Rems-Murr-Kreis Wie die Klimakrise den Wald verändert

Forstamtsleiterin Dagmar Wulfes im Gespräch mit unserer Redaktion. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Waiblingen.
Buche, Eiche, Fichte, Tanne – wenn wir an den deutschen Wald denken, haben wir ein klares Bild vor Augen. Dieses Bild wird sich im Zuge der Klimakrise auf lange Sicht ändern, sagt Dagmar Wulfes, Forstamtsleiterin in Backnang.


Das gesamte Gespräch mit Forstamtsleiterin Dagmar Wulfes hören Sie in der aktuellen Folge unseres Podcasts "Mieses Klima"


Die Bäume sind gestresst

„Wir stellen gerade fest, dass unsere wichtigsten Hauptbaumarten alle gestresst sind von den höheren Temperaturen. Es sind also nicht nur Fichte und Tanne, die man üblicherweise im Visier hat, sondern auch die Buche.“ Die Buche sei gerade im Rems-Murr-Kreis weit verbreitet und leide stark unter der Trockenheit.

Doch nicht nur die Trockenheit mache den Bäumen Probleme, so Wulfes. „Wir sehen es auch bei der Eiche. Die Eiche ist eigentlich ein tiefwurzelnder Baum, der gut mit Trockenstress zurechtkommt.“ Doch die Schädlinge, die Eichen befallen, seien „Klimawandelgewinner“, sagt die Forstamtsleiterin. „Die vermehren sich dramatisch und fressen dann die Blätter von der Eiche weg.“

Waldbrände und Stürme

Mit der Veränderung des Klimas gehe auch eine Erhöhung der Waldbrandgefahr einher, sagt die Forstamtsleiterin. Brände wie in Australien, wo innerhalb relativ kurzer Zeit ein Fünftel des Baumbestands niederbrannte, werde es im Kreis aber nicht geben. „Wenn bei uns irgendwo ein Feuer ausbricht, sind es in der Regel wenige Quadratmeter die abbrennen, bis die Feuerwehr das löscht. Weil wir schön strukturierte Mischwälder haben.“

Auch Stürme sind der Forstamtsleiterin zufolge ein Problem, das durch die Klimakrise noch verschärft werde. „Viele Bäume haben durch den Klimastress weniger Wurzelmasse. Sie sind weniger gut im Boden verankert und fallen schon bei niedrigeren Windgeschwindigkeiten um.“

Neue Bäume braucht der Wald

Was tun gegen all diese Probleme? Im Forstamt setze man für die Zukunft des Waldes eher auf Baumarten, die aus trockeneren Gegenden kommen. „Wir experimentieren zum Beispiel mit der Libanonzeder, die bei uns recht gut wächst“, sagt Wulfes. „Und wir pflanzen Baumarten wie die Elsbeere, Speierling oder die Esskastanie, die ja eigentlich in Italien beheimatet ist.“

Reibungslos laufe das momentan nicht ab, erzählt die Forstamtsleiterin. „Wir sind auf neuen Wegen unterwegs.“ Man wolle Baumarten pflanzen, die bisher gar nicht, oder nicht in größerer Menge gepflanzt worden seien. Das brauche Vorlauf.

„Wir müssen erst schauen, welche Bäume geeignet sind. Dann müssen die Baumschulen diese in der passenden Menge anziehen. Und wir können sie erst dann pflanzen, wenn wir sie in der Baumschule kaufen können.“ Da gebe es momentan Engpässe, sagt Wulfes – weil es nicht nur in Baden-Württemberg Waldschäden gibt, sondern europaweit. „Alle wollen jetzt ihre Kahlflächen wieder bepflanzen.“ Mit klimageeigneten Baumarten.

Damit ist der Wald wie wir ihn kennen Geschichte. Allerdings wird sich die Veränderung laut Wulfes erst in Jahrzehnten richtig bemerkbar machen. „Wir denken im Wald in ganz anderen Zeiträumen. Ich bin jetzt 56 Jahre alt. Ich denke, solange ich lebe wird sich das Waldbild nicht dramatisch verändern.“

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