Rems-Murr-Kreis Taxifahren wird kostspieliger

Taixfahren zu teuer? Der Schorndorfer Taxiunternehmer verweist auf die jährlichen Preiserhöhungen bei Bussen und Bahnen. Foto: ZVW/Alexandra Palmizi

Waiblingen. Seit vier Jahren sind die Taxitarife unverändert. Zum 1. Juli 2019 werden sie erhöht, teilt das Landratsamt Rems-Murr mit. Grund: Die Taxi-Betreiber reklamieren höhere Kosten.

Laut Pressemitteilung hat das Landratsamt ab 1. Juli 2019 eine Anpassung der Taxitarife vorgenommen. Darum hatten die Taxiunternehmen im Rems-Murr-Kreis gebeten. Die derzeit gültige Tarifordnung gilt nun schon seit vier Jahren unverändert. Begründet haben die Taxiunternehmen ihren Antrag mit gestiegenen Kosten: beispielsweise für Gehälter, für die Anschaffung von Fahrzeugen, für Treibstoff, für Reparaturen sowie für die Versicherung. Die bestehende Tarifstruktur habe sich aber bewährt und bleibt daher bestehen.


 

Der Schorndorfer Taxi-Unternehmer Domenico Bastone verweist auf die jährlichen Preiserhöhungen der Bahn oder des VVS, weshalb eine Tariferhöhung auch bei Taxis notwendig ist. Während bei der Bahn die Preise Jahr für Jahr um 1,6 bis 2,6 Prozent steigen, erhalten die Taxisunternehmen nur alle vier bis fünf Jahre eine Erhöhung. Und die liegt beim Grundtarif und dem Kilometergeld unter zehn Prozent. Bastone verweist darauf, dass Löhne und Gehälter steigen. Damit ein Mitarbeiter mit seinem Lohn auch eine Familie unterhalten könne, könne er eben nicht für 6,50 Euro pro Stunde im Auto sitzen. Aber auch die Taxis und deren Unterhaltskosten werden teurer.

Taxitarife sind verbindlich

Den Verweis auf Uber & Co. lässt Bastone nicht gelten, wenn es um die Fahrpreise geht. Die dürften schließlich jegliches Autos verwenden. Ein Taxi müsse aber den strengen gesetzlichen Bedingungen genügen. Und die gehen ins Geld.

Taxitarife sind verbindlich. Die genannten Tarife müssen von den Taxiunternehmen im Rems-Murr-Kreis innerhalb des sogenannten Pflichtfahrgebietes angewandt werden. Sondervereinbarungen seien nicht erlaubt. Das Pflichtfahrgebiet umfasst alle Fahrten, die innerhalb des Rems-Murr-Kreis stattfinden.

Das Landratsamt gibt drei Rechenbeispiele:

  • Ein Fahrgast steigt am Taxistandplatz in ein Fahrzeug mit vier Fahrgastplätzen ein und möchte zum nächsten Hotel in fünf Kilometern Entfernung gebracht werden. Der Taxameter zeigt bei der Abfahrt bereits den Grundtarif von 3,50 Euro an. Die nächsten fünf Kilometer werden dann mit 2,30 Euro/Kilometer berechnet. Das entspricht 11,50 Euro. In Summe zahlt der Fahrgast an seinem Zielort 15 Euro.
  • Ein Fahrgast bestellt für sich und weitere fünf Personen ein Taxi zu seiner Wohnadresse. Die Entfernung vom Taxistandplatz zur Wohnung beträgt dabei zwei Kilometer. Er möchte von dort in den drei Kilometer entfernten Nachbarort gefahren werden. Das Taxiunternehmen setzt ein Fahrzeug mit sechs Sitzplätzen ein. Beim Start des Fahrzeuges schaltet der Taxameter den Grundtarif von 3,50 Euro ein. Ab dem Taxistandplatz bis zur Wohnadresse des Kunden wird der Anfahrtstarif berechnet, also zwei Kilometer zu je 1,20 Euro/Kilometer (2,40 Euro). Für die Fahrt in den Nachbarort kommt der Tarif 2 mit 2,70 Euro/Kilometer zur Anwendung (8,10 Euro). In Summe muss dieser Kunde 14 Euro zahlen.
  • Ein Kunde steigt am Taxistandplatz ein und möchte zum Hotel in vier Kilometern Entfernung gefahren werden und nach einem Aufenthalt von 30 Minuten zu einem Geschäftstermin (Entfernung Hotel – Zielort = 15 Kilometer) weitergefahren werden. Beim Start des Fahrzeuges mit vier Gastplätzen wird der Grundtarif von 3,50 Euro angezeigt. Bis zum Hotel laufen Kosten in Höhe von vier Kilometer zu je 2,30 Euro/Kilometer auf (9,20 Euro). Für die Wartezeit am Hotel fallen 16 Euro an. Für die Strecke Hotel zum Zielort entstehen weitere Kosten in Höhe von 15 Kilometer zu je 2,30 Euro/Kilometer (34,50 Euro). Die gesamte Taxidienstleistung kostet den Fahrgast somit 63,20 Euro.

Was ein Taxi von Uber & Co. unterscheidet

Im April gingen bundesweit Taxifahrer auf die Straße und protestierten gegen die Pläne von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer, die Taxibranche zu liberalisieren. So wollte Scheurer die Rückkehrpflicht abschaffen und das Einzelplatzvermietungsverbot für Mietwagen aufheben. „Das Eckpunktepapier aus dem Bundesverkehrsministerium bevorteilt einseitig Uber und Co und benachteiligt Taxis. Fairer Wettbewerb geht anders!“, so der Bundesverband Taxi und Mietwagen.

Die Rechtslage ist bislang laut Verband eindeutig: „Taxis gehören zur öffentlichen Daseinsvorsorge und zum öffentlichen Personennahverkehr. Sie müssen sich an die von den Behörden festgelegten Tarife halten und sind für alle an 365 Tagen im Jahr verfügbar“. Dafür dürfen sie unter anderem an Halteplätzen in der Innenstadt auf Kundschaft warten oder auf der Straße angehalten werden.

Mietwagen mit Fahrer wie beispielsweise Uber haben all diese Auflagen nicht. Sie müssten nach erledigten Aufträgen zu ihrem Betriebssitz zurückkehren, wenn es keine folgenden Aufträge gibt. „Fällt diese Rückkehrpflicht für Mietwagen, wie von Herrn Scheuer geplant, dann ist das das „Aus“ für die Taxibranche.

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