Rems-Murr-Kreis Motorradfahrern droht schärfere Überwachung

Polizei und Landratsamt wollen in diesem Jahr die Kontrollen verstärken. Im Visier sind vor allem zu laute Motorräder. Foto: Alexander Becher (Archiv)

Waiblingen. Polizei und Landratsamt sagen dem Motorradlärm den Kampf an. Lauten Bikern droht eine „Gelbe Karte“. Uneinsichtige Raser auf zwei Rädern sollen zudem mit der Auflage, ein Fahrtenbuch führen zu müssen, zur Räson gebracht werden. Ordnungsamtsleiter Roman Böhnke stellte im Verkehrsausschuss des Kreistages die „Konzeption zur Erhöhung der Verkehrssicherheit und Verminderung der Lärmbelästigung“ vor.

Das warme, sonnige Wetter wird über Ostern wieder zahlreiche Motorradfahrer auf die kurvigen Straßen in den Schwäbischen Wald oder auf den Schurwald locken. Die lärmgeplagten Anwohner der beliebten Bikerstrecken legen sich indes besser schon einmal ihre Ohrenstöpsel zurecht. Frei nach Wilhelm Busch wird Motorradfahren oft nicht schön gefunden, weil es stets mit Lärm verbunden.

Streckensperrungen sind Schreckgespenst für Biker

Sieben Hotspots haben die Vereinigten Arbeitskreise gegen Motorradlärm im Rems-Murr-Kreis ausgemacht. Die Initiative kämpft gegen den Krach aus Auspuffrohren. Selbst die Zeitschrift „Motorrad“ appellierte im vergangenen Jahr an ihre Leser, doch bitte mehr Rücksicht auf Anwohner zu nehmen. „Dass manipulierte oder gar leer geräumte Auspufftüten nicht auf die Straße gehören, daran besteht kein Zweifel“, distanzierte sich „Motorrad“ von den „Krawallos“ auf zwei Rädern. Streckensperrungen sind zwar aktuell im Landkreis keine geplant, sind aber das Schreckgespenst für viele Motorradfahrer.

Immer wieder gehen Raser und Krawallmacher ins Netz

Die Krawallos sollen künftig schärfer überwacht werden, kündigte Roman Böhnke, Leiter des Ordnungsamtes im Landratsamt Rems-Murr, ein ganzes Maßnahmenbündel an. So will das Landratsamt mehr gemeinsame Kontrollen mit der Polizei durchführen. Im vergangenen Jahr war bei der Polizei das Personal knapp, so dass das Polizeipräsidium bei Kontrollen kürzertreten musste. Das Messteam des Landratsamtsamtes kontrolliert die Geschwindigkeit, die Polizei kann Verkehrssünder anhalten und gegebenenfalls die beanstandeten Fahrzeuge aus dem Verkehr ziehen. Immer wieder gehen den Kontrolleuren Raser und Krawallmacher ins Netz. Jedoch erweisen sich die Biker oft besser als ihr Ruf, hieß es nach einer Tempokontrolle im Sommer 2018 bei Alfdorf, bei der lediglich Autofahrer zu schnell unterwegs waren.

Aktion "Gelbe Karte"

Ein Dauerärgernis für Anwohner der Hotspots wie in Weinstadt-Schnait, Schorndorf-Schlichten oder Kernen-Stetten sind die Krawallos. Biker, deren Motorräder zu laut sind, sollen mit der Aktion „Gelbe Karte“ zur Räson gebracht werden. Rein rechtlich handelt es sich um ein sogenanntes Gefährderanschreiben, mit dem das Landratsamt den auffälligen Fahrer darauf aufmerksam macht, dass sein Führerschein in Gefahr ist.

Fahrtenbuch-Auflagen sind wirksam

Als ausgesprochen wirksam haben sich Fahrtenbuch-Auflagen erwiesen, sagte Roman Böhnke. Gerät ein Biker in eine Radarfalle und kann aufgrund des Helms nicht identifiziert werden, so kann er darauf hoffen, ohne Bußgeld oder Punkte in Flensburg davonzukommen. Ausgesprochen lästig ist es für diese Motorradfahrer, wenn sie ein Fahrtenbuch führen müssen, um den Fahrer jederzeit feststellen zu können.

Das Landratsamt plant ferner, an den bekannten Hotspots weitere Schilder für Verkehrssicherheit und gegen Motorlärm aufzustellen. Als Standorte sind geplant:

  • Ortsausgang Großerlach nach Sulzbach,
  • Kreisverkehr in Kaisersbach-Ebni und am Ortseingang Ebni von Althütte kommend,
  • Ortsausgang Schnait in Richtung Manolzweiler,
  • Abfahrt Esslingen nach Stetten und am Ortsausgang Stetten in Richtung Esslingen.

Rasen ist die Unfallursache Nummer eins bei Motorradunfällen

Die Unfallzahlen mit Motorrädern sind 2018 leicht gestiegen. Im Rems-Murr-Kreis zählte das Polizeipräsidium Aalen 203 (Vorjahr: 191) Unfälle, bei denen vier (4) Personen ums Leben kamen. Rund die Hälfte der Unfälle (245) hatten die Biker selbst verursacht. Hauptunfallursache war „Geschwindigkeit“ (61 Prozent) gefolgt von „Abstand“ (13 Prozent) und „Überholen“ (elf Prozent).

Der Verkehrsclub ACE rät Bikern zum Saisonstart, auf ihre körperliche und geistige Fitness zu achten. Eine lange Winterpause ohne körperliche Ertüchtigung beispielsweise könne dazu führen, dass Biker auf anspruchsvollen Motorradstrecken plötzlich anfangen zu schwächeln. Auch habe der Winter den Straßen zugesetzt, warnt der ACE: „Es besteht erhöhte Gefahr von Schlaglöchern.“ Beispielsweise könne auch der von den Winterdiensten stammende Rollsplitt den Motorradfahrern schnell zum Verhängnis werden.


Keine neuen Radarfallen

In Sachen Geschwindigkeitskontrollen auf den Straßen will das Landratsamt Rems-Murr keine neuen Radarfallen anschaffen. Geprüft werden soll jedoch die Anschaffung eines „semiortsfesten Messanhängers“, wie er bis vor kurzem am Neckartor in Stuttgart stand. Dabei handelt es sich um eine mobile Radaranlage, die über längere Zeit und ohne Personal an einem Ort aufgestellt werden kann.

Zuständig ist das Landratsamt für Tempokontrollen in 17 Kommunen im Rems-Murr-Kreis, darunter in Alfdorf, Berglen, Kaisersbach, Kernen, Korb, Leutenbach, Plüderhausen, Rudersberg, Schwaikheim, Urbach, Welzheim und Winterbach.

Derzeit sind für diese Städte und Gemeinden zwei Messfahrzeuge, zwei mobile Geschwindigkeitsmessanlagen sowie zwei stationäre Messanlagen in Remshalden in Betrieb. Tempokontrollen finden statt aufgrund von Meldungen durch Gemeinden und durch Bürger sowie an Unfallschwerpunkten, die die Polizei mitteilt, und in der Nähe von Schulen, Kindergärten und Altenheimen.

Der Erfolg einer Radarkontrolle ist messbar, erklärte Ordnungsamtsleiter Roman Böhnke. Bei erneuten Messungen nach kürzerer Zeit gehen die Überschreitungsquoten deutlich zurück. „Da wenig neue Messpunkte möglich sind und die vorhandenen in ausreichender Frequenz angefahren werden können, ist die Anschaffung weiterer Messgeräte nicht sinnvoll.“

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