Rems-Murr-Kreis Wenn Werbeslogans zum geflügelten Wort werden

Die Visualisierung ändert sich, doch der Spruch auf dem aktuellen Bluna-Werbeplakat ist schon 24 Jahre alt. Foto: Bluna KeyVisual Blunikat

Waiblingen. Wir haben sie im Ohr, sie rutschen uns über die Lippen: Gute Werbesprüche erfüllen idealerweise ihren Zweck fürs Unternehmen. Manchmal verselbstständigen sie sich so, dass sie zum geflügelten Wort werden. Gute Werbesprüche gab’s und gibt’s auch im Rems-Murr-Kreis. Mancher hat das einst werbende Unternehmen überlebt.

Das Gabler Wirtschaftslexikon definiert so: „Werbung ist die Beeinflussung von verhaltensrelevanten Einstellungen mittels spezifischer Kommunikationsmittel, die über Kommunikationsmedien verbreitet werden.“ Übersetzt heißt das: Werbung bringt uns Menschen mittels geschickt platzierter und gut ausgearbeiteter Lügen dazu, Dinge zu tun, die wir gar nicht tun wollen. Aber mal ganz ehrlich: Wenn wir jetzt so auf unseren VfB gucken, wollen wir wirklich Verlängerung? Wollen wir Elfmeterschießen? Alles nein! Was wollen wir denn? Ja - jeder weiß, was da jetzt kommen muss. Werbung ist manchmal einfach ein Ohrwurm, wird zum geflügelten Wort, löst sich vom Produkt und beschreibt eine Stimmung. Werbung kann so toll sein. Drum gucken wir mal, mit was für Sprüchen von Unternehmen, die auch in unserem schönen Rems-Murr-Kreis zu Hause waren und sind, schon so geworben wurde. Und welcher Spruch hat sein Unternehmen gar überlebt?

Seit 2008 sind sie Geschichte, die Remstalquellen in Beinstein, die von der Mineralbrunnen Teinach-Überkingen betrieben wurden. Und die füllten da auch ein orange-klebriges, prickelndes Getränk ab, das uns alle sofort zu der Frage bringt:

Sind wir nicht alle ein bisschen bluna? (1995)

Das Unternehmen war eines der führenden Hersteller von Haushaltsgeräten und hatte seinen Stammsitz in Schorndorf. Dort wurden bis ins Jahr 2012 Waschmaschinen und Trockner hergestellt. Dann aber schloss die amerikanische Whirlpool Corporation, die 1989 das urschwäbische Unternehmen übernommen hatte, das Traditionswerk. Trotzdem ist bis heute klar:

Bauknecht weiß, was Frauen wünschen (1954)

Es hatte alles so gut angefangen: 2000 Menschen fanden Anfang der 60er Jahre in Winnenden bei der Traditionsfirma ihr Auskommen. Sogar ein ganzer Stadtteil wurde für das Unternehmen aus dem Wald geschnitten: Das Schelmenholz verdanken die Winnender nur AEG. Die alten Werbestrategen wussten damals auch: Gut gereimt ist halb gewonnen. Und so geht der alte Spruch noch immer flüssig von den Lippen:

Erhalt’ das Glück in deiner Eh’ durch ein Gerät von AEG! (1950)

Geholfen hat’s nix: Das Unternehmen ist seit Mitte 2011 quasi aus dem Kreis verschwunden. 330 Beschäftigte wurden entlassen, nur ein bisschen Verwaltung blieb.

Das Winnender Unternehmen mit der markant gelben Farbe hat mit dem Wort „kärchern“ nicht nur den Duden mit einem neuen Begriff fürs Saubermachen bereichert, sondern machte, passend zur Wortneuschöpfung, der schwäbischen Hausfrau auch ganz deutlich klar, was sie zu kaufen hat:

Sauberer wird’s nicht (2003)

Dem wird bis heute geglaubt: Kärcher ist weltweit erfolgreich. Was sich, leider, auch in den Werbesprüchen zeigt: Die Saubermacher werben inzwischen selbst bei uns im Ländle auf Englisch. Wie schade.

Stopp! Erst mal raten! Wer hat so ein unumstößliches Selbstwertgefühl?

Nr.1 weltweit (2000)

Ja, hier geht’s ums Klotzen. Kleckern sollen die anderen. Der rechte Mann braucht - gar keine Frage - eine Säge von Stihl. Jenem Unternehmen, das, 1926 gegründet, seit 1938 im kuscheligen Neustadt an der Rems sitzt und dort auch sicher nicht wegziehen will. Und weil ein Mann auch beim Schwitzen gut angezogen sein muss, heißt es beim Timbersports Outfit logischerweise:

In der Natur zu Hause (2005)

Diese Zahlen sitzen noch heute. Es geht um irgendwas mit - ist ja logisch - Alkohol.

Schmeckt mit 18 und mit 80 (1962)

Der Produktname zum Slogan „Jakobi 1880“ war prominent direkt an der B 29 auf Höhe von Großheppach zu lesen. Eine echte Traditionsmarke: 1880 wurde die Brennerei von Jacob Jacobi gegründet, allerdings noch nicht hier, sondern in Stuttgart. Doch in den 50er Jahren zog der Firmensitz ins schöne Remstal. Leider hat’s uns wohl nicht so gut geschmeckt, als dass daran nicht mehr gerüttelt wurde. 1994, der britische Spirituosenkonzern Allied Domecq war inzwischen Eigentümer, stand der Umzug nach Frankfurt an. 2002 wurde der hiesige Standort aufgelöst. Heute ist dort ein Gewerbepark. Doch der alte Spruch war so eigenständig geworden, dass die Ziffernfolge bis heute am größten Gebäude prangt. Mit weit mehr Merkeffekt, als es eine Hausnummer je haben könnte. Nur wurde „Jacobi“ durch „Manufaktur“ ersetzt.

Dieses Bonmot, zugehörig zu den Waiblinger Bonbons, kann nicht ganz genau datiert werden. Aber es hat schon einige Jahre auf dem Buckel.

3 Tannen Qualität

Schon 1889, Konditor Theodor Kaiser ging durch den Wald spazieren und entdeckte die heilende Kraft der Natur, explizit der jungen Tannentriebe, entstanden „Kaiser’s Brust-Caramellen mit den 3 Tannen“. Die Werbesprüche des Unternehmens wechselten seither, wie die Lieblings-Geschmacksrichtungen. Die drei Tannen aber blieben. Wie auch der Duft, der hin und wieder durch die Bahnhofstraße weht.

Da ist er wieder, der Reim:

Jope-Saft gibt Kraft. (2007)

Zwölf Jahre ist er alt und steht noch heute für die fruchtigen Flascheninhalte. In der Werbebranche ist das eine echte Ewigkeit. Andererseits stammt er doch schon aus einer Zeit, in der die Werber gerne ein bisschen weltmännischer daherkamen. Aber würde das für einen Saftproduzenten taugen, der schon seit 1927 mitten im Streuobstgebiet des Remstals, in Großheppach nämlich, die Äpfel presst?

Jope-Saft – your liquid for muscles? Lustig, aber, na ja, wir reimen lieber!


Dauerbrenner

Es ist nicht immer der Werbespruch, der hängenbleibt. Manchmal wird auch ein Bild zum ewigen Aha-Erlebnis.

Der fröhlich winkende Matrose in Blau zum Beispiel steht auf immer für? Richtig! Für das Ahoj-Brausepulver aus Geradstetten. 1925 in Stuttgart erfunden, wurde der süße Prickel bald so erfolgreich, dass ein neues Produktionsgebäude notwendig wurde. 1953 fand der Umzug statt und bis heute produziert Frigeo ausschließlich hier. Wenn auch die Eigenständigkeit aufgegeben wurde. Seit 2002 gehört der Brausehersteller dem Süßigkeiten-Riesen Katjes.

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