Rems-Murr-Kreis Lärmende Uralt-Flieger meiden jetzt das Remstal

Nein, das ist keine Antonov AN 12B Das ist nur ein Symbolbild. Ja, es ist eine Antonov, aber fragen Sie bitte nicht, welche. Foto: Pixabay.

Waiblingen. Fast täglich lärmten sie im vergangenen Herbst so laut über dem Remstal, dass Claus Paal, CDU-Landtagsabgeordneter aus Weinstadt, von vielen angesprochen wurde: Was macht abends gegen 22 Uhr so einen Krach? Die schuldigen Uralt-Flieger, Frachtflugzeuge des Typs Antonov, stören inzwischen nicht mehr – die Route wurde geändert. Doch abgeschafft sind die Flüge nicht. Soll das die Lösung sein?

Die Remstäler können sich freuen: Querten im vergangenen Herbst noch fast allabendlich in großer Höhe uralte Frachtflugzeuge im Auftrag der Bundeswehr den Remstäler Himmel, ist’s inzwischen still geworden. All jene Gegenden, in denen die Presse kritisch über die Flüge berichtete, werden von den einst von der Bildzeitung als „Russenschrott“ betitelten Antonovs inzwischen weiträumig umflogen. Doch wo sind sie hin, fragte sich der CDU-Landtagsabgeordnete Claus Paal, der im vergangenen Jahr beim Verteidigungsministerium sehr kritisch anfragte, weshalb die Bundeswehr so alte, durch Ausfälle, Abstürze, Brandkatastrophen und Abgase jenseits aller Normen bekannt gewordene Flieger für die UN-Mission in Mali nützt.

Zur Erinnerung: Die Bundeswehr flog die Antonovs mit der Typenbezeichnung AN 12B nicht selbst, sondern ließ fliegen. Und zwar durch einen Subsubunternehmer. Die Bundeswehr hatte die Versorgungsflüge an die DB Schenker, eine Tochter der Deutschen Bahn, weitergereicht, die ihrerseits die ukrainische Charter-Airline Cavok Air damit beauftragte, das von den Soldaten benötigte Material zu transportieren. Und diese Airline flog von Leipzig die kürzeste Strecke, nämlich über Leutenbach, Winnenden, Korb und Weinstadt und Rommelshausen bis weiter nach Ghardaia in Algerien.

„Lärm nicht hinnehmbar“, „Fluggerät nicht zeitgemäß“

Claus Paal regte damals an, „Ersatz zu suchen“. Er sagte, der Lärm sei „nicht hinnehmbar“, die Rußwolken „nicht zu rechtfertigen“, das Fluggerät sei „nicht zeitgemäß“ und gehöre „aus dem Verkehr gezogen“. Und Claus Paal wandte sich an die Presse (wir berichteten am 7. September 2018). Die Pressestelle des Bundesverteidigungsministeriums erklärte damals auf Anfrage: Die Logistik der Bundeswehr nutze die Kapazitäten des freien Marktes, die Routen, die Transportmittel, Zwischenstopps und Landungen planten die zivilen Unternehmen. Sprich: Die Bundeswehr sah sich in Bezug auf Lärm, Umweltverschmutzung und Sicherheit nicht in der Verantwortung.

In Thüringen und im Züricher Raum hatten die Zeitungen auch berichtet. Und jetzt?

„Auffälligerweise“, vermeldet Claus Paal, würden jetzt die Gebiete gemieden, in denen der Fluglärm auf Widerstand gestoßen und in den Medien thematisiert worden war. Cavok Air schickt zwar immer noch die alten Antonovs auf die Strecke, doch die Route führt jetzt viel weiter östlich entlang der deutsch-tschechischen Grenze und an München vorbei. Claus Paal hat’s wieder recherchiert, weil es ihm irgendwie so ruhig war am heimischen Himmel. Geholfen hat, wie beim letzten Mal, jene Handy-App, die den Himmel über der Welt beobachtet und Startplatz, Zielort, Flugzeugmarke und Fluggesellschaft eines jeden Fliegers benennt.

Wer hier, um weiteren Ärger zu vermeiden, den auffälligen Umweg beschlossen hat, lässt sich nicht sagen. Allerdings mutet es unwahrscheinlich an, dass sich eine ukrainische Fluggesellschaft um lärmgeplagte Remstäler sorgt. Hat womöglich doch irgendwer bei der Bundeswehr beschlossen, dass Missmut an der tschechischen Grenze weniger schwerwiegende Folgen haben könnte als der Widerstand mitten im eigenen Land? Spekulationen. Eine Stellungnahme war bislang nicht zu bekommen.

Erstklassige Sicherheitsstandards?

Claus Paal will dennoch nicht locker assen. Schließlich hat sich ja grundsätzlich nichts am Problem geändert. Er will auch wieder das Logistikunternehmen DB Schenker auf seine Verantwortung hinweisen. DB Schenker wirbt im Übrigen auf seiner Homepage mit „erstklassigen Sicherheitsstandards“ und bindet auch die Subunternehmer in dieses Versprechen mit ein: „DB Schenker und unsere Partner handeln nach globalen, regionalen und lokalen Sicherheitsstandards und -vorschriften.“ Dazu zu wissen, dass die Antonovs aus sicherheitstechnischen Gründen seit März 2010 die Vereinigten Arabischen Emirate nicht mehr überfliegen dürfen, ist sicherlich interessant. Doch Paals Schreiben an das Logistikunternehmen Schenker im Oktober 2018, in dem er anregte, Ersatz für die Antonovs zu suchen – „ich bin der Meinung, dass solches Fluggerät nicht zeitgemäß ist und so schnell wie möglich aus dem Verkehr gezogen werden muss“ –, blieb bislang unbeantwortet.

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