Rems-Murr-Kreis Zu gebrechlich für die Kehrwoche

Im Alter fällt sie immer schwerer: Die Kehrwoche. Foto: Fotolia/Irina Drazowa-Fischer

Waiblingen. Für Senioren wird mit zunehmendem Alter die Kehrwoche immer anstrengender. Viele Dienstleistungsfirmen bieten keine Hilfe für Einzelpersonen, sondern nur für große Gebäudeanlagen. Die meisten sozialen Organisationen im Rems-Murr-Kreis leiden zudem an Personalmangel und können sich deshalb nur um die schwerwiegenden Fälle kümmern.

Emma Maier und ihr Mann Günther (Namen geändert) sind inzwischen 75 und 80 Jahre alt. Die beiden Senioren wohnen in einer Eigentumswohnung in einem Mehrfamilienhaus im Remstal. Wie alle guten Schwaben machen auch sie immer gewissenhaft ihre Kehrwoche. Doch so langsam wird diese Aufgabe immer anstrengender: „Wir können es zwar noch machen, aber es fällt uns wirklich schwer“, sagt die alte Dame. Vor allem die Außenanlage des Wohnhauses ist für das Ehepaar nicht mehr einfach. Früher säuberte diese vor allem der Ehemann, doch inzwischen müssen sie es zu zweit machen. Während Günther sich dann um den Weg kümmert, macht Emma auf den gut 30 Stufen zur Haustüre sauber. Dabei kann es auch mal sein, dass sie sich verletzt und den Fuß umknickt, so wie es vor kurzer Zeit erst passierte. Nach 30 bis 45 Minuten ist das Ehepaar fertig.

Hilfe zu bekommen ist schwer. Ihren Sohn fragen will sie nicht. Dieser hat ja selbst mit seiner Kehrwoche zu tun. Dazu kommen noch der eigene Haushalt, Familie und Beruf, um den er sich kümmern muss. „Man will seine Kinder ja auch nicht belasten“, sagt Emma Maier. Die Nachbarn zu bitten, komme auch nicht infrage: Zum einen versteht man sich nicht so gut mit ihnen und zum anderen will man diese ja auch nicht belästigen, denn sie haben ebenfalls viel zu tun. In den Nachbarhäusern putzt eine Firma und kümmert sich um die Kehrwoche. Bei dieser hat man angefragt, aber die Maiers bekamen als Antwort nur, dass sich das nicht lohnen würde und sie sich nur um große Anlagen kümmern würden.

Für Hausdienstleister lohnen sich nur größere Aufträge

„Ich meine, wo jetzt die Menschen immer älter werden, müsste man hier doch Abhilfe schaffen können. Die jungen Leute machen ihre Kehrwoche noch selber, aber die Älteren schaffen das manchmal eben nicht mehr.“ Emma Maier betont: „Wir würden selbstverständlich dafür zahlen.“

Andere Hausdienstleister sagen dasselbe wie die Firma, mit der Frau Maier telefonierte. Es lohnt sich für sie nicht, wenn sie nur alle paar Wochen einmal ein kleines Einfamilienhaus putzen müssen. Dazu ist der Aufwand durch Anfahrt, Personal und Geräte einfach zu groß. Das ergab eine kleine telefonische Umfrage.

Mehrere soziale Organisationen betreiben zwar Nachbarschaftshilfe; sie eint aber ein Problem: Personalmangel. So sagt Heike Dietrich von der Diakonie in Waiblingen, dass sie zwar gerne den Dienst der Nachbarschaftshilfe anbieten würden, ihnen aber schlicht die Kapazitäten fehlen. Der Vorteil ihres theoretischen Angebotes ist, dass ein Teil der Kosten die Pflegeversicherung übernehmen würde, wenn ein Pflegegrad vorhanden ist, und es kaum Voraussetzungen gibt, um diese Hilfe in Anspruch zu nehmen. Sie kümmern sich aber nur um die Innenräume.

Im Bezug auf die Kehrwoche bleibt Nachbarschafthilfe nur Theorie

Auch die Diakonie in Schorndorf klagt über Personalmangel. Annegret Geserik meint zudem, dass es kaum Nachfrage nach Haushaltshilfen gebe. Man kümmert sich vor allem um Menschen mit Pflegestufen, aber hilft eben auch im Haushalt, wenn dies gewünscht ist. Dann ist dies aber auch eher Putzen, Einkaufen, Haushaltserledigungen und weniger die bloße Kehrwoche. Dazu kommt noch, dass die Diakonie strikte Grenzen hat. Ein Ehepaar aus Waiblingen dürfte also die Nachbarschaftshilfe aus Schorndorf gar nicht in Anspruch nehmen, da sie in einem anderen Gebiet leben.

Bei den Maltesern sieht es auch nicht viel besser aus: Florian Hambach gibt an, dass sie gar keine Nachbarschaftshilfe im Rems-Murr-Kreis anbieten, da auch hier schlichtweg die Ehrenamtlichen fehlen. Das Deutsche Rote Kreuz im Rems-Murr-Kreis hat ebenfalls keine Kapazitäten, sagt ein Sprecher. Das DRK bietet Nachbarschaftshilfe zwar an, habe aber kaum Mitarbeiter übrig, die sie zu den Senioren schicken könnten. Das DRK hilft theoretisch Menschen mit und ohne Pflegegrad. Sie betonen aber, dass sie nur die oberflächige Reinigung machen. Tiefgehende Putzarbeiten machen sie nicht.

Eine Mitarbeiterin der Sozialstation der Katholischen Kirche in Schorndorf erklärt: „Bei der Nachbarschaftshilfe geht es auch eher um das Betreuen.“ So ist ihr Augenmerk eher darauf, sich mit den Senioren zu unterhalten, mit ihnen rauszugehen, ihnen bei Behördengängen zu helfen und vieles weitere. Putzen könnte man zwar auch dazuzählen, aber es gehört eher weniger zur klassischen Haushaltshilfe. Da würde man eher zu einer professionellen Putzfrau raten, die bei einer Pflegestufe auch die Pflegeversicherung mitzahlen würde.

Die Rechtslage

Michael Stumpp von der Rechtsanwaltskanzlei Mackh/Lang in Weinstadt erläutert, dass die Kehrwoche zwar in keinem Gesetz verankert ist, aber trotzdem gemacht werden müsse, wenn sie in der Hausordnung oder von der Wohneigentümergemeinschaft festgelegt wurde. Als Wohneigentümer könnten die anderen Eigentümer beschließen, dass ein Reinigungsdienst angestellt wird, von dem die Kosten dann der Wohneigentümer übernehmen muss. Vor allem als Mieter kann das Vernachlässigen der Kehrwoche ein Bruch des Mietvertrages sein und somit zu einer Abmahnung und im schlimmsten Fall sogar zu einer Kündigung führen, so Stumpp.

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