Rems-Murr-Sport Bezirksligist SV Remshalden ist wieder auf Kurs

Tobia Portolano (links), hier im Luftkampf mit Daniel Berkowitsch vom TSV Nellmersbach, ist einer der Spieler, die aus der Kreisliga kamen, sich aber in der Bezirksligamannschaft der SVR durchgesetzt haben Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Es sah schlecht aus für die SV Remshalden in der Fußball-Bezirksliga. Von Platz eins zum Saisonstart aus ging es steil bergab bis auf Platz zehn, die Abstiegsränge kamen immer näher. Neun Spiele und einen Trainerwechsel später sind die Remshaldener Fünfter und offenbar wieder auf einem erfolgversprechenden Kurs.

Abteilungsleiter Michael Sixt: Ein Platz im ersten Drittel

Mit Platz fünf nach 23 Spieltagen ist SVR-Abteilungsleiter Michael Sixt zwar „sehr zufrieden“, dass er mit Matthias Paluszek schon einen Trainer entlassen musste, hat ihm weniger gefallen. Paluszek jedoch hatte es auch schwer gehabt. Er folgte auf Matthias Veigele, der in gleich zwei Perioden die SV Remshalden geprägt hat (siehe unten). Paluszek startet zwar erfolgreich (zehn Punkte nach vier Spieltagen), doch nach weiteren neun Spielen mit nur einem Sieg und zwei Unentschieden musste er im November gehen. Sascha Ricker und Ingo Volk übernahmen die Mannschaft als Interimslösung. Die erwies sich jedoch als so gut, dass sie beibehalten wurde, wenngleich Volk sich mittlerweile wieder auf seine Arbeit als sportlicher Leiter konzentriert und als Co-Trainer Marcel Runck engagiert wurde.

„Unser Ziel ist es, uns immer im ersten Tabellendrittel zu platzieren“, sagt Sixt. „Das werden wir auch diesmal wieder schaffen.“ Und das, obwohl sich mit Naoufel Jaouadi im Winter auch der beste Torschütze (zur SG Weinstadt) verabschiedet hat. Das, so Sixt, sei zwar ein Verlust, allerdings habe Jaouadi nicht mehr regelmäßig trainieren können und der Wechsel wäre zum Saisonende wohl ohnehin vollzogen worden. Jaouadi ist 35, „jetzt bekommen junge Spieler wie zum Beispiel Philipp Stengel mehr Einsatzzeiten.“ Die Verjüngung im sportlichen Bereich (auch der Trainer der zweiten Mannschaft, Manuel Schneider ist erst 26 Jahre alt, sein Co-Trainer Alper Secilmis 28), ist das eine, für Sixt sind zwei andere Themen noch wichtiger. Zum einen die Infrastruktur. Die SVR hat zwei Plätze in Geradstetten und einen in Grunbach, allerdings: „Unsere Anlage ist in die Jahre gekommen.“ Sie müsse dringend erneuert werden. Als Erstes wird der Kunstrasenplatz renoviert, es brauche aber auch ein Gesamt-Sportstätten-Konzept. An dem, so Sixt, arbeiten derzeit Verein und Stadtverwaltung.

Punkt zwei ist die Jugendarbeit. Die SVR ist eine Spielgemeinschaft mit dem VfL Winterbach eingegangen, von den D- bis zu den A-Junioren. „Die Chemie zwischen den Verantwortlichen stimmt, das ist eine gute Sache“, sagt Sixt. Die Kooperation, so hofft er, möge über Jahre hinweg halten. Über eine gute Jugendarbeit sollen die aktiven Teams gefüttert werden. Die zweite Mannschaft schließlich, aktuell Dritter in der Kreisliga B III, soll über kurz oder lang auch eine Klasse nach oben klettern.

Trainer Sascha Ricker: Zurück zu alten Tugenden

Sascha Ricker (31) hat die zweite Mannschaft vor „sieben, acht Jahren“, als es bei der SV Remshalden nicht nur sportlich schlecht aussah, mit aufgebaut: Es gab keinen Vorsitzender, keinen Abteilungsleiter, alles schien zusammenzubrechen. Die Lage hat sich mittlerweile deutlich verbessert. Die SVR ist im Bereich ehrenamtliche Helfer gut aufgestellt. Ricker wechselte 2015 als Co-Trainer von Matthias Veigele zur ersten Mannschaft, seit November 2018 ist deren Cheftrainer.

Was hat er verändert, als er das Team nun von Matthias Paluszek übernahm? „Eigentlich nichts“, sagt Ricker. „Wir sind zurückgekehrt zu unseren Grundtugenden. Wir sind immer als Team erfolgreich gewesen, als Einheit aufgetreten.“ Das habe auch jetzt sehr schnell wieder funktioniert.

Im neuen Jahr lief’s zwar zunächst – punktemäßig – nicht so gut. „Aber wir haben gut gespielt.“ Verletzungen sorgten zudem dafür, dass die Aufstellung immer wieder geändert werden musste. „Jetzt haben wir zweimal mit der gleichen Startelf begonnen und zweimal gewonnen.“ 2:1 gegen Hößlinswart und 3:1 gegen Fellbach II.

Ziel ist, möglich Platz fünf zu halten. Ricker: „Insgesamt aber sehe ich das Jahr als Entwicklungsschritt.“ Junge Spieler wie Marcel Gischnewski (20) und Philipp Stengel (20) aus der eigenen Jugend werden an die Bezirksliga herangeführt, genauso Tobia Portolano und Patrick Schandl, die aus der Kreisliga zur SVR kamen. „Wir wollen uns fußballerisch weiterentwickeln und mit dem Ergebnis bin ich bisher super zufrieden.“

Spielführer Kai Mayerle: Pause nach der Saison

Kai Mayerle (28) sieht das grundsätzlich genauso. Obwohl der Spielführer ursprünglich die Hoffnung gehabt hatte, dass die SVR weiter vorne mitmischen kann. Trotz teilweise guter Zwischenergebnisse sei es in den vergangenen Jahren nicht gelungen, um Platz eins oder zwei mitzuspielen (die SV landete jeweils zwischen Platz drei und fünf). Ganz vorne mitmischen, dabei hätte Mayerle auch deshalb gerne mitgemacht, weil er nach Saisonende ein Jahr lang aus privaten Gründen pausiert.

Nun ist es anders gekommen, und die „Identifikationsfigur“ (Ricker) konzentriert sich darauf, „die Entwicklungsphase“, in der er das Team sieht, voranzubringen. Die Mannschaft sei zwar in Teilen noch unerfahren, aber sie lerne dazu. Was Mayerle besonders gefällt: „Wir suchen immer die spielerische Lösung, und wir haben die Qualität dazu.“ Auch wenn es nicht immer gelinge.

Die Mannschaft sieht er als „verschwornen Haufen“. Seit Jahren werde sie um einen harten Kern gebildet, der sich durch Neuzugänge, die sich wohlfühlen und bleiben, stetig erweitert und so für Konstanz sorge. Jetzt gehe es zwar nicht um eine Topplatzierung, sondern darum, die Jungen und die Spieler, die aus der Kreisliga gekommen sind, einzubauen. Darin sieht Mayerle die SVR auf einem guten Weg.

Die Siege in den beiden zurückliegenden Spielen haben der SVR Platz fünf beschert. Und der soll gehalten werden. Denn wenn es irgendwann nur noch um Platz zehn geht, so Mayerle, fehle ihm die Spannung. Und die hätte er jetzt doch ganz gerne. Schließlich steht ihm danach ein fußballerisches Ruhejahr bevor.

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Die Sportvereinigung Remshalden zählt zu den Vereinen, die am längsten in der Bezirksliga spielen. 1991 aus den SF Geradstetten und dem VfL Grunbach hervorgegangen, stieg die SV 1993 in die Bezirksliga auf, und 2005 schließlich für ein Jahr in die Landesliga.
Nach oben gebracht hat die SVR Matthias Veigele, der von 1999 bis 2006 und 2012 bis 2018 in Remshalden verantwortlich war. Zwischen 2014 und 18 landeten die SV immer zwischen Platz drei und fünf. 2018 stand die SVR im Bezirkspokalfinale, unterlag aber der SG Schorndorf.
Nach Veigeles Rückzug war innerhalb der SVR allen klar, dass es für den Nachfolger schwer werden würde. Matthias Paluszek wird von allen großer Einsatz attestiert, niemand kritisiert ihn, die Ergebnisse jedoch zwangen schließlich zum Handeln.
Sascha Ricker arbeitete bereits als Jugendtrainer bei der SVR, später als Coach der zweiten Mannschaft und Co-Trainer der ersten. Seit elf Jahren ist er Trainer, derzeit besucht er die Lehrgänge zur B-Lizenz.
Aktuell erfolgreichster Torschütze der Remshaldener ist Naoufel Jaouadi, der mittlerweile zur SG Weinstadt gewechselt ist, mit 13 Treffern. Tobia Portolano, Lionello Zaino (fünf Treffer) folgen schon mit einigem Abstand.
 

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