Rems-Murr-Kreis Volksbank lässt ab Sommer mobile Filiale rollen

Ab Juni will die Volksbank Stuttgart mit dieser rollenden Filiale stundenweise vor Ort sein. Seit Freitag sind zehn Filialen ganz geschlossen oder in Selbstbedienungsstandorte umgewandelt. Foto: Volksbank Stuttgart

Rems-Murr-Kreis.
In Schnait, Birkmannsweiler und Beinstein sind die Wogen hochgegangen, nachdem die Volksbank Stuttgart angekündigt hatte, dort Mitte Februar ihre Filialen ganz zu schließen. In weiteren sieben Orten hat die Volksbank am Freitag letztmals einen persönlichen Service in ihren Filialen angeboten. Die Orte behalten jedoch einen Geldautomaten. Darunter Waiblingen-Hohenacker, Leutenbach-Nellmersbach, Weinstadt-Strümpfelbach und Schorndorf-Weiler. Der Grund für die Schließungen ist schlicht, dass die Kundschaft wegbleibt und sich der Betrieb nicht mehr lohnt. Bei einem Pressegespräch zum Geschäftsjahr 2019 hat der Vorstandsvorsitzende Stefan Zeidler angekündigt, dass ab Sommer eine mobile Filiale unterwegs sein wird. Bis diese Filiale rollt, kann in Schnait, Birkmannsweiler und Beinstein vorerst weiterhin Geld am Automaten abgehoben werden.

In der Region Stuttgart ist die rollende Volksbank-Filiale wohl einzigartig, sagte Stefan Zeidler. Anderswo sind Volks- und Raiffeisenbanken wie auch Sparkassen in abgelegenen Regionen schon länger mit mobilen Filialen unterwegs und halten den Service zumindest stundenweise aufrecht. „Wir bleiben weiterhin in der Fläche präsent“, betonte Zeidler. Schließlich gebe es in den zehn betroffenen Orten in maximal 2,3 Kilometer Entfernung die nächste Filiale. Rund 200 000 Euro kostet die rollende Filiale, die eigens für die Volksbank hergestellt wird. Die Kunden können nicht nur Geld abheben, sondern erhalten vom rollenden Filialleiter auch eine Beratung und können ihre Bankgeschäfte dort abwickeln. Derzeit klärt die Volksbank mit den Rathäusern ab, wo der Wagen Station machen kann und wie die Öffnungszeiten ausschauen. Vor allem älteren und kranken Menschen mit eingeschränkter Mobilität soll die rollende Filiale entgegenkommen.

Wachstum in allen Bereichen – nur nicht beim Zinsüberschuss

Stefan Zeidler, 56, hat vor einem halben Jahr den Vorstandsvorsitz der Volksbank Stuttgart von Hans Zeisl, 65, übernommen. Die erste Bilanz, die er am Freitag vorlegte, ist hervorragend. Die Genossenschaftsbank bilanzierte ein Rekordjahr. Die Bilanzsumme wuchs um 6,1 Prozent auf 7,5 Milliarden Euro, das Kundengeschäftsvolumen stieg sogar um 7,8 Prozent auf 14,5 Milliarden Euro. In diesen Posten fließen auch Geschäfte mit ein, die sich nicht in der Bilanz niederschlagen wie zum Beispiel Wertpapiergeschäfte, langfristige Hypothekendarlehen oder Ratenkredite.

Für Zeidler ist die Bilanz 2019 ein Zeichen, dass das Geschäftsmodell der Volksbank Stuttgart schlicht funktioniert. „Das hat mit Kundenvertrauen zu tun – und mit unserer Wettbewerbsfähigkeit“, stellte er bei der Vorstellung der Bilanzahlen fest. „Sonst würden die Kunden mit uns keine Geschäfte machen.“ Die Volksbank werde an dem Geschäftsmodell festhalten, es aber auch erweitern, verwies er auf die digitalen Angebote, die ausgebaut werden.

Geschäfte, für die Provisionen kassiert werden, nehmen an Bedeutung zu, sagte Stefan Zeidler mit Blick auf die Zinsen. Der Zinsüberschuss, von dem Banken traditionell lebten, sinkt und sinkt. Zeidler erwartet bei den Zinsen in den nächsten Jahren keine Wende nach oben, was die Banken und Sparkassen aus der Zinsfalle befreien könnte. Die Europäische Zentralbank (EZB) befinde sich jedoch „im Irrgarten der Geldpolitik“ – und finde keinen Weg mehr hinaus. „Wir planen mit dem jetzigen Zinsniveau“, sagte Zeidler. Das heißt für ihn, dass die Volksbank von ihren Kunden keine Negativzinsen abverlangen will. Er schließt diese aber nicht grundsätzlich aus, sollte die Bank in Zugzwang geraten, wenn alle anderen Geldinstitute zu diesem Mittel greifen und die Volksbank mit Einlagen überschüttet würde.

So wertvoll Kundeneinlagen in der Vergangenheit für Banken und Sparkassen für ihr Geschäftsmodell waren, so sehr sind sie heute zum Ballast geworden. Denn über den Finanzmarkt könnten sich die Geldinstitute heute erheblich billiger finanzieren. Das Geld der Kunden wird mit null Prozent verzinst, für Geld vom Kapitalmarkt würde die Volksbank sogar 0,4 Prozent erhalten. Mit 24 Millionen Euro beziffert Zeidler diese Mehrkosten. Noch seien diese verkraftbar.

„Das Immobiliengeschäft ist das wichtigste“

Rund 4,5 Milliarden Euro hat die Volksbank an Krediten vergeben. Sowohl beim Geschäft mit Privatkunden wie auch mit Firmen dreht es sich vorwiegend um Darlehen für Immobilien. Sei’s der private Käufer einer Wohnung oder eines Hauses, seien es Bauträger, die ihre Projekte durch die Volksbank finanzieren lassen. „Das Immobiliengeschäft ist das wichtigste“, so Zeidler. Er zeigte sich zufrieden, dass die Volksbank nicht so sehr mit der Autoindustrie oder dem Maschinenbau verbandelt ist, die von der Konjunkturkrise am stärksten betroffen sind. – Angesichts der steigenden Preise für Immobilien fällt es Familien immer schwerer, sich bei der Baufinanzierung an die goldene Regel zu halten, dass zumindest 20 Prozent Eigenkapital vorhanden sein sollten. „Wir machen keine Voll- oder gar Überfinanzierung“, betonte Zeidler. Im Vordergrund stehe immer eine nachhaltige Kapitaldienstfähigkeit.

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