Rems-Murr-Sport Bezirksjugendleiter Agazio - der Jungspund unter den Fußball-Funktionären

Mit Enthusiasmus Schiedsrichter und mittlerweile auch Bezirksjugendleiter: Antonio Agazio. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Antonio Agazio aus Winnenden ist erst 27 Jahre alt und doch schon Jugendleiter im Bezirk Rems-Murr. Seit elf Jahren ist er bereits Schiedsrichter und pfeift Aktivenspiele bis zur Landesliga. Während er mit seinem Funktionärsamt hochzufrieden ist, machen ihm Einsätze bei Jugendspielen nicht immer nur Freude. Wir haben ihm eine paar persönliche Fragen gestellt und einige zu seinem Amt.

Essen mit Cristiano Ronaldo

Herr Agazio. Wenn Sie unter allen Menschen auf der Welt wählen könnten, wen würden sie gerne zum Essen einladen?
Cristiano Ronaldo.

Was macht für Sie einen perfekten Tag aus?
Wenn alles glatt läuft. Ich stehe motiviert auf, überlege mir, was heute wichtig ist, und wie ich die Menschen im Wunnebad, wo ich arbeite, glücklich machen kann.

Was ist Ihre liebste Erinnerung?
Die Beach-Party im Wunnebad 2016. Ich hatte das alles gemanagt, und die Aufsichtsräte der Stadtwerke und die Geschäftsführung waren sehr stolz auf mich.

Und die schrecklichste?
Das war am selben Tag, weil ich gedacht habe, ich verlier jetzt meinen Job. Ein Flüchtling ist von einer Rampe gestürzt, hat sich am Kopf verletzt und erst einmal regungslos liegengeblieben. Es war aber dann doch nicht so schlimm.

Wenn Sie morgen mit einer zusätzlichen Eigenschaft aufwachen könnten, welche wäre das?
Zehn Zentimeter größer zu sein. Ich bin nur 1,70 m groß.

Agazio, der Sänger

Wann haben Sie zum letzten Mal gesungen?
Heute Morgen. Ich singe gerne, auch im Büro, um die Leute in Stimmung zu bringen.

Wenn Sie irgendetwas an Ihrer Erziehung ändern könnten, was wäre das?
Meine sehr offene und direkte Art, manchmal zu direkte Art etwas zurückschrauben.

Erst acht Jahre alt, aber jeden Tag als Schiri aktiv

„Schiedsrichter zu sein, ist für mich alles. Ich werde das bis zum letzten Tag meines Lebens machen“, sagt Antonio Agazio. Wer weiß, wie Agazio begonnen hat, wundert sich über diesen Satz nicht. Acht Jahre war er alt, Zweitklässler in der Winnender Kastenschule, als ihn einer der – älteren – Jungen, die tagtäglich dort auf dem Pausenhof kickten, ansprach: Du könntest doch unser Schiedsrichter sein. „Das war ich dann acht Jahre lang“, sagt Agazio. „Jeden Tag habe ich von 14 Uhr bis 19.30 Uhr gepfiffen, bei jedem Wetter. Das war meine Kindheit.“

Mit jungen Fußballern hat er auch heute noch als Schiedsrichter zu tun – und nun auch als Bezirksjugendleiter.

Der Umgang miteinander ist aggressiver geworden

Herr Agazio, wie sieht's  heute bei Jugendspielen der Disziplin aus?
Da hat sich leider viel getan. Da fehlt es an Pünktlichkeit, der Umgang miteinander hat sich verschlechtert, ist aggressiver geworden. Die Leute sind nicht mehr so entspannt wie früher. Der äußere Einfluss durch Eltern, Trainer und Betreuer aufs Spiel wird immer gravierender.

Woran liegt das?
Ich will nicht alles auf Social Media oder Play Station schieben, aber das hat schon großen Einfluss. Auch die Texte der aktuellen Musik leisten einen Beitrag dazu, dass es keinen Respekt mehr gibt vor Trainern, Schiedsrichtern und Gegner.

Wie viel Zeit müssen Sie pro Woche in die Arbeit als Bezirksjugendleiter investieren?
Auf jeden Fall viel mehr als die vier bis fünf Stunden, die in der Stellenbeschreibung angesetzt sind. Aber ich habe ein tolles Team habe, das mir hilft. Mein Stellvertreter Tobias Müller beispielsweise ist 24 Stunden am Tag für mich da. 

Die Rems-Murr-Jugendteams sind besser als die Rems-Murr-Aktiven

Wo steht der Bezirk Rems-Murr im Vergleich mit anderen Bezirken?
Die Aktiven sind, was die sportliche Leistungsfähigkeit betrifft, schwächer als die anderen Bezirke. Wir haben aber eine sehr starke Jugendarbeit. FSV Waiblingen, SV Fellbach, TSG Backnang oder BSB Berglen sind Aushängeschilder. Viele Talente beim VfB, Hoffenheim oder bei Heidenheim kommen aus dem Rems-Murr-Kreis. Beispielsweise Leon Dajaku aus Rommelshausen, der schon zweimal beim VfB in der Bundesliga gespielt hat.

Alles bestens also bei der Fußballjugend?
Nein, leider nicht. Die Zahlen gehen zurück, sogar schon bei Bambini und F-Jugendlichen. Und bei den Mädchen sieht es noch schlimmer aus. Wir versuchen, das mit Aktionen wie dem Mädchentag zu verbessern, aber es gelingt im Moment nicht.

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