Rems-Murr-Kreis So viel können Tagesmütter verdienen

Neben den eigenen noch andere Kinder betreuen? Immer mehr Menschen wählen den Beruf „Tagesmutter“ oder „Tagesvater“. Denn neben der Freiheit bei dieser selbstständigen Tätigkeit sind auch die Verdienstmöglichkeiten nicht schlecht. Foto: Fotolia/Robert Kneschke

Waiblingen. Gezählt wurde am 1. März. Damals arbeiteten im Rems-Murr-Kreis 361 Tagespflegepersonen, die 1198 Kinder betreuten. Das heißt: Kindertagespflege ist zwar noch kein Renner wie etwa der Beruf Mechatroniker, doch schon einige Menschen verdienen so ihr Gehalt. Tagespflege wird immer mehr zum richtigen Beruf. Doch welche Bedingungen gelten eigentlich? Und was kann man verdienen?

Seit 1. Juni hat sich in der Tagespflege im Rems-Murr-Kreis in Sachen Bezahlung einiges geändert. Seit ersten Juni bekommen Tagespflegepersonen – meistens sind es Tagesmütter – 6,50 Euro pro Kind und pro Stunde vom Jugendamt bezahlt. Was auf den ersten Blick nach relativ wenig ausschaut, kann sich zu einem ordentlichen Monatsgehalt zusammenzählen. Denn viele Tagesmütter betreuen mehrere Tageskinder. Doch was verdienen Tagesmütter denn jetzt tatsächlich? Lohnt sich die Tätigkeit? Hat sich Tagespflege längst zu einem regelrechten Beruf ausgewachsen?

Tagesmütter dürfen im Höchstfall acht Kinder insgesamt betreuen. Gleichzeitig im Haus dürfen nur höchstens fünf Gastkinder sein. Eine Tagesmutter darf maximal zwölf Stunden am Tag arbeiten, das aber sieben Tage die Woche. Ein Monat hat durchschnittlich 4,3 Wochen. Schafft es eine Tagesmutter, ihre Gastkinder so über die Tage und Stunden zu verteilen, dass sie immer bis an die Obergrenze reicht, dann kommt in Summe ein Brutto-Höchstverdienst von 11 739 Euro im Monat zusammen.

Unfallversicherung wird voll übernommen

Tagesmütter arbeiten selbstständig. Selbstständige sind frei in allen ihren Planungen, müssen aber normalerweise die Kosten für die vorgeschriebenen Versicherungen selbst tragen. Bei den Tagesmüttern allerdings springt das Jugendamt ein: Die Unfallversicherung wird voll übernommen. Krankenversicherung, Pflegeversicherung und Rentenversicherung zur Hälfte. Zu den Beiträgen zur Sozialversicherung können Zuschüsse beantragt werden. Nur die fälligen Steuern muss die Tagesmutter ganz alleine tragen. Das heißt: Bei einem solchen Bruttoverdienst wäre auch netto noch ziemlich viel übrig.

Die Rechnung ist allerdings kaum in die Wirklichkeit zu übertragen. Niemand schafft es, solch eine Arbeitsleistung durchzuhalten. Und bislang hat noch keine Tagesmutter so viele Betreuungsstunden pro Tag zusammengebracht.

Lange Arbeitszeiten

Viele Tagesmütter werden eher nur ein oder zwei Kinder gleichzeitig betreuen. Vielleicht kommen am Vormittag Kinder, die nächsten kommen am Nachmittag. Im unglücklichsten Fall hat eine Tagesmutter eine sehr lange Tagesarbeitszeit, vielleicht von morgens um 5.30 Uhr, wo die erste Familie das Kind wegen der Frühschicht abliefert. Das Arbeitsende ist aber erst um 22 Uhr, weil dann das letzte Kind von den Spätschichteltern abgeholt werden kann. Weil immer nur ein Kind da ist, das dann vom nächsten abgelöst wird, ist der Verdienst deutlich niedriger.

„Randzeitenpflege“ nennt Holger Gläss, Leiter des Jugendamts in Waiblingen, diese Betreuung. Und die ist viel weniger lukrativ als das Modell, bei dem eine Tagesmutter mehrere Kleine von Teilzeit arbeitenden Mamas betreut, die alle um die Mittagszeit wieder heimkommen. Da kommt, weil pro Kind pro Stunde bezahlt wird, bei relativ kurzer Arbeitszeit ein guter Verdienst zusammen. Die Randzeiten aber, sagt Holger Gläss, werden dringend gebraucht. Welche kommunale Kita hat schon bis in den späten Abend offen oder fängt vor sechs Uhr an?

Einige Kommunen im Rems-Murr-Kreis werden die Zuzahlung, die sie bislang noch für die Tagesmütter auf die Jugendamtszahlung geleistet hatten, einstellen. Denn mit 6,50 Euro sehen die Kommunen die Tagesmütter gut bezahlt. Vielleicht aber, spielt Holger Gläss an diesem Fakt gedanklich weiter, könnten die Kommunen, um die wichtige, aber so viel weniger attraktive Randzeiten-Betreuung zu sichern, gerade auf diese Stunden eben doch noch ein bisschen was drauflegen.


Zu zweit betreuen

Immer häufiger kommt es vor, dass sich Tagespflegepersonen zusammentun, um gemeinsam Kinder zu betreuen. Im Kreis sind es bislang immer nur Zweier-Teams.

Wer zu zweit arbeitet, darf sieben Kinder gleichzeitig betreuen. Wenn eine der Tagespflegepersonen ausgebildet ist, also beispielsweise Erzieher oder Sozialpädagoge ist, können sogar neun Kinder gleichzeitig anwesend sein. Insgesamt dürfen bei solchen Teams zwölf Betreuungsverträge gleichzeitig laufen.

In Bezug auf die eigenen Kinder einer Tagespflegeperson gibt es keine formale Obergrenze. Aber: Bevor eine Tagesmutter mit der Betreuung von Gastkindern beginnen kann, prüft der zuständige Tageselternverein, ob die Umstände geeignet sind, und gibt dem Jugendamt eine Empfehlung. Die wird dort noch diskutiert.

Hierbei spielen neben der Anzahl der eigenen Kinder auch die Größe der Wohnung eine Rolle, Haustiere, aber auch Sprachkentnisse und anderes.

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