Rems-Murr-Kreis Kita-Gebühren: Was hinter dem Gratis-August steckt

Symbolbild. Foto: Pixabay / Design_Miss_C (CCO Public Domain)

Weinstadt.
Hat unsere Zeitung die Stadt Weinstadt ungerecht behandelt? Anfang November haben wir die monatlichen Kita-Elternbeiträge von sieben Kommunen im Kreis verglichen – und da zeigte sich, dass Weinstadt ziemlich teuer ist. Danach ärgerten sich OB Michael Scharmann und Teile des Gemeinderats. Sie verwiesen darauf, dass bei ihnen der August für die Eltern kostenlos ist – und sie unter Einberechnung dieses Umstands besser dastehen würden. Wir haben deshalb die Gebühren für ein ganzes Jahr verglichen. Dabei zeigt sich: Die Weinstädter Kitas sind immer noch teuer. Es gibt nur einen Marketingvorteil für die Stadt: Wer die Gebühren für elf Monate statt zwölf berechnet, gibt den Eltern den Eindruck, dass ihnen etwas geschenkt wird – mehr nicht.

„Nur eine Umrechnung und ein psychologischer Faktor“

Der Waiblinger Oberbürgermeister Andreas Hesky hat dafür das passende Wort: Milchmädchenrechnung. Seine Stadt gehört mit Schorndorf, Fellbach und Kernen zu jenen Kommunen in unserem Vergleich, in denen die Eltern für zwölf Monate zahlen müssen. In Korb, Winnenden und Weinstadt wird im August kein Beitrag erhoben. Hesky bezieht seine Aussage auf Zahlen des Städtetags und des Gemeindetags. „Dort ist zu erkennen, dass die 11-Monats-Erhebungsweise nur eine Umrechnung und ein psychologischer Faktor ist.“

In Waiblingen sind die Kitas in den Sommerferien auch nicht durchgängig geschlossen. Die eine Hälfte hat in den ersten drei Sommerferienwochen nicht geöffnet, die andere in den letzten drei. Hesky gibt zu bedenken, dass das Personal auch in den Ferien bezahlt wird und die weiteren Betriebskosten trotzdem anfallen. Üblicherweise ist der Gratis-Monat laut Hesky eher in kleinen Städten und Gemeinden und im ländlichen Raum anzutreffen. „Häufig wollte man sich einfach die Nachfragen oder Beschwerden der Eltern ersparen, warum man in den Kita-Sommerferien Gebühren bezahlen soll.“

Die Stadt Fellbach hat sich ebenfalls für zwölf Monatsbeiträge entschieden. Pressesprecher Frank Knopp betont, dass bei nur elf Monatsbeiträgen die Monatsgebühren entsprechend höher sein müssten. Wie in Waiblingen sind im August die Kitas auch nicht komplett geschlossen. Einige Einrichtungen nehmen neue Kinder auch bereits Mitte August auf. Wenn Eltern dann keine Gebühr für den halben Monat zahlen müssten, nur weil der August generell gebührenfrei ist, wäre das aus Knopps Sicht eine Ungleichbehandlung gegenüber anderen Eltern, die etwa im September anfangen.

„Würde die Stadt Schorndorf die Gebühren nur für elf Monate erheben, würde der zwölfte Monat auf die elf Monate umgelegt werden, so dass jeder Monat dadurch teurer würde“, sagt Markus Weiß, Fachbereichsleiter für die Kindertagesstätten in Schorndorf. Dazu kommt: Einige Kitas haben ihre Schließzeiten auch erst im September. Claudia Bubeck von der Gemeinde Kernen begründet den Verzicht auf den Gratis-August ebenfalls damit, dass auch im August Personal- und Sachkosten anfallen.

Fazit: Korb und Weinstadt, die beide im August keinen Elternbeitrag für die Kita erheben, gehören trotzdem zu den teuersten Kommunen in unserem Vergleich. Dazu gesellt sich Schorndorf, wo die Eltern für zwölf Monate zahlen. Am preiswertesten bleibt Waiblingen, egal ob beim Vergleich der Monats- oder der Jahresgebühr.

  • Bewertung
    2
Der ZVW Morgen-Newsletter

Gut informiert in den Tag starten. Einfach kostenlos anmelden.

Heute in Ihrer Tageszeitung

  • Waiblinger Kreiszeitung
  • Schorndorfer Nachrichten
  • Winnender Zeitung
  • Welzheimer Zeitung
Lust auf mehr?

Lesen Sie Ihre Zeitung immer und überall digital: Hier ePAPER-Angebote entdecken!