfbahnhof möglich und werden ab 2020 bei Tübingen-Stuttgart-Heilbronn auch Realität.

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