Rems-Murr-Kreis Was wird aus der Zentralkelter?

Weinlese 2018. Die Freude der Wengerter über einen tollen Jahrgang wird durch schlechte Nachrichten der Remstalkellerei getrübt. Foto: Mogck / ZVW

Weinstadt. Der Schock sitzt tief, die Lage ist verzwickt. Die Remstalkellerei hat in ihrem Brandbrief eines der Kernprobleme der Genossenschaft benannt: ihre Struktur. Die 1200 Genossen sind nämlich nicht direkte Mitglieder der Remstalkellerei, sondern gehören einer der neun Ortsgenossenschaften an. Doch die ziehen beileibe nicht alle an einem Strang. Der Weg zu einer zentralen Traubenannahme ist blockiert.

Das zähe Ringen um die Zentralkelter zeigt das ganze Dilemma der Remstalkellerei auf. Seit 2001 wird über eine gemeinsame Traubenannahme geredet, gerungen und gestritten. An deren Notwendigkeit besteht kein Zweifel.

Immer mehr Mitglieder wenden der Remstalkellerei den Rücken zu

Die neun Ortsgenossenschaften sind jedoch nicht unter einen Hut zu bekommen und blockieren damit auch die Lösung des gravierenden Kostenproblems der Remstalkellerei: Fixkosten konnten nicht so schnell gesenkt werden, wie der Remstalkellerei Rebfläche und Umsätze wegbrachen. Ein Teufelskreis. Wegen der schlechten Auszahlungsleistungen wenden immer mehr Mitglieder der Remstalkellerei den Rücken zu.

Der Weg aus der Krise der Remstalkellerei führt über die Lösung des Strukturproblems der Genossenschaft, sagt auch Hermann Hohl. Der Präsident des Weinbauverbandes Württemberg reagiert vorsichtig auf unsere Anfrage. Aber so weit wolle er, Hohl, sich doch aus dem Fenster lehnen.

Das Kernproblem sei die Uneinigkeit der Ortsgenossenschaften, die die zentrale Kelter verhinderte. „Das muss sich dringend ändern.“ Auch bei ihren Auszahlungen von 7000 bis 8000 Euro je Hektar liege die Remstalkellerei wohl „an der Grenze der Wirtschaftlichkeit“. Einst mit über 600 Hektar Rebfläche die größte Weingärtnergenossenschaft Württembergs rutschte die Remstalkellerei hinter Heilbronn, Lauffen oder die Felsengärten ab.

Die Zentralkelter kostet mehrere Millionen Euro

Eine zentrale Traubenannahme ist Dreh- und Angelpunkt, um die wirtschaftliche Situation zu verbessern. Die Zentralkelter kostet mehrere Millionen Euro. Geld, das die Remstalkellerei nicht hat und nur über die Auflösung der Keltern der Ortsgenossenschaften zusammenbringen kann. Zuletzt hatten sich aber nur vier der neun Ortsgenossenschaften – Kleinheppach, Großheppach, Strümpfelbach sowie Endersbach/Beutelsbach – zur Zentralkelter bekannt und sich bereit erklärt, ihr Tafelsilber, die Ortskeltern, einzubringen. Grunbach, Stetten und Korb lehnten ab. Ein Fragezeichen stand noch hinter Schnait, der größten der neun Ortsgenossenschaften, und Winnenden.

Karl-Heinz Eckstein ist Vorstandsvorsitzender der Ortsgenossenschaft Winnenden. Wir erreichten ihn am Dienstagvormittag mobil im „Himmelreich“. Von seinem geliebten Wengert genießt er beim Schaffen eine herrliche Aussicht übers Remstal. Die Aussichten der Remstalkellerei sind jedoch alles andere als rosig, weiß Eckstein. Für ihn ist überhaupt keine Frage, dass die Genossenschaft eine zentrale Traubenannahme braucht. Nicht nur der Kosten, sondern auch der Qualität wegen. Denn vormittags geerntete Trauben müssten so schnell wie möglich verarbeitet werden und dürften nicht – wie heute üblich – den ganzen Tag in den Kübeln lagern, bis die Ortskeltern nachmittags endlich öffnen.

Zentralkelter bedeutet: Fusion der neun Ortsgenossenschaften

Zentralkelter hieße auch: Es gibt nur noch eine Genossenschaft. An der Fusion der Ortsgenossenschaft führe kein Weg vorbei. Seine Winnender gehörten jedoch zu denen, die vor zwei Jahren ebenfalls ausscherten und sich nicht der Zentralkelter anschließen wollten. Der Grund? Nachdem zwei große Ortsgenossenschaften mit Nein votiert hatten, überwogen die Zweifel, ob die Übriggebliebenen die Großinvestition stemmen könnten.

Die Pläne für die neue Zentralkelter in Beutelsbach liegen in der Schublade. Damit sie im Herbst 2019 zur neuen Ernte in Betrieb gehen kann, müsste bald mit dem Bau begonnen werden. Das Projekt liegt nach der Bestandsaufnahme der desaströsen wirtschaftlichen Lage der Remstalkellerei wohl wieder mal auf Eis.

Dass die Remstalkellerei die Auszahlung des Traubengeldes drei Monate lang bis vorläufig Februar 2019 gestoppt hat, empfinden manche Wengerter als skandalös. „Für uns Mitglieder riecht das Ganze etwas nach Insolvenzverschleppung“, hieß es in einem Brief an die Zeitung. Dieses Gerücht hat die neue Remstalkellerei-Geschäftsführung im Rundschreiben mit dem Hinweis dementiert, dass es keine Liquiditätsprobleme gebe.


Brandbrief

Am Freitagmittag hat die Remstalkellerei ihre Mitglieder mit einem Rundschreiben geschockt. Wegen der desaströsen wirtschaftlichen Lage sei die Genossenschaft gezwungen, ihre Ernten 2014, 2015 und 2016 sonderzuwerten. Wegen deutlich verfehlter Absatz- und Umsatzerwartungen müsste auch das Traubengeld korrigiert werden. Deshalb würden die Auszahlungen bis Februar 2019 gestoppt.

Hier gibt es das Mitgliederrundschreiben der Remstalkellerei als PDF zum Download.

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