Rems-Murr-Kreis Wie gefährlich ist Shisha-Rauchen?

Das beim Zubereiten und Rauchen von Shishas entstehende Kohlenmonoxid birgt Gefahren für die Gesundheit. Foto: Fotolia/alexeg84

Waiblingen. Ein Kohlenmonoxid-Alarm in einer Shisha-Bar in Stuttgart in der Halloween-Nacht. Nur Tage zuvor ein Erlass des Wirtschaftsministeriums, dass Behörden die Lüftungsanlagen von Shisha-Bars überprüfen sollen. Mögliche Langzeitschäden durch Shisha-Rauchen werden unterschätzt, heißt es aus dem Druckkammer-Centrum in Ludwigsburg. Dort wurden auch schon schwere Vergiftungsfälle aus dem Rems-Murr-Kreis behandelt.

Rettungssanitäter bringen Vergiftungspatienten zur Sauerstofftherapie ins Druckkammer-Centrum im Klinikum Ludwigsburg und erzählen auch schon mal von Shisha-Bar-Betreibern, die hinter vorgehaltener Hand offenbaren: „Ja, bei mir fällt häufiger mal einer um.“

Der Geschäftsführer des Druckkammer-Centrums, Ralf Schäfer, bestätigt solche Erzählungen nicht, aber durchaus die regelmäßige Behandlung von Kohlenmonoxid-Vergiftungen bei Shisha-Rauchern. „Wir behandeln lediglich sehr schwere Fälle und müssen leider alle anderen ablehnen“, so Schäfer, weil in Baden-Württemberg kein Kostenersatz für die sogenannte „Hyperbare Sauerstofftherapie“ (HBO) gewährt werde. Pro Jahr fielen 20 bis 25 Fälle von Vergiftungen durchs Shisha-Rauchen an, 30 bis 40 Fälle pro Jahr müsse das Centrum ablehnen, „da wir dafür keine Refinanzierung erhalten“. Einige wenige schwere Fälle könne er erinnern, in denen die Vergifteten aus dem Rems-Murr-Kreis kamen.

Eigenverantwortung? Kein Kommentar

Klassischerweise häufen sich solche Fälle immer an den Wochenenden. „Das liegt im Freizeitverhalten begründet“, so Schäfer. Das Altersspektrum 16 bis 35 sei hier dominierend. Die wenigsten der Shisha-Raucher wüssten offenbar, welchen Gefahren sie sich aussetzen: Das gehe bis zu einem akut lebensbedrohlichen Stadium und auch zu möglichen irreparablen Spätfolgen am Herzmuskel. „Eigentlich sollten erwachsene Menschen eigenverantwortlich handeln können. Mehr kommentieren wir hierzu nicht.“

Landes- und bundesweit gibt es vermehrt Vorfälle von Kohlenmonoxid-Vergiftungen in Shisha-Bars, begründet das Landes-Wirtschaftsministerium einen aktuellen Erlass vom 26. Oktober 2018. Den Ordnungsämtern wird auferlegt, Shisha-Bars (erneut) zu überprüfen, ob sie „ausreichend dimensionierte Lüftungsanlagen“ und CO-Warnmelder installiert haben. Ordnungsämter im Rems-Murr-Kreis bestätigten, dass sie an der Umsetzung des Erlasses arbeiten, jedoch die Vorgaben bei allen Shisha-Bars in Waiblingen (sieben), Winnenden (eine, bald zwei) und Schorndorf (eine) bereits jetzt eingehalten würden.

Nun werden nicht nur Belüftungen in Shisha-Bars überprüft

Die Zustände in der einen Shisha-Bar in Winnenden seien „grundsätzlich unproblematisch“, sagt zum Beispiel Pressesprecherin Emely Rehberger. „Die nunmehr zu erlassende Allgemeinverfügung ist jedoch sinnvoll, da sie sich an alle Gaststättenbetriebe richtet.“ Somit werde zweifelsfrei jeder derzeit bestehende Gaststättenbetrieb, in dem das Rauchen von Shishas angeboten wird – das heißt, auch solche Betriebe, die keine typischen Shisha-Bars sind –, erfasst, so Rehberger.

Und Oliver Conradt vom Waiblinger Ordnungsamt ergänzt: „Mit einer ausreichend dimensionierten Belüftungsanlage wird das Risiko einer Kohlenmonoxid-Vergiftung gebannt. Solange die Betreiber darauf achten, nicht mehr Shishas gleichzeitig anzubieten, als mit der Belüftungsanlage möglich, besteht dem Grunde nach keine direkte Gefahr einer Kohlenmonoxidvergiftung.“

Regelmäßige Kontrollen

Die eine Shisha-Bar in Schorndorf ist erst Anfang des Jahres eröffnet worden. Und für diese liege ein Dekra-Gutachten eines anerkannten Sachverständigen vor. „Dieses Gutachten bestätigt, dass die Belüftungsanlage für die Belüftung bei Nutzung von Shisha-Pfeifen ausreichend geeignet ist“, sagt Jörn Rieg von der Schorndorfer Stadtverwaltung.

Kontrollen würden aber weiterhin regelmäßig gemacht, denn: „Das beim Zubereiten und Rauchen von Shishas entstehende Kohlenmonoxid ist eine nicht zu unterschätzende Gefahr für die Gesundheit von Gästen und Beschäftigten in Shisha-Bars. Besonders gefährlich ist dabei, dass nicht zwingend in jedem Fall vorzeitige Anzeichen für eine Kohlenmonoxidvergiftung, wie Kopfschmerzen oder Übelkeit auftreten.“ Daher lege die Stadtverwaltung großen Wert auf die Einhaltung der erteilten Auflagen, so Rieg.

Im Rems-Murr-Klinikum in Winnenden „werden auch, aber selten Patienten mit einer Kohlenmonoxid-Vergiftung eingeliefert“, sagt Pressesprecherin Romana Bronner. „Meist entsteht eine solche Rauchgasvergiftung in geschlossenen Räumen ohne ausreichend Frischluftzufuhr. Auslöser sind in der Regel Abgase oder eine defekte Heizungstherme. Richtig ist, dass auch Shisha-Rauch unter Umständen zu einer Rauchgasvergiftung führen kann.“ Bisher seien derlei Fälle in den Rems-Murr-Kliniken allerdings nicht bekannt.


Besonders gefährlich: Man merkt zunächst nichts

„Beim Verglühen von Shisha-Kohle entsteht hochgiftiges Kohlenmonoxid (CO). Das farb- und geruchlose Gas vermischt sich mit der Raumluft und wird somit unbemerkt mit der Atmung in den Körper aufgenommen. Über die Lunge gelangt das Kohlenstoffmonoxid ins Blut. Dort verhindert es den Sauerstofftransport und kann daher zu schwerwiegenden gesundheitlichen Schäden führen, im schlimmsten Fall sogar zum Tod“, schreibt das Landes-Wirtschaftsministerium als Begründung für seinen Erlass vom 26. Oktober.

„Da der menschliche Körper das Kohlenstoffmonoxid erst circa sechs Monate nach der Aufnahme wieder ausscheiden kann, kommt es bei regelmäßigem Einatmen entsprechend belasteter Luft zu einer Anreicherung des Stoffs im Blut. Aus diesem Grund können die gravierenden Folgen im Einzelfall selbst dann eintreten, wenn die betroffene Person nicht akut einer hohen CO-Konzentration in der Atemluft ausgesetzt ist.“

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