Rems-Murr-Kreis Wie der Kreis Touristen anlocken will

Wanderer und Radfahrer sind die Zielgruppen für den Tourismus zwischen Rems und Murr. Foto: Zürn / ZVW

Waiblingen/Welzheim. Der Tourismus boomt. Nicht zuletzt in Baden-Württemberg. Der Rems-Murr-Kreis will ein großes Stück von der Fremdenverkehrstorte abkriegen. Die Themen, mit denen das Remstal und der Schwäbische Wald punkten wollen, sind Wandern und Radfahren. Der Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages nahm den Bericht der Tourismusbeauftragten Daniela Callenius und Birgit Orner zur Kenntnis.

Tourismus ist nicht zuletzt ein Wirtschaftsfaktor. Der Fremdenverkehr im Südwesten eilt von Rekord zu Rekord. Die Übernachtungszahlen im Rems-Murr-Kreis sind zwar 2015 und 2016 leicht zurückgegangen, nachdem zwei größere Hotels schlossen. Seit 2017 geht’s nun wieder aufwärts, verspricht sich Daniela Callenius von den beiden Neueröffnungen in Waiblingen und am Ebnisee einen weiteren Schub.

Callenius’ Kollegin Birgit Orner nannte zwei Schwerpunkte, um die sich die Tourismusbeauftragten im Landratsamt kümmern: Rad- und Wandertourismus. Nach dem Stromberg-Murrtal-Radweg soll auch der Remstalradweg rechtzeitig zur Remstal-Gartenschau 2019 eine ADFC-Zertifizierung erhalten. Den Radweg im Remstal fitzumachen, sei aber nicht nur ein touristische Projekt. Es gehe auch um Sicherheit, von der die Alltagsradler profitierten. Verbessert werden solle auch die Wegweisung. Birgit Orner erhofft sich vom Zertifikat höhere Aufmerksamkeit. Zur Gartenschau soll es im Remstal geführte Touren geben.

Deutschen Wandertag soll ins Remstal kommen

Wandern ist in. Und wer nicht wandert, geht zumindest ab und zu spazieren. Der Tourismusverein Remstalroute und die Stadt Fellbach überlegen derzeit, den Deutschen Wandertag 2022 als Großereignis ins Remstal zu holen. Die Qualitätsinitiative Wandern betrifft zum einen den Schwäbischen Wald, wo vier Rundwege als Premiumwander- beziehungsweise Premiumspazierwanderwege zertifiziert werden. Zum anderen sollen im Remstal drei Spazierwanderwege künftig das Siegel „Qualitätsweg Wanderbares Deutschland“ erhalten, wozu nicht nur eine digitale Beschilderung gehört, sondern auch Instandsetzung, Möbilierung und Beschilderung der Wege mit Blick auf den Deutschen Wandertag.

Sämtliche Sehenswürdigkeiten werden digital erfasst

Schöne Natur hin, Schweiß auf der Stirn her. Wandern und Radfahren sind ohne digitale Hilfsmittel nichts mehr. Die Digitalisierung ergreift auch den Tourismus, wie das Projekt „Q-vadis – zielsicher unterwegs im Schwäbischen Wald und im Rems-Murr-Kreis“ zeigt, das von Fremdenverkehrsgemeinschaft Schwäbischer Wald, dem Naturpark und dem Rems-Murr-Kreis gemeinsam entwickelt wird. Ziel ist, die Region bis 2021 zur einer „Top-Data-Destination zu entwickeln“, heißt es in einer Vorlage für die Kreisräte. Sämtliche Sehenswürdigkeiten werden digital erfasst, die Daten bisheriger Portale wie der Wanderwalter übernommen. Bisher gebe es für die Richtigkeit von Daten im Internet keine Gewähr. Hier setze das Digitalisierungskonzept von „Q-vadis“ landesweit einmalig an. Der Nutzer solle künftig genaue und aktuelle Daten der Anbieter erhalten. Zielgruppe der Tourismusarbeit des Kreises sind Tagestouristen. Besonders Radfahrer und Wanderer übernehmen gern Tagestouren und Kurzreisen, für die das Remstal und der Schwäbische Wald für die Bewohner der Landeshauptstadt geradezu prädestiniert sind.

Beim Landwirtschaftlichen Hauptfest vom 29. September bis 7. Oktober auf dem Cannstatter Wasen präsentiert sich die Remstal-Gartenschau zusammen mit dem Naturpark Schwäbisch-Fränkischer Wald, der 2019 seinen 40. feiert, sowie den Heimattagen in Winnenden.


Nochmals 100 000 Euro für die Gartenschau

„Remsi“ hat’s ausgerissen. Das Maskottchen der Remstal-Gartenschau 2019 hat im Umwelt- und Verkehrsausschuss so eine gute Figur gemacht, dass den Kreisräten nichts anderes übrigblieb, als nochmals das Portemonnaie zu öffnen und der Gartenschaugesellschaft weitere 100 000 Euro fürs Marketing zu spendieren. Begeistert waren sie nicht. „Ja, hat man denn nicht bedacht, dass man eine Gartenschau bewerben muss?“, lautete die eher rhetorische Frage des Großerlachers Christoph Jäger, des CDU-Sprechers im Umwelt- und Verkehrsausschuss des Kreistages. „Remsi“ – ehrlicherweise: Der engagierte Vortrag von Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert – hat Jäger und seine Fraktionskollegen dann doch umgestimmt. Sie erhoffen sich von der interkommunalen Gartenschau Marketingeffekte für den Kreis, die über 2019 hinausreichen.

Bisher war der Landkreis Rems-Murr mit 220 000 Euro beteiligt. Nach dem Votum des Ausschusses sind es 100 000 Euro mehr. Diese Mittel, so Thorsten Englert, seien nötig, um die Gartenschau ordentlich bewerben zu können. Und zwar mit Themen, die auch beim Landkreis im Fokus stehen, als da wären die Wanderkonzeption, der Remstal-Radweg und das „Blühflächenprojekt Bienenroute“.

Der Landkreis hält sich bei der Gartenschau zurück. Zur Öffentlichkeitsarbeit trägt das Landratsamt mit folgenden Maßnahmen bei: Banner am Landratsamt in Waiblingen sowie Plakaten in den Außenstellen und einem Imagefilm in den Pkw-Zulassungsstellen, Hinweise auf die Gartenschau auf der Internetseite des Landratsamtes, ein Flyer sowie Willkommensschilder an den Bundesstraßen 14 und 29, die auf das Naturpark-Jubiläum, die Heimattage in Winnenden sowie die Gartenschau hinweisen.

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