Rems-Murr-Kreis Amphibien brauchen Schutz

Waiblingen. Von geschätzt acht Millionen Tier- und Pflanzenarten weltweit ist bis zu eine Million vom Aussterben bedroht. Zu diesem Fazit eines jüngst vorgestellten UN-Berichts passt ein Vorhaben des Landratsamtes: Noch in diesem Jahr soll ein „Runder Tisch Amphibienschutz“ organisiert werden, denn Molche, Unken, Frösche und Salamander werden immer seltener.

„Wir konnten schon lang kein Wachsen der Bestände mehr verzeichnen, stattdessen werden viele Arten immer seltener“, sagt Dietmar Reiniger, Amphibienschutzbeauftragter des Landratsamts. Man sei allerdings bemüht, das weitere Aussterben von ganzen Arten, mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, zu verhindern.

So wurden beispielsweise im Rahmen der Aktion „5 vor 12“ fünf künstliche Biotope angelegt, die der Stabilisierung der Populationen von Wechsel- und Kreuzkröten dienen sollen. „Die Kreuz- und die Wechselkröte sind tolle Arten, deren Schutz mir besonders am Herzen liegt“, sagt Reiniger. Sie und alle anderen Amphibienarten tragen zur Biodiversität bei und sind wichtige Glieder der Nahrungskette. „Amphibien vertilgen nicht nur Insekten und Würmer, sondern stellen auch selbst Nahrung für den Reiher oder die Ringelnatter dar.“

Es gibt aber auch Positives zu berichten: „Die Hochzeit der Amphibienwanderung ist nun vorbei und wir konnten an den von uns streng betreuten Stellen im Landkreis keine toten Tiere auffinden. Alle ehrenamtlichen Helfer und Helferinnen haben gute Arbeit geleistet“, sagt Reiniger. Anhand der Zahl der gewanderten Amphibien lasse sich allerdings nicht auf die Amphibienbestände hier in der Region rückschließen. Die Zahlen seien sehr ungenau und zudem würde nicht jede Amphibie jedes Jahr zum Laichgewässer wandern. Reiniger erläutert: „Es kommt oft vor, dass die Amphibien ein oder zwei Jahre aussetzen. Deswegen schwankt die Zahl der gewanderten Amphibien jährlich.“ Eines stehe leider fest: Die Bestände der Amphibien gehen stetig zurück.

Ehrenamtliche Helfer sind gefragt 

Amphibien machen sich im Frühjahr auf Wanderschaft, Ziel ist ein geeignetes Laichgewässer, in welchem sie ihre Eier ablegen können. Abhalten vom Wandern lassen sich die Amphibien nicht, sie wandern immer wieder zu den Laichgewässern, in welchen sie selbst ihre Metamorphose durchlebt haben. Nicht selten müssen die Amphibien auf dem Weg zu den Laichgewässern Straßen überqueren.

„Die Gefahr für die Amphibien besteht nicht nur darin, überfahren zu werden, sondern auch darin, durch Druck zerquetscht zu werden. Vor dem Auto baut sich ein Überdruck auf, unter dem Auto ein Unterdruck. Ist die Kröte nun unter dem Auto, ist sie diesem Druck ausgesetzt. Dabei platzen die Organe der Kröte“, sagt Reiniger.

Um den massenweisen Tod der Tiere zu verhindern, stellte das Straßenbauamt auch dieses Frühjahr an bekannten Amphibienwanderrouten mobile Schutzzäune auf. Die Zäune führen entlang der Straße und enden bei in den Boden eingelassenen Eimern, in welche die Amphibien hineinfallen. Hier waren ehrenamtliche Helfer gefragt, die die Eimer, möglichst in den frühen Morgenstunden, über die Straße trugen und die Amphibien aus den Eimern befreiten.

Das Landratsamt plant einen „Runden Tisch Amphibienschutz“

Teilweise wurden entlang der Straßen auch stationäre Leiteinrichtungen gebaut. Dabei handelt es sich um Systeme aus Beton, die die die Amphibien entlang der Straße zu kleinen Tunneldurchlässen leiten. Stefan Hein, Dezernent im Landratsamt, erklärt: „Diese Systeme sind sehr teuer. Da liegt man schnell bei mehreren hunderttausend Euro. Deswegen lassen sich sie sich nur selten verwirklichen. Wird eine Straße jedoch neu gebaut oder saniert, kann im Vorfeld abgeklärt werden, ob Schutzmaßnahmen notwendig sind. Diese können dann, mit geringerem Kostenaufwand, in das Straßensystem integriert werden“.

Und: Das Landratsamt plant noch in diesem Jahr einen „Runden Tisch Amphibienschutz“. Bei dieser Veranstaltung soll unter anderem gemeinsam über potenzielle Gefahrenstellen und Verbesserungen diskutiert sowie über Fördermöglichkeiten für mobile Amphibienschutzzäune informiert werden. Ein genaues Datum stehe bis dato noch nicht fest, er soll aber auf alle Fälle vor der nächsten Amphibienwanderung (Frühjahr 2020) stattfinden. Eingeladen wurden hierzu alle Gruppen, die jedes Jahr aufs Neue Aktiv bei den Krötensammelaktionen mitwirken und die Verantwortlichen von der Straßenbauverwaltung.


Was jeder tun kann

Wer selbst etwas zum Schutz der Amphibien beitragen möchte, kann beim Spazierengehen mit dem Hund darauf achten, dass dieser nicht in kleineren Laichgewässern badet, da das eine große Gefahr für die dort angesiedelten Amphibien darstellt. Größere Seen stellen kein Problem dar.

Eine weitere Möglichkeit ist die naturnahe Gestaltung des eigenen Gartens. „Wenn man in seinem Garten einen kleinen Tümpel oder einen Teich anlegt, besteht durchaus die Möglichkeit, dass sich ab und zu eine Kröte hineinverirrt. Wichtig ist nur, dass man, sobald man eine Kröte im Garten gesichtet hat, von nun an auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln verzichtet, da diese Irritationen auf der Haut der Amphibien auslösen können“, erläutert Reiniger.

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