Rems-Murr-Kreis Ministerium: Unfallexperten sollen schneller vor Ort sein

Erst knapp zwei Stunden nach dem Tod des Fahrers am 10. Dezember 2018 trafen Experten der Verkehrspolizei in Rommelshausen ein. Foto: Benjamin Beytekin

Waiblingen. Ein furchtbares Vorkommnis wie dieses soll sich nicht wiederholen: Ein 28-jähriger Mann ist Mitte Dezember bei einem Unfall in Rommelshausen gestorben – und es dauerte fast zwei Stunden, bis die Spezialisten von der Verkehrspolizeidirektion eintrafen. Das Innenministerium hat jetzt versprochen, die Abläufe zu verändern, damit Unfallexperten schneller vor Ort sind.

Ein Notarzt konnte seinerzeit dem 28-Jährigen nicht mehr helfen. Der Mann starb am späten Montagabend, 10. Dezember 2018. Er war nicht angeschnallt gewesen und mit seinem Golf mit hoher Geschwindigkeit von Fellbach nach Rommelshausen gefahren. Am Ortseingang Rommelshausen raste der Mann mit seinem Auto gegen einen in einer Haltebucht abgestellten Kipper.

Schnell war klar, dass der junge Mann den Unfall vielleicht absichtlich verursacht hatte.

Aber darum geht es letztlich nicht im Drama, das dieser Tragödie folgte. Bereits fünf Minuten, nachdem ein Notruf bei der Polizei eingegangen war, war eine Streife vor Ort. Fünf Minuten später traf die Feuerwehr ein. Der Fahrer im Golf war tot.

Mehr als 80 Kilometer Anfahrtsweg für Experten des Verkehrsdienstes

Und nun mussten alle Einsatzkräfte am Unfallort sehr lange warten. Denn die im Zuge der Polizeireform 2014 beschlossenen Regeln sehen vor, dass sich um schwere Unfälle mit Todesfolge der rund um die Uhr besetzte Verkehrsunfalldienst mit Sitz in Kirchberg an der Jagst kümmern muss – zumindest außerhalb der Dienstzeiten der Verkehrskommissariate in Aalen und in Backnang. Von Kirchberg/Jagst bis nach Rommelshausen sind es mehr als 80 Kilometer.

Der Winnender CDU-Landtagsabgeordnete Siegfried Lorek bezeichnet die bisherige Vorgehensweise bei der Unfallaufnahme als „desaströs“. Er hat das Innenministerium auf die Zustände aufmerksam gemacht, eine Kleine Anfrage verfasst – und nun die Zusage erhalten, dass es organisatorische Veränderungen geben wird, damit die Unfallaufnahme schneller vonstattengeht.

Einsatzkräfte mussen viel aushalten - und dann noch warten

Einsatzkräften wird bei solchen Unfällen ohnehin viel abverlangt. Müssen sie stundenlang ausharren neben einem Unfallwagen, in dem ein verstorbener Mensch eingeklemmt ist, dürfte das selbst hartgesottene Leute an ihre Grenzen bringen. Es könnten gar Angehörige am Ort des Geschehens auftauchen – heute verbreiten sich Nachrichten und Fotos über Unfälle sehr schnell.

Es wird nun bereits zum 1. Juli eine verkehrspolizeiliche Nachtstreife eingerichtet, welche sich um die Aufnahme schwerer Verkehrsunfälle kümmern wird, verspricht Julian Würtenberger, Staatssekretär im Innenministerium. Die Nachtstreife operiert von Backnang oder Aalen aus: Es kann also weiterhin zu längeren Anfahrtszeiten kommen. Deshalb steht eine weitere Neuerung an: Sollten Spezialisten aus dem Polizeipräsidium Aalen nicht schnell genug vor Ort sein können, könnten Kollegen vom Polizeipräsidium Stuttgart aushelfen – diesen Vorschlag Loreks greift das Ministerium nun auf.

Zum 1. Januar 2020 erhalten die Reviere mehr Kompetenzen

Lorek zeigt sich erleichtert, dass sich „nun etwas bewegt“. In seiner Kleinen Anfrage hatte er um detaillierte Infos gebeten zu den Vorgängen am 10. Dezember in Rommelshausen. Demnach ist der Notruf bei der Polizei um 23.13 Uhr eingegangen. Das Verkehrskommissariat Backnang wurde um 23.39 Uhr informiert – aber es war nicht möglich, von dort jemanden nach Rommelshausen zu beordern, weil das Verkehrskommissariat nicht rund um die Uhr besetzt ist. Drei Minuten vor Mitternacht wurde dann die Dienstgruppe in Kirchberg/Jagst beauftragt, sich um die Unfallaufnahme zu kümmern. Zehn Minuten nach Mitternacht fuhr dort eine Streife los. Sie traf um 1.04 Uhr in Rommelshausen ein – zu diesem Zeitpunkt war der 28-Jährige bereits seit rund zwei Stunden tot. Um kurz nach zwei Uhr in der Nacht konnte ein Bestatter den Toten bergen. Um vier Uhr war die Unfallstelle geräumt. Erst jetzt konnte die Feuerwehr, die zuvor den Ort des Geschehens beleuchtet hatte, abrücken.

Zum 1. Januar kommenden Jahres tritt die Polizeistrukturreform 2020 in Kraft. „Eine weitere Entspannung der Situation im Rems-Murr-Kreis“ ist dann zu erwarten, kündigt Julian Würtenberger an. Dann werden die Polizeireviere sich um „einfach gelagerte Verkehrsunfälle“ kümmern, auch dann, wenn Menschen bei diesen Unfällen gestorben sind oder schwer verletzt wurden.

"Kommunikations- und Unterrichtungsfehler"

Dass es in Rommelshausen so unerträglich lange gedauert hat, bis Spezialisten der Verkehrspolizei vor Ort waren, hat nicht allein mit dem langen Anfahrtsweg von Kirchberg/Jagst aus zu tun, wie es in der Antwort des Innenministeriums auf Siegfried Loreks Anfrage heißt. Das Führungs- und Lagezentrum hätte sofort die Kollegen in Kirchberg/Jagst informieren müssen, heißt es dort: „Im Ergebnis sind für diese überlange Gesamteinsatzdauer in erster Linie Kommunikations- und Unterrichtungsfehler im Einsatzmanagement ursächlich gewesen.“

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