Rems-Murr-Sport Dem Bezirk drohen einschneidende Folgen

Allmählich wird es ernst. Der Württembergische Fußballverband (WFV) will sein Gebiet reformieren, aus 16 Bezirken sollen zwölf entstehen – oder gar nur neun. Das hätte dramatische Folgen für den Bezirk Rems-Murr, wie die kürzlich vorgestellten Varianten zeigen. Die Vereine aber scheinen das noch nicht realisiert zu haben.

Im Februar hatte der WFV in einer ersten Runde von Regionalkonferenzen das Ziel der Gebietsreform vorgestellt. In manchen Bezirken gibt es (zu) viele Vereine, in anderen zu wenige. Das soll die Gebietsreform ausgleichen, zwingend notwendig dazu wäre eine Reduzierung der Bezirke. Mittlerweile zeichnet sich ab: Ein Opfer der Reform wäre der Bezirk Rems-Murr.

Eine Kommission des Verbandes hat konkrete Vorschläge zur Umsetzung der Reform erarbeitet und stellt sie den Vereinen derzeit in mehreren Regionalkonferenzen vor. Drei der vier Konferenzen fanden bereits statt, mit einem für Patrick Künzer, Vorsitzender des Bezirks Rems-Murr, völlig überraschenden Ergebnis: Die Vereine sprachen sich mit überwältigender Mehrheit (in Heilbronn waren es 91 Prozent) für eine Reform aus. In Neenstetten stimmten, so der WFV in einer Pressemitteilung, 87 Prozent für das Modell 1-4-12: eine Verbandsliga (wie bisher), vier Landesligen (wie bisher) und 12 Bezirke (statt aktuell 16).

„Das hätte ich nie erwartet“, sagt Patrick Künzer, der der Reform weiterhin skeptisch gegenübersteht. Der Bezirk Rems-Murr habe sie nicht nötig. Dessen Vereine allerdings scheinen sich mit dem Thema noch nicht befasst zu haben. Auf die Einladung zur Regionalkonferenz in Neenstetten, so Künzer, habe er von denen zunächst keine einzige Rückmeldung erhalten. Künzer hakte nach und schließlich machte sich der Bezirk doch mit einer kleinen Truppe auf den Weg und stimmte gegen die Reform.

Aufhalten allerdings lässt sie sich wohl nicht. Beschlossen werden kann sie allerdings erst auf dem Verbandstag im Jahr 2021. Zuvor muss in den Bezirken darüber abgestimmt werden. Alles also, sagt Künzer, sei im Moment noch offen. Was aber kommt auf den Bezirk Rems-Murr zu?

Die drei Varianten der Reform

Drei Varianten liegen auf dem Tisch. Der Bezirk Rems-Murr wird sich in jeder deutlich verändern.

Am ehesten umgesetzt werden könnte die Variante 1-4-12 (a). Der Bezirk Rems-Murr würde mit der Hälfte des Bezirks Hohenlohe zusammengelegt.

Die Variante 1-4-12 (b) ist fast deckungsgleich, Rems-Murr aber verlöre alle Vereine, die zur Schiedsrichtergruppe Schorndorf gehören an den Bezirk Ostwürttemberg; also die Vereine in Schorndorf inklusive Stadtteile, Kaisersbach, Welzheim, Winterbach, Plüderhausen, Urbach, Rudersberg.

Die Variante 1-3-9 wäre die weitreichendste (eine Verbandsliga, drei Landesligen, nur noch neun Bezirke) und würde vom alten Bezirk Rems-Murr kaum etwas übrig lassen. Er würde mit Teilen von Stuttgart und Neckar/Fils, Ostwürttemberg und Enz/Murr zusammengelegt.

Patrick Künzer betont, „nichts ist bisher amtlich“. Aber auch ihm ist klar, dass Veränderungen kommen werden. Ursprünglich hatte er gesagt, dass er dann als Bezirksvorsitzender nicht mehr zur Verfügung steht. Aber wenn eine so große Mehrheit innerhalb des Verbandes eine Reform möchte, „können wir die Vereine nicht im Regen stehenlassen. Wenn der Übergang zeitlich geordnet über die Bühne geht, dann kann ich mir vorstellen, den Bezirk in die neue Zeit zu begleiten.“ Zeitlich geordnet bedeutet für ihn: Entscheidung 2021, Umsetzung 2023, möglichst erst 2024. Seine Zusage gelte allerdings nur für die Variante 1-4-12. „Den Weg 1-3-9 gehe ich nicht mit.“

Worauf sich die Vereine einstellen müssen

Deutlich längere Fahrtstrecken in der Variante 1-4-12, vor allem für Vereine in der – einen – Bezirksliga. Aber auch für die Kreisligen werden die Strecken länger, genauso für die Jugendmannschaften und die Schiedsrichter.

Bei der Variante 1-4-12 (b) mit der Abspaltung der Schorndorfer Vereine käme es zu der kuriosen Situation, dass der VfL Winterbach dem Bezirk Ostwürttemberg zugeschlagen würde, während die SV Remshalden, mit der der VfL in der Jugend eine Spielgemeinschaft bildet, weiter zum Bezirk Rems-Murr gehört – oder wie immer der dann auch heißen wird.

Es wird einen verschärften Abstieg geben. Der Bezirk wird deutlich größer, umfasst in der Variante 1-4-12 dann 206 Mannschaften im Spielbetrieb (aktuell sind es 136), aber es wird nur eine Bezirksliga geben. Wie viele Kreisligen darunter angesiedelt sein werden, wie der Übergang generell gemanagt wird, darüber gibt es bisher keine Angaben.

Patrick Künzer ist kein Freund der Gebietsreform. Sie sei für den Bezirk Rems-Murr nicht nötig. Zudem überwögen für den die Nachteile. Er habe schon mit einigen Vereinen gesprochen, sagt Künzer, aber keinen getroffen, der dafür ist. Die allgemeine Tendenz jedoch führt offenbar in eine andere Richtung. Künzer: „Wir können nicht mehr machen, als vor den negativen Folgen zu warnen.“ Schlüsse daraus aber müssten die Vereine ziehen.

Beschlossen werden soll die Reform zwar erst am Verbandstag 2021, aber damit auseinandersetzen müssen sich die Vereine jetzt schon.

Hintergrund

Die Mitgliederzahlen im Württembergische Fußballverband sinken. Das führt dazu, dass einige Bezirke immer weniger Mannschaften haben und deshalb Probleme, ihre Staffeln zu füllen. Der WFV möchte erreichen, dass sich künftig in weniger Bezirken überall ausreichend Mannschaften am Spielbetrieb beteiligen.
Gleichzeitig soll das die Wettbewerbsfähigkeit des Verbands stärken.
 

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