Rems-Murr-Kreis Zwei Millionen Besucher bei der Remstal-Gartenschau

Das ist die Zahl, die Geschäftsführer Thorsten Englert im Rahmen einer Abschlussfahrt genannt hat, bei der die Teilnehmer wie etwa die Urbacher Bürgermeisterin Martina Ferlen und der Gmünder Oberbürgermeister Richard Arnold auch Gelegenheit hatte, sich, beäugt von Remsi, als Lesehelfer zu versuchen. Foto: ZVW/Benjamin Büttner

Weinstadt/Schorndorf. Diese Zahl hat sich Gartenschau-Geschäftsführer Thorsten Englert bei der Abschluss-Pressekonferenz auf der Luitenbächer Höhe in Weinstadt bis zum Schluss aufgehoben: Rund zwei Millionen Menschen haben in den vergangenen Monaten die Remstal-Gartenschau in den 16 Kommunen zwischen Essingen und Remseck bevölkert, allein für die Erlebnisgärten in Schorndorf und Schwäbisch Gmünd wurden rund eine Million Tickets verkauft.

Kein Wunder, dass bei der von Weinstadt nach Waiblingen – dort findet am Samstag, 19. Oktober, die offizielle Schlussfeier der Remstal-Gartenschau statt – führenden Abschlussfahrt die Teilnehmerinnen und Teilnehmer mit der Herbstsonne um die Wette strahlten und gar nicht genug der Superlative finden konnten. Viel war von Hotspots die Rede. Der Weinstädter Oberbürgermeister Michael Scharmann schwärmte vom neuen Remstal-Hotspot Luitenbächer Höhe, der an 20 Wochenenden 45 000 Besucher angelockt habe, die ihrerseits insgesamt 18 000 Flaschen Wein getrunken hätten.

Eine Zahl, die Staatssekretärin Friedlinde Gurr-Hirsch als ehemaliger Weinkönigin Respekt abnötigte. „Hier ist Herzblut geflossen“, attestierte sie allen, die zum Gelingen der Remstal-Gartenschau beigetragen und gezeigt hätten, „wie’s geht“, und den Beweis dafür geliefert hätten, „dass Gartenschau nichts Altmodisches ist“ – erst recht nicht, wenn sie sich in einem so spannenden Format präsentiere, wie das im Remstal der Fall gewesen sei. Von einem „Solidaritätsprojekt“ zwischen den größeren und den kleineren Kommunen, von dem vor allem die kleineren in besonderer Weise profitiert hätten, sprach der Vorsitzende des Verbands Region Stuttgart, Thomas Bopp, und stellte mit Blick auf Bürgermeisterin Martina Fehrlen fest: „Urbach wäre sonst nie zu einem Hotspot des Holzbaus geworden.“ Und aus Sicht von Thorsten Englert, der auch den bei einer Partnerschafts-Jubiläumsfeier in Tulle weilenden Aufsichtsratsvorsitzenden der Remstal-Gartenschau, den Schorndorfer Oberbürgermeister Matthias Klopfer, vertrat, hat sich das ganze Remstal zu einem Hotspot in der Region entwickelt.

2020 soll es laut Thorsten Englert einen „Remstal-Sommer“ geben

Er könne es noch gar nicht glauben, dass die Remstal-Gartenschau schon fast wieder vorbei sei, sagte Thorsten Englert, der sich eine solche Resonanz auf die Gartenschau mit ihren rund 10 000 Einzelveranstaltungen in seinen kühnsten Träumen nicht hat vorstellen können. Mindestens aber genauso wichtig wie die Besucherzahlen sei das neue Wir-Gefühl, das sich im Remstal entwickelt habe, meinte Englert, wohl wissend, dass allüberall die Spannung groß ist, was das alles für die Zukunft heißt. 2020 jedenfalls werde es einen „Remstal-Sommer“ geben, kündigte der Gartenschau-Geschäftsführer an, der aber noch nicht mehr verraten wollte.

Der Weinstädter Oberbürgermeister Scharmann als Gastgeber des Empfangs auf der Luitenbächer Höhe jedenfalls ist davon überzeugt, „dass der Riesenerfolg der Gartenschau das Remstal auch in den kommenden Jahren voranbringen wird“. „Das Remstal hat sich als Naherholungsraum etabliert“, sagte Thomas Bopp und wies darauf hin, dass in den letzten Jahren und Monaten nicht nur Gebäude und Plätze, sondern auch neue Freundschaften entstanden seien. Und besondere Verdienste habe sich da der Schorndorfer Oberbürgermeister erworben, der den Laden immer dann zusammengehalten und den Karren weitergezogen habe, wenn’s mal wieder schwierig geworden sei.

Remstal könnte beispielgebend für andere Raumschaften sein

„Das Schöne an dieser Gartenschau ist, dass Sie immer beieinandergeblieben sind“, sagte Staatssekretärin Gurr-Hirsch mit Blick darauf, dass sich niemand zum Nachteil von anderen in den Vordergrund gespielt habe. Und so dürften sich auch alle 16 beteiligten Kommunen als Gewinner fühlen. Bezogen aufs Remstal hätten die zurückliegenden Monate der Raumschaft eine neue Identifikation gegeben und die Rems als standortprägende Lebensader ins Blickfeld gerückt, sagte die Staatssekretärin und bescheinigte den 16 Kommunen, sie seien „regelrecht zu einer Ideenschmiede geworden“.

Darüber hinaus habe sich die Remstal-Gartenschau auch als tolles Instrument zur Weckung beziehungsweise Verstärkung des gesellschaftlichen Engagements und Miteinanders entwickelt, sagte Friedlinde Gurr-Hirsch, die sich wünschen würde, dass die Remstal-Gartenschau auch ein Ansporn für andere Raumschaften in Baden-Württemberg sein könnte, sich auf ein solches Wagnis einzulassen. Wobei freilich auch die Staatssekretärin im Ministerium für Ernährung und Ländlichen Raum keinen Hehl daraus machte, dass sie den Remstälern einen solch überwältigenden Erfolg nicht zugetraut hat. „Wir haben Neuland betreten, und das hat sich absolut gelohnt“, bewertete Thorsten Englert sichtlich stolz das Ergebnis der Gartenschau.

Noch ein paar Zahlen

  • Auf der Kanuroute zwischen Weinstadt und Waiblingen sind von Juni bis September 3000 Paddler gezählt worden.
  • Auf dem Remstal-Radweg waren zu Spitzenzeiten an einzelnen Orten bis zu 200 Radler pro Stunde unterwegs.
  • 70 000 Besucher haben sich die Tiny-House-Ausstellung in Weinstadt angeschaut, in Kernen wurden bei der Herzoglichen Kugelbahn 40 000 Murmeln verkauft.
  • Im Park am alten Bahndamm in Böbingen, einer der kleinsten Gartenschau-Kommunen, wurden allein 100 000 Besucher registriert.
  • Insgesamt wurden über 72 000 Dauerkarten für die eintrittspflichtigen Bereiche in Schorndorf und Schwäbisch Gmünd verkauft.
  • Und von der Gartenschau-Genussedition gingen rund 16 500 Flaschen über die Verkaufstheke der Fellbacher Weingärtner.
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