Rems-Murr-Sport Dario Nieswandt: Eben noch Stammtorwart, plötzlich nur noch Zuschauer

Da war noch alles in Ordnung: Torwart Dario Nieswandt vom SV Breuningsweiler im Landesligaspiel gegen den TV Pflugfelden. Foto: Volker Mueller
Dario Nieswandt, Torhüter beim SV Breuningsweiler, hat ein großes Ziel: in der Fußball-Verbandsliga spielen. Er war auf dem besten Weg dahin. Mit dem SVB stieg er auf von der Kreisliga bis in die Verbandsliga – und dann verletzte er sich. Sein Team spielte Verbandsliga, er musste zuschauen. Wie hat er das erlebt?

24 Jahre alt ist Dario Nieswandt, stammt aus Aspach, spielte bei der TSG Backnang in der B-Junioren-Oberliga, später im Kader von Verbandsligist SG Sonnenhof Großaspach II für kurze Zeit Verbandsliga. „Ich bin von dort weggegangen mit dem Ziel, irgendwann wieder Verbandsliga zuspielen.“ 20 Jahre alt war er, wechselte in der Winterpause zum Bezirksligisten SV Ingersheim, kam 2015 zum SV Breuningsweiler, als der noch in der Kreisliga A kickte. Dort ging es stetig bergauf, bis Nieswandts Ziel erreicht war: Verbandsliga. Für ihn aber begann eine Zeit, „die wünsche ich niemandem“. Eine Vorrunde, die er zusammenfasst als „Scheiß-Erinnerung“.

Herr Nieswandt, wann haben Sie sich verletzt?

Das war im Trainingslager, zumindest war das der Anfang. Ich hätte pausieren sollen, habe aber trotzdem weitergemacht, weil ich das Ziel Verbandsliga vor mir gesehen habe.

Dann kam das Verbandspokalspiel in Allmersbach.

Und ich musste nach 72 Minuten aufgeben.

Wussten Sie gleich, dass es eine schwere Verletzung ist?

Vor der MRT hatte ich noch Hoffnung, dass es vielleicht nur eine Zerrung im Adduktorenbereich ist, maximal ein Muskelfaserriss. Aber dass ein ganzes Bündel gerissen ist, damit habe ich nicht gerechnet.

Was hat der Arzt gesagt?

Zwei bis vier Monate Pause.

Eine Scheiß-Erinnerung

Wie haben Sie die Zeit danach erlebt?

Das ist eine Scheiß-Erinnerung. Man würde der Mannschaft gerne helfen, kann aber nicht. Ich war trotzdem bei jedem Spiel dabei.

Nun steht aber der Konkurrent im Tor (anfangs Dennis Jung, später Luther Brice Adem Labem). Kommt da Angst auf, den Stammplatz zu verlieren?

Eine gewisse Angst ist immer dabei. Aber ich habe mich über jede Parade der anderen gefreut. Vor allem bei Dennis Jung. Wir kennen uns schon einige Zeit, da ist eine Freundschaft entstanden. Wir Torhüter sind zwar im Training Konkurrenten, aber im Spiel gehört der andere auch zu meiner Mannschaft.

Wie ging es Ihrer Psyche?

Ich war down, traurig. Ich habe ja vorher in Ingersheim und auch Breuningsweiler immer gespielt.

Litt auch die Freundin?

Hat die Freundin auch darunter leiden müssen?

Meiner Meinung nach nicht. Aber ich wette, sie würde was anderes sagen.

Sie haben in der Vorrunde dann doch noch zwei Spiele gemacht: 0:1 gegen Rutesheim und 1:6 in Sindelfingen.

Ich denke, ich habe gegen Rutesheim ein gutes Spiel gemacht. Über das zweite möchte ich lieber nicht reden. Man kommt zurück, will nicht 100, sondern 200 Prozent geben und denkt, dass man trotz zwei Monaten Verletzungszeit alles noch so kann wie vorher. Und am Ende hat man ein Problem mit dem Fußgelenk und kann wieder nicht spielen.

Kam der Einsatz zu früh?

Wahrscheinlich schon. Wir haben danach auch beschlossen, dass ich mich erst mal richtig auskuriere.

Wieder fit beim Start in die Vorbereitung

Wie sieht es jetzt aus?

Der Muskelbündelriss ist ausgeheilt, wie das Fußgelenk reagiert, wusste ich vor dem Trainingsstart nicht. Aber alles ist okay.

Breuningsweiler ist Letzter. Wie stehen die Chancen auf den Klassenerhalt?

Es wird sehr schwer. Wir hoffen natürlich darauf. Wir müssen ein Team sein, zusammenhalten. Dann bin ich guter Dinge.

Und wer steht im Tor? Dario Nieswandt?

Ich hoffe es. Aber letztlich entscheidet das der Trainer.

Dario Nieswandt über Vorbilder, Eltern und den Wert der Play Station

Herr Nieswandt. Wenn Sie unter allen Menschen auf der Welt wählen könnten, wen würden Sie gerne zum Essen einladen?

Gianluigi Buffon. Das ist mein Vorbild.

Wären Sie gerne berühmt?

Jein. Zeitweise wäre das bestimmt schön, aber immer – eher nicht.

Was war der bisher größte Erfolg in Ihrem Leben?

Bei der SG Sonnenhof Großaspach mit 18 Jahren im Regionalligakader zu stehen; auch wenn ich keine Minute in der Liga gespielt habe. Aber fast eine Viertelstunde im Freundschaftsspiel gegen Zweitligist VfR Aalen. Dazu kommen natürlich noch die Erfolge mit dem SV Breuningsweiler.

Ihre Wohnung brennt ab. Welchen Gegenstand retten Sie?

Meine Play Station.

Wofür sind Sie in Ihrem Leben am meisten dankbar?

Ich bin vor allem meinen Eltern dankbar. Sie sind alles für mich. Sie haben immer alles für mich getan. Und ich bin dem SV Breuningsweiler dankbar dafür, wie er mich in meiner Verletzungszeit unterstützt hat.

Wenn Sie irgendetwas an Ihrer Erziehung ändern könnten, was wäre das?

Nichts. Meine Eltern haben alles perfekt gemacht.

Wer ist der beste deutsche Torwart?

Marc André ter Stegen.

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