Rems-Murr-Kreis Kleine Buchhandlungen trotzen dem Trend

Gudrun Lack in ihrer Buchhandlung in Fellbach. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Fellbach. Viele kleine Buchhändler mussten aufgeben. Nur wenige Läden halten dem Wandel in der Branche tapfer stand. Sie setzen auf persönliche Beratung, lokale Veranstaltungen, Leseförderung – und Online-Shops oder Bestellung per Whatsapp. Auf diese Weise können Kunden in der Buchhandlung stöbern wie früher und dennoch die Vorteile des Internets nutzen.

„Bücher waren schon immer mein Traum“, sagt Gudrun Lack, Besitzerin der Buchhandlung Bücher-Lack. Seit 33 Jahren hat ihre kleine Buchhandlung denselben Sitz im Fellbacher Zentrum. Gemeinsam mit ihren vier Angestellten berät sie ihre Kunden. Im Team wählen sie die Bücher aus, die in dem kleinen Laden angeboten werden. Ausgesucht wird unter anderem nach eigenen Vorlieben, den Interessen der Stammkunden und auch gesellschaftlichen Trends. Das Thema Klimawandel steht zurzeit hoch im Kurs: „Das, was der Kunde online sieht, daran hat er auch Interesse.“

Trotz enger Kundenbindung und vielen Stammkunden spürt Gudrun Lack natürlich die Konkurrenz der Internetkonzerne und Handelsketten. Sie hält mit persönlicher Beratung dagegen; „viele kaufen bewusst bei uns“.

Gudrun Lack hat früh gemerkt, dass sie einen Online-Shop braucht. Schon sehr lange bietet sie diesen Dienst an. Dennoch „wollen viele wenigstens beim Abholen schauen, was es Neues gibt“. Das sieht sie als Chance.

Ein Vorteil der kleinen Läden: Die soziale Komponente

Auch Markus Schneider, der 2017 erst eine zweite Filiale seiner Buchhandlung Taube in Waiblingen eröffnete und dieses Jahr für den Deutschen Buchhandlungspreis nominiert ist, bietet seinen Kunden auch einen Onlineshop. „Nahezu jeder Bücherladen hat inzwischen einen Online-Shop“, erklärt er. „Es ist wie in jeder Branche: Wenn das Einkaufsverhalten sich ändert, muss man sich auch verändern.“

Für Markus Schneider geht es bei einem Buchladen nicht nur darum, „den neusten Bestseller über den Tisch ziehen zu lassen“. Ihm geht es, wie er sagt, vor allem um die soziale Komponente. So veranstaltet er nicht nur Lesungen, Buchvorstellungen und Kochevents, bei denen Köche Einblicke in das Entstehen von Kochbüchern geben, sondern er ist auch Teil der Aktion „Waiblingen liest“, welche die Stadtbücherei Waiblingen gemeinsam mit den beiden Waiblinger Buchhandlungen Taube und Osiander und der Volkshochschule veranstaltet. Alle Teilnehmer dieser Aktion lesen über den Sommer hinweg das Buch „Der kleine Prinz“ von Antoine de Saint-Exupéry. Ziel ist es, das „soziale Miteinander“ zu stärken.

"Das Größte ist, wenn ein Kind wiederkommt"

Markus Schneider und Gudrun Lack eint, dass sie sich beide sehr stark für die Nachwuchsförderung einsetzen. Während Markus Schneider nicht nur ausbildet, in Schulen aktiv ist und dort Büchertische und Bücherkoffer anbietet, engagiert sich Gudrun Lack ebenfalls in der Leseförderung und hat eine Lesescout-Aktion: Ausgewählte Kinder lesen vorab noch nicht erschienene Bücher und füllen dazu einen Fragebogen aus. Anhand dessen orientiert sich die Buchhandlung Lack beim Einkauf der Bücher. „Das Größte ist, wenn ein Kind wiederkommt“, sagt Gudrun Lack.

Etwas sorgenvoll blickt Margit Gerold in die Zukunft. Ihr gehört die Murrhardter Buchhandlung Franke. Sie übernahm das Büchergeschäft 2005 und sagt selbst, dass sie „gerade so über die Runden kommt“. Sie wollte zwar schon immer eine Buchhandlung aufmachen, hätte aber nie gedacht, dass sie „so viel Zeit mit dem Taschenrechner verbringen“ müsse und „sich kaum keine Altersvorsorge“ leisten könne.

Passanten für die Nöte der Branche sensibilisieren

Sie hat zwar den Eindruck, dass es besser wird. Um neue Vertriebswege kommt sie dennoch nicht herum. Sie nimmt Bestellungen per Whatsapp an, und „wenn es mal wirklich schlecht läuft“, fordert sie Passanten mittels Schildern im Schaufenster dazu auf, den lokalen Buchhandel zu unterstützen. „Die Leute werden wacher“, beobachtet Margit Gerold. Genauso wie Gudrun Lack merkt sie, dass mehr Menschen die persönliche Beratung schätzen und deshalb in ihr kleines Geschäft kommen: „Viele Menschen kommen auch einfach gerne zum Schwätzen“, sagt Margit Gerold.

Ein Tourist, der in der Murrhardter Buchhandlung herumschnuppert, fasst es gut zusammen: „Ich suche extra diese kleinen Buchhandlungen im Urlaub. Hier finde ich von allem etwas.“


Buchhandlungen

Laut dem Börsenverein des Deutschen Buchhandels gibt es bundesweit rund 6000 Buchhandlungen inklusive Filialen und Buchverkaufsstellen – „von der Kleinstadtbuchhandlung bis zum Buchkaufhaus, von der literarischen Buchhandlung bis zum hoch spezialisierten Fachsortiment für Recht, Wirtschaft, Steuern“, wie der Börsenverein schreibt.

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