Rems-Murr-Kreis Jeder Vierte führt einen Rechtsstreit

Symbolbild. Foto: pixabay.com, Lizenz: Public Domain CC0

Rems-Murr-Kreis.
Wo wohnt man am teuersten? Wer shoppt am meisten Klamotten? Und in welcher Stadt schläft man eigentlich am längsten? Städte- und Landkreisrankings sind im Trend und zum Jahreswechsel besonders beliebt. In allen erdenklichen Lebensbereichen wird gemessen und verglichen.

Anwalts Liebling nimmt logischerweise die Streitkultur unter die Lupe. Die Generali Deutschland gibt auf Basis der Daten ihres Rechtsschutzversicherers Advocard alle zwei Jahre Zahlen und Fakten preis, wie in der Bundesrepublik gestritten wird. „Deutschlands großer Streitatlas 2019“ offenbart: Durchschnittlich war 2018 mehr als jeder vierte Einwohner im Rems-Murr-Kreis in einen Rechtsstreit verwickelt.

Mit 25,6 Streitfällen pro 100 Einwohnern liegt der Rems-Murr-Kreis damit etwas über dem bundesdeutschen Durchschnitt (24,7 Streitfälle pro 100 Einwohnern). Allerdings geht es friedlicher zu als im benachbarten Kreis Ludwigsburg, in dem mit 28,1 Streitfällen pro 100 Einwohner ein besonders hoher Wert erreicht wird.

Harmonischer lebt es sich dagegen im Kreis Schwäbisch-Hall. Mit nur 21,2 Streitfällen pro 100 Einwohnern liegt der Landkreis deutlich unter dem bundesweiten Durchschnitt. Generell wird in eher ländlichen Regionen weniger gestritten als in dicht besiedelten Gegenden: Am meisten gestritten wird in Deutschland in den Ballungsräumen Nord- und Westdeutschlands. Wo viele Menschen leben, gibt es auch viel Konfliktpotenzial – besonders streitlustig sind die Stadtstaaten Berlin (29,2) und Hamburg (28,8) sowie das bevölkerungsreichste Flächenland Nordrhein-Westfalen (28,2). Die meisten Streithammel leben in Köln (32,2).

Worüber streiten die Deutschen?

Doch worüber herrscht eigentlich Uneinigkeit? Die meisten Konflikte werden im Privat- und Strafrecht ausgetragen: 38,4 Prozent aller Streitfälle drehen sich um unterschiedlichste Gegenstände aus dieser Rubrik und reichen von Zoff ums Erbe über Familienangelegenheiten bis zu Reisemängeln. Im Rems-Murr-Kreis machen Privatangelegenheiten sogar 40,3 Prozent aller Streitigkeiten aus, gefolgt von Verkehrsstreitigkeiten (27,8 Prozent). Zum Vergleich: Bundesweit drehen sich im Land der Autofahrer und Autoliebhaber 26 Prozent aller Streits um das Thema Straßenverkehr und Mobilität.

Mehr als jeder Vierte streitet wegen vermeintlich ungerechtfertigtem Blitzen oder zu hohem Tempo. Weitere Streitgründe sind Verkehrsunfälle (23 Prozent) und Auseinandersetzungen wegen Mängeln beim neuen Fahrzeug (10 Prozent), wobei der Dieselskandal eine entscheidende Rolle spielt.

Während bundesweit das Arbeitsumfeld (13,1 Prozent) den dritten Platz der Streithitliste belegt, sind es im Rems-Murr-Kreis die Themen Wohnen und Mieten (13,1 Prozent). Bundesweit landen diese auf Platz vier (11,3 Prozent). Platz fünf: Behörden und Finanzen (7,3 Prozent).

Im aktuellen Streitatlas fällt besonders die zunehmende Dauer der Streitfälle auf. Fast die Hälfte (48 Prozent) dauert zwölf Monate und länger. Im Vergleich zur letzten Erhebung der Generali 2017 haben die langwierigen Auseinandersetzungen um 4,5 Prozent zugenommen. Dies liegt vor allem mit der Langwierigkeit von Gerichtsprozessen zusammen, die aufgrund vieler beteiligter Akteure und rechtlicher Handlungsoptionen, wie dem Gang durch mehrere Instanzen, länger dauern können. Von diesen Möglichkeiten wird auch immer mehr Gebrauch gemacht.

Immer länger, immer teurer

Was lange dauert, wird auch immer teurer. Bei jedem zehnten Streit (10,8 Prozent) liegt laut Streitatlas der Streitwert bei mehr als 10 000 Euro. Auch im Rems-Murr-Kreis übersteigen 9,3 Prozent aller Streitfälle diesen Wert.

Ein Rollenklischee bestätigt der Streitatlas übrigens auch: Generell werden rund zwei Drittel aller Streitigkeiten von Männern ausgetragen (66,5 Prozent), Frauen sind lediglich mit 33,5 Prozent in Auseinandersetzungen verwickelt. Männer regen sich vor allem auf, wenn es um Verkehr und Mobilität geht. Frauen hingegen streiten meist über Privatangelegenheiten (40 Prozent versus 37,6 Prozent der Männer).

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