Urbach Schock Metallwerk in Nöten

Die Firma Schock Metall in der Urbacher Siemensstraße: Wie wird es hier weitergehen? Foto: ZVW/Gaby Schneider

Urbach.
Mit vollen Auftragsbüchern wird die Schock Metallwerk GmbH in Urbach gerade ausgebremst. Wegen Problemen mit einem ihrer Hauptlieferanten ist das Urbacher Unternehmen in Liquiditätsnöte geraten und möchte nun in einem sogenannten Eigenverwaltungsverfahren eine 2018 begonnene Restrukturierung zu einem guten Ende bringen.

Die Geschäftsführung hat beim Amtsgericht Stuttgart einen entsprechenden Antrag gestellt, dem das Gericht am 17. Januar gefolgt ist. „Der Geschäftsbetrieb wird während des gesamten Verfahrens in vollem Umfang fortgeführt“, heißt es in einer Mitteilung des Unternehmens.

Die Eigenverwaltung nach §§ 270 ff. der Insolvenzordnung bietet Unternehmen einen rechtlichen Rahmen, bei laufendem Geschäftsbetrieb ihre Finanzierung in enger Abstimmung mit den Gläubigern neu zu ordnen. Dabei bleibt die unternehmerische Verantwortung in den Händen der Geschäftsführung.

Produktion, Vertrieb und Entwicklung gehen weiter

Dieses im Rahmen des Insolvenzrechts etablierte Verfahren unterstützt Unternehmen, die bei wirtschaftlichen Problemen frühzeitig selbst tätig werden und über genügend Handlungsspielraum für eine Lösung verfügen. Auch kann durch die Insolvenz in Eigenverantwortung gewöhnlich eine Zerschlagung eines Unternehmens verhindert werden.

„Produktion, Vertrieb und Entwicklung der Schock Metallwerk GmbH gehen während der Eigenverwaltung ohne Einschränkungen weiter“, betonen die beiden Geschäftsführer Martin Schock und Helmut Fuchs von Schock Metallwerk.

Ist die Unzuverlässigkeit eines tschechischen Lieferanten schuld?

Für die Phase der Eigenverwaltung ist der Rechtsanwalt Jan Metzner von der renommierten deutschen Restrukturierungskanzlei Elsässer in die Geschäftsführung eingetreten und wird die geschäftsführenden Gesellschafter Martin Schock und Helmut Fuchs bei der Sanierung des Unternehmens unterstützen.

„Schock Metallwerk ist ein im Kern gesundes und wettbewerbsfähiges Unternehmen mit einem erstklassigen Produktportfolio und hat in den letzten zwei Jahren wichtige und notwendige Schritte auf dem Weg zur Sanierung unternommen“, betont Metzner: „Die Eigenverwaltung bietet uns den geeigneten rechtlichen Rahmen, um die Sanierung in enger Abstimmung mit den Gläubigern zu Ende zu bringen und Schock Metallwerk langfristig wieder auf eine solide finanzielle Basis zu stellen.“

Löhne und Gehälter für drei Monate gesichert

Den Antrag gestellt hat nur die Schock Metallwerk GmbH. Nicht betroffen seien die USA-Tochter Schock Metal America, Inc. und das lettische Schwesterunternehmen FTS Baltic SIA in Liepaja an der kurischen Nehrung. Die Löhne und Gehälter der rund 190 Mitarbeiter seien für drei Monate über das Insolvenzgeld gesichert.

Als Ursache der Liquiditätskrise bei Schock Metallwerk erwies sich die zunehmende Instabilität eines ehemaligen, langjährigen Hauptlieferanten für Pulverbeschichtung und Montage in der Tschechischen Republik mit resultierendem Lieferstopp.

„Dadurch wurde es erforderlich, die planmäßig erst Ende des ersten Quartals 2020 vorgesehene Inbetriebnahme des neuen Produktionsstandortes in Lettland auf August 2019 vorzuziehen“, erläutert Martin Schock. Innerhalb weniger Wochen mussten alle notwendigen Betriebsmittel und Werkzeuge sichergestellt und sieben Monate früher als geplant in das im Juni 2019 neu gegründete Schwesterwerk FTS Baltic SIA überführt werden.“

Kundenaufträge über Monate nicht vollständig erfüllt

Letztlich konnten trotz erheblicher Anstrengungen Kundenaufträge über Monate nicht vollständig erfüllt werden. Der hierdurch verursachte Umsatzeinbruch führte innerhalb kurzer Zeit zu erheblichen wirtschaftlichen Schwierigkeiten, so Martin Schock. Trotz der Lieferprobleme hätten wichtige Kunden und Partner dem Unternehmen bereits ihre Unterstützung für die anstehende Restrukturierung zugesagt.

In der Eigenverwaltung setzt das zuständige Amtsgericht einen sogenannten Sachwalter ein. Dieser überwacht das Verfahren im Interesse der Gläubiger. Als Sachverwalter für die Schock Metallwerk GmbH wurde Dr. Tibor Braun von der Stuttgarter Kanzlei Illig, Braun & Kirschnek bestellt.


Die Schock Metallwerk GmbH

Laut der Eigendarstellung des Unternehmens gehört die Schock Metallwerk GmbH in Urbach „zu den führenden Herstellern von Kugelführungen und Spezialprofilen“.

Das Unternehmen fertige seit mehr als 40 Jahren lineare Führungssysteme und Baugruppen auf Basis der eigenentwickelten Rollformtechnik. Mit Standorten in Deutschland, Lettland und den USA sowie einem internationalen Netz von Vertriebspartnern sei Schock Metallwerk in „allen wichtigen internationalen Märkten“ aktiv.

„Im Jahr 2019 bewies das Unternehmen seine Innovationskraft mit der Einführung einer neuen Linearführungs-Baugruppe für verstellbare Mittelarmlehnen im Automobil. Neben der Möbelindustrie und den Herstellern von Hausgeräten zählt die Automobilindustrie zu den wichtigsten Abnehmerbranchen“, so die Mitteilung. Der Gruppenumsatz lag 2018 bei rund 45 Millionen Euro.

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