Rems-Murr-Rundschau Schorndorferin sortiert Essen

Angelika Trump aus Schorndorf hat eine Ampel-Lebensmitteltabelle entwickelt: Wer wie sie an einer Lebensmittelunverträglichkeit leidet, kann daraus ablesen, mit welchem Essen die Architektin gut klarkommt – und mit welchen nicht. Bild: Pavlovi Foto: ZVW

Angelika Trump möchte anderen helfen, die auch mit einer Lebensmittelunverträglichkeit klarkommen müssen

Schorndorf. Angelika Trump bleibt fröhlich – trotz allem. Es dauerte lang, bis ihr Problem erkannt war: Eine Lebensmittelunverträglichkeit zwingt sie zu strenger Diät. Die Schorndorferin gründete nun eine Selbsthilfegruppe.

Angelika Trump plagte sich lange mit Magen-Darm-Problemen, diversen Infekten, Triefnase und Versagen der Stimme. Selbst Untersuchungen nach einer bedrohlichen Darmblutung erbrachten nicht die richtige Diagnose. Ihr Sohn studiert Medizin und horchte auf, als es in einer Vorlesung um Histamin-Intoleranz ging: Mutter, das ist es.

Stimmt. Seit einem Jahr hat die Schorndorferin Gewissheit, und seitdem erweitert sie ihr Fachwissen über diese besondere Form einer Lebensmittelunverträglichkeit. Vor Selbstversuchen gar schreckt die Architektin nicht zurück: Angelika Trump hat zum Teil schlicht an sich selbst getestet, ob ihr Körper dies oder jenes Lebensmittel akzeptiert oder nicht.

Das Ergebnis ihrer Forschung beeindruckt: Eine umfangreiche Ampeltabelle ordnet einer langen Reihe von Lebensmitteln Rot, Gelb oder Grün zu. Krakauer, Rollmops, Zwieback, Zitrusfrüchte, Tomaten, Sojaprodukte oder Schokolade – durchweg rot. Geht gar nicht. Rhabarber, Mais, Apfelkraut, Joghurt, Rindfleisch, Kräutertee und Heilbutt – durchweg grün. Tut gut.

Nur strenge Diät hilft, das ist Angelika Trumps Erfahrung. Ihr Wissen, ihre Ampel-Tabelle, ihre Erfahrung möchte sie mit anderen Betroffenen teilen. In ganz Deutschland gebe es bisher keine Selbsthilfegruppe für Betroffene – weshalb Trump jetzt eine gegründet hat.

Konsequente Diät lindert die Beschwerden

Die Schorndorferin war lange im Kulturforum engagiert, gibt seit Jahren künstlerische Kurse an der Volkshochschule, macht bei den Schorndorfer Weibern mit, arbeitet als Architektin – Sofasitzen passt zu ihr nicht. Weshalb sie ihr Ziel, die Selbsthilfegruppe auf den Weg zu bringen, nun mit gewohntem Feuereifer angeht. Vielleicht kümmern sich gar Studenten an der Uni Hohenheim um fundierten Rat, wie Kranke im Alltag besser mit dieser Lebensmittelunverträglichkeit umgehen können. Eine Anfrage bei der Uni läuft.

Klare Vorstellungen, welche Regeln die Arbeit der Selbsthilfegruppe bestimmen sollen, sind ebenfalls bereits formuliert: Wie lässt sich der Alltag erleichtern, welche Kochrezepte kommen trotz stark eingeschränkter Lebensmittelauswahl infrage, wo gibt’s die besten Infos zu dieser seltenen Krankheit und wie kann Öffentlichkeitsarbeit Kranken helfen – darum geht’s.

Knapp ein Prozent der europäischen Bevölkerung leidet vermutlich an Histamin-Intoleranz. Frauen seien weitaus häufiger betroffen, heißt es. Meist dauert es wegen der unübersichtlichen Symptome lange, bis die richtige Diagnose gestellt ist. Trump nennt unter anderem Kopfschmerzen bis hin zu Migräneattacken, Herzklopfen, Schwindelgefühl, eine ständig verstopfte Nase, Halsschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Schlafstörungen und Juckreiz als „übliche Unverträglichkeitsreaktionen“. Erkennt niemand das wahre Problem, drohen Folgekrankheiten, sagt Trump. Ihr selbst geht es besser, seit sie konsequent Diät hält: „Man wird kreativ und erfinderisch“ – vorausschauend sowieso: Bevor sich die Architektin etwa bei Familienfeiern in einem Restaurant an den Tisch setzt, redet sie mit dem Koch.

Dass Frauen sehr viel häufiger im Laufe ihres Lebens eine Histamin-Intoleranz entwickeln, könnte mit Hormonen zu tun haben. Zudem steigt bei einer Schwangerschaft das Enzym, welches im Körper Histamin abbaut, um ein Vielfaches an.

Die Krankheit ist nicht zu verwechseln mit einer Allergie; vielmehr handelt es sich um eine Abbaustörung: Im Körper herrscht Mangel an einem bestimmten Enzym, welches das Histamin im Körper abbaut. Histamin ist in vielen Lebensmitteln enthalten. Vereinfacht ausgedrückt, ist Histamin ein Eiweißbaustein.

Je nach Frische der Lebensmittel schwankt der Histamin-Gehalt. Histamin ist ein Stoff, der an vielen Funktionen des Körpers beteiligt ist und im Körper des Menschen ganz natürlich entsteht – deshalb haben es Menschen, die diesen Stoff nicht richtig abbauen können, mit dieser großen Bandbreite an Symptomen zu tun.

 

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