Rems-Murr-Kreis Polizei blickt gelassen auf Halloween

Halloween-Bräuche wie das Süßigkeiten-Einsammeln an Haustüren ist in den USA immer noch viel verbreiteter als in Deutschland. Foto: Rawpixel.com - stock.adobe.com

Rems-Murr-Kreis. Zwei Dixi-Klos umgeworfen und Flaschen zertrümmert haben Jugendliche in Hohenacker. In Welzheim rissen Tunichtgute Blumen und Pflanzen aus den Beeten. Das war’s aber vergangenes Jahr in der Halloween-Nacht im Rems-Murr-Kreis auch schon. Im benachbarten Ostalbkreis ging den Leuten noch „die Böllerei“ auf die Nerven. Was läuft am 31. Oktober 2018?

Ausgehöhlte Kürbisse mit hineingeschnittenen Fratzen werden auf die Fensterbretter gestellt, von innen gruselig beschienen mit Kerzen oder Lampen. Und nach Einbruch der Dunkelheit klingelt es wohl wieder an der Haustür so mancher Straßenzüge, auch im Rems-Murr-Kreis. Wer öffnet, sieht dann Kinder, bevorzugt in Spukkostümen, die, mit einem Elternteil als Aufpasser dahinter, „Süßes oder Saures!“ hervorbringen. Der oder die eine findet’s blöd, andere geben gerne Süßigkeiten.

Keine Zusatzschichten für Halloween 2018

„Wer ist die Polizei, dass sie daran etwas auszusetzen hat“, sagt ein Sprecher des Präsidiums Aalen zu dieser Sitte, die aus den USA zu uns rübergeschwappt ist und sich etabliert hat. „Die Aussicht darauf für die Nacht auf Allerheiligen löst bei uns jetzt keine Aufregung oder Ähnliches aus.“ Natürlich gebe es parallel zu friedlichem Halloween-Brauchtum auch immer wieder die eine oder andere Sachbeschädigung oder Ähnliches, aber nicht unbedingt mehr als in anderen Nächten an Wochenenden oder vor einem anderen Feiertag. Kurzum: „Es wurden keine Zusatzschichten etwa im Streifendienst für Halloween 2018 angesetzt“, so der Polizeisprecher.

Auch in den für Öffentliche Ordnung und Sicherheit zuständigen Fachbereichen in den Kommunalverwaltungen sieht man Halloween gelassen entgegen. „Ist ein Volksbrauch wie jeder andere, der jedoch noch keine so große Bewegung bei uns ist, wie das in Hollywoodfilmen für die USA immer dargestellt wird“, sagt zum Beispiel der Waiblinger Sachbereichsleiter Oliver Conradt. „Wir zeigen da Präsenz wie bei anderen ‘Festen’ oder ‘Veranstaltungen’ auch und achten auf eventuelle Beschädigungen von Gebäuden, Verkehrsschildern und Gartenanlagen. Aber besonders vorbereiten auf Halloween, tun wir uns nicht.“ Sachgebietsleiter anderer Stadtverwaltungen im Kreis äußerten sich in etwa gleichlautend.

Süffisant formulierter Polizeibericht aus dem Vorjahr

Das Archiv der Polizeiberichte zu Halloween des Vorjahres (2017) birgt folgendes süffisant formulierte Fundstück für den benachbarten Ostalbkreis: „Gruselig verkleidete Kinder, die Kleinen noch eher über sich selbst erschrocken, zogen durch die Wohngebiete. Oft von Müttern begleitet, die die Aufsicht über den beidseits guten Ton und die anschließend gerechte Gabenverteilung innehatten und nebenbei dem Familiennesthäkchen noch eine Prise frische Luft verschafften. Abenteuerlust gestillt, Süßigkeitenschränkchen gefüllt; so weit, so gut - auf der süßen Seite.“

„Auf der sauren Seite: Der Mütterbegleitung gerade entwachsene Jugendliche, mäßig verkleidet, den meisten reicht ihr eigenes, grimmig entschlossenes Gesicht. Und seltsam gleichförmig stellt man kollektives Nichtwissen über den Grund des eigenen Treibens zur Schau. Streiche spielen nur am 1. Mai? Böllern nur an Silvester? So weit kommt’s noch. Die Bevölkerung nimmt es einigermaßen gelassen, so lange nichts beschädigt wird. Sie stellt Baustellenabschrankungen, Mülltonnen und Dixiklo wieder auf und entfernt Eier und Klopapier, wo sie nicht hingehören. Lästiger war die wohl weit verbreitete Böllerei, vermutlich mussten die Bestände geleert werden, um dem Neueinkauf zum Jahresende Platz zu machen.“

Jugendliche mit Scream-Masken böllerten herum

Bei der Polizei im Ostalbkreis gingen zu Halloween 2017 einzelne Beschwerden über das Treiben ein. In einem Fall wurde eine Frau in der Wasseralfinger Schlossstraße durch Böllerwerfer sehr erschreckt, als ein großer Böller direkt vor der Terrassentür gezündet wurde. Hier hinterließ der Böller auch Spuren am Rollladen. In Verbindung damit gebracht wurden fünf Jugendliche mit Scream-Masken, die jedoch nach Informationsstand der Redaktion nie ausfindig gemacht wurden.

„Scream“ (Schrei) ist der Titel eines mehrteiligen Horrorfilms, in dem ein brutaler, ganz in schwarz gekleideter Massenmörder mit einer weißen Maske Menschen absticht.

Im Rems-Murr-Kreis vermeldete die Polizei für die Halloween-Nacht 2017 zwei Auffälligkeiten: Eine Gruppe jugendlicher Tunichtgute hat in der Hofstetterstraße Flaschen zertrümmert, Müll abgelagert und zwei Dixi-Klos umgeworfen. Und in Welzheim fielen Blumen und später auch noch ein Wacholderbusch vier randalierenden Jugendlichen zum Opfer. Die Täter rissen die Pflanzen auf einem Grundstück in der Straße Hohe Tanne heraus und verteilten sie dort. Dabei entstand ein Sachschaden von etwa 400 Euro. Die Täter führten Getränkeflaschen mit sich und waren möglicherweise betrunken.


Halloween

Der Begriff Halloween bezeichnet Volksbräuche die am Tag und Abend vor Allerheiligen (all hallows’ eve), besonders in den USA gefeiert werden. Die Bräuche wurden von irisch-katholischen Migranten dort eingeführt. Es werden jedoch noch frühere heidnische Ursprünge angenommen.

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