TVB Stuttgart Erster Heimsieg für TVB seit neuneinhalb Monaten

Patrick Zieker (beim Wurf, gegen Patrick Miedema) war von Nordhorn nicht zu halten. Hier staunen die TVB-Mitspieler Dominik Weiß, Manuel Späth und Rudolf Faluvégi (von links) nicht schlecht: Der Linksaußen traf beim 29:24-Sieg selbst aus dem Rückraum. Foto: Ralph Steinemann Pressefoto

Im 14. Saisonspiel ist dem Handball-Erstligisten TVB Stuttgart beim 29:24 (13:8) gegen die HSG Nordhorn-Lingen der zweite Sieg gelungen – und nicht nur das: Es war der erste Liga-Heimerfolg für den TVB seit sage und schreibe neuneinhalb Monaten. Die Partie vor 2961 Fans in der Scharrena hatte einiges zu bieten. Zwei Szenen dürften in der Kuriositäten-Hitliste der Handball-Bundesliga am Ende der Spielzeit ziemlich weit oben platziert sein.

Bereits nach drei Minuten musste das Spiel unterbrochen werden. Beim ersten Tor zum 1:0 durch David Schmidt holte sich der Schiedsrichter Nils Loppaschewski eine blutige Lippe: Er war im Getümmel auf der linken Angriffsseite zwischen zwei Spieler geraten.

In der 42. Minute forderte der TVB-Torhüter Johannes Bitter – wie er es oft tut – die Zuschauer auf, das Team anzufeuern und wandte sich dabei den Fans zu. Robert Weber, der österreichische Fuchs im Team des Tabellenletzten HSG Nordhorn-Lingen, knallte den Ball am verdutzten Bitter vorbei in den Winkel. Es war der Treffer zum 12:21 aus Sicht der Gäste. Aussetzer wie jener Bitters konnte sich der TVB leisten in einem Spiel, das er von Beginn an nach Belieben dominierte.

Gäste oft unter Zeitspieldruck

Die große Frage vor dem Spiel war gewesen, inwieweit die Stuttgarter ihre Nerven im Griff haben würden. Diese Frage war recht schnell beantwortet: Das Team von Trainer Jürgen Schweikardt startete konzentriert, holte sich über seine aufmerksame Defensive die nötige Sicherheit. Nach sieben Minuten stand’s 3:0, nach 18 Minuten 8:3. Der Gästetrainer Geir Svensson zückte die grüne Auszeit-Karte.

Dem Rückraum des Aufsteigers fehlte es an Durchschlagskraft, einzig Lutz Heiny musste der TVB im Auge behalten. Auch den Kreis der Gäste, die in fast jedem Angriff unter Zeitspieldruck gerieten, hatte der TVB im Griff. Und im eigenen Angriff agierte Stuttgart variabel, der Kreisläufer Zarko Pesevski wurde häufig auf Kosten eines Siebenmeters gestoppt. Vier von sechs Strafwürfen verwandelte Patrick Zieker sicher, auch den zum 10:4 nach 22 Minuten.

Auf der anderen Seite ließ der österreichische Nationalspieler Weber dem TVB-Keeper Bitter vom Strich dreimal keine Chance. Weber war am Ende mit zehn Toren nicht nur der erfolgreichste Schütze der Gäste, sondern auch deren bester Spieler.

Übertroffen wurde Weber jedoch vom Stuttgarter Linksaußen und elffachen Torschützen Zieker, der zum 12:6 sogar aus dem Rückraum traf (27.). In die Pause ging der TVB mit einem beruhigenden Fünf-Tore-Vorsprung (13:8), der angesichts der Überlegenheit eigentlich noch deutlicher hätte ausfallen müssen.

Leichte Konzentrationsschwächen, aber keine Gefahr für den TVB

Mit mehr Tempo kamen die Gäste aus der Kabine. Für den TVB galt es, konzentriert zu bleiben und die Nordhorner nicht in Schlagdistanz kommen zu lassen. Das gelang sehr gut, obgleich der Start etwas zerfahren war und der TVB schon nach 37 Minuten mit einer doppelten Bürde fertig werden musste: Sowohl Manuel Späth als auch Dominik Weiß waren mit der zweiten Zeitstrafe belastet. Weiß kam auch in der Offensive zu vielen Spielanteilen, weil Adam Lönn wegen einer Fersenverletzung 60 Minuten auf der Bank saß. Nach wechselvollen ersten 30 Minuten steigerte sich Weiß, traf zum 17:10 (38.).

Der TVB hatte stets alles im Griff. Nach dem 21:11 (42.) nahm Svensson seine zweite Auszeit binnen zwei Minuten – ohne Erfolg indes zunächst. Mit zwei Kontern stellte Zieker beim 24:12 auf zwölf Tore Differenz – damit war das Spiel entschieden. Angesichts des komfortablen Vorsprungs ließ es der TVB allerdings für zehn Minuten ziemlich schleifen. Nach Pesevski Tor zum 25:13 (46.) lief nicht mehr viel zusammen. Sechsmal brachten die Stuttgarter den Ball nicht am Nordhorner Keeper Bart Ravensbergen vorbei, hatten Probleme mit der 5:1- und 4:2-Deckung des Gäste. Auch in der Abwehr packte das Heimteam nicht mehr energisch genug zu. Mit einem 7:1-Lauf gestaltete das Schlusslicht die Partie beim 26:20 (55.) deutlich freundlicher – ohne jedoch eine Chance auf einen Punkt zu haben.

Der TVB zog wieder an, nach drei Toren in Serie von Sascha Pfattheicher zum 29:20 (57.) waren die Verhältnisse wieder zurecht gerückt. Die vier Tore der Gäste zum 29:24-Endstand störten nicht mehr allzu sehr.

So sah’s auch hernach der erleichterte TVB-Trainer. „Die Phase gegen Ende hatten wir uns natürlich etwas anders vorgestellt“, sagte Jürgen Schweikardt. „Wenn die größte Sorge jedoch war, wie hoch wir gewinnen würden, dann kann ich damit leben.“ Der Druck sei extrem hoch gewesen, „und ich bin froh, dass wir dem Stand gehalten haben“. Der Sieg sei alles andere als selbstverständlich gewesen, deshalb habe sein Team ein großes Kompliment verdient. „Jetzt können wir uns auf das absolute Highlight freuen.“

Das steht bereits an diesem Dienstag an: Um 20 Uhr erwartet der TVB in der Scharrena im DHB-Pokal-Viertelfinale den THW Kiel. Es gibt noch ausreichend Karten.


TVB Stuttgart: Bitter, Lehmann; Häfner (1), Asgeirsson, Weiß (3), Faluvégi (1), Späth (2), Lönn, Markotic, Röthlisberger (1), Zieker (11/4), Pfattheicher (5/1), Pesevski (1), Schmidt (4), Wieling. HSG Nordhorn-Lingen: Buhrmester, Ravensbergen (1); Heiny (3), Leenders, Weber (10/3), Mickal (4), Miedema, Terwolbeck, de Boer (1), Zare, Vorlicek, Prakapenia, Possehl (1), Pöhle (2), Kalafut (2).

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